Weilburger Ansichten

Stiche und Bilder

Weilburg; Kupferstich um 1640

Weilburg; Kupferstich um 1640

Weilburg; Kupferstich von Daniel Meißner, um 1640
(Quellenangabe)

Der obige Kupferstich zeigt das Renaissanceschlosses, wie es sich nach den 1572  erfolgten Baumaßnahmen darstellte. Heute gar nicht mehr vorhanden sind der im Kupferstich dargestellte Treppenaufgang zum "Speisesaal" im Südflügel und der daneben liegende Balkon des "Teesalons". Verändert gegenüber der damaligen Anlage ist die heutige Treppenführung zum Sockel des Uhrturms. Außerdem war zur Entstehungszeit des Kupferstichs der Schlosshof vermutlich noch nicht gepflastert, worauf die dargestellten Trampelpfade im Hof schließen lassen.

Die Überschrift des Bildes bedeutet "Die Liebe besiegt den Zorn", dargestellt auch in der Allegorie des einen Löwen jagenden Amor'.

In dem Band "Zauberhaftes Weilburg" von Fritz Meyer und Horst Scheibert (s. a.  "Auswahlseite", "Stiche und Bilder") wird der Kupferstich Daniel Meißner (auch Meisner, Meissner) zugeschrieben. Als Entstehungszeit geben die Verfasser "um 1640" in "Meißners Schatzkästlein" ("Politisches Schatzkästlein") an.

Herr Piotr Paczosa hat mich darauf hingewiesen, dass der oben gezeigte Kupferstich
nicht "um 1640" gedruckt wurde, sondern der zwischen 1627 und 1631 aufgelegten Ausgabe des "Thesaurus Philopoliticus" ("Politisches Schatzkästlein") entstammen muss.

Zwar wurde die emblematische Darstellung mit Weilburg auch in die 1638-1642 aufgelegte "Sciographia Cosmica" aufgenommen (eine weitere Ausgabe erfolgte 1678), die darin enthaltenen Stiche sind jedoch mit alphanummerischen Kennungen (A1-A100 bis H1-H100) versehen. Diese Art der Kennzeichnung war im "Politischen Schatzkästlein" nicht vorgenommen worden, sie erfolgte dort nur nummerisch.

Ergänzend dazu habe ich festgestellt, dass Daniel Meisner 1625 verstarb und die Zuweisung von Stichen an Meisner als nicht immer zutreffend angesehen wird.

Lt. Angaben von Friedrich Bachmann: Die älteren mecklenburgischen Städteansichten, Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. - Bd. 88 (1924), S. 117-224 verlegte der Frankfurter Kupferstecher Eberhard Kiefer in zwei Folgen von je acht Heften den "Thesaurus Philopoliticus" ab 1623. Darin ist jeder Stadtansicht ein Sinnbild und ein Sinnspruch zugeordnet. Mit der Auswahl der Embleme und dem verfertigen der Sinnsprüche betraute Kiefer den in Frankfurt lebenden Daniel Meisner, geb. in Commothau (Böhmen). Keinen Anteil hat Meisner nach den Angaben von F. Bachmann dagegen an den Stadtansichten. Meisner verstarb bereits nach Beendigung des 6. Bandes (1625).

Was die Urheberschaft von Daniel Meisner an den ihm zugeschriebenen Stichen betrifft, schreiben Dr. F. Herrmann und Dr. L. Kraft, Daniel Meissners Thesaurus Philopoliticus (Politisches Schatzkästlein), Neuauflage, 1. Band, Carl Winters Universitätsbuchhandlung, Heidelberg, 1927:

"Spuren von Meisners Tätigkeit als Poet findet man auf zahlreichen gleichzeitigen Stichen von Frankfurter Künstlern, denen er die deutschen oder lateinischen Verse lieferte; sein zugesetzter Name hat von jeher viele Forscher zu dem Irrtum verführt, daß die Stiche von ihm herrührten."