Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Auerochse, Ur, (Bos primigenius)

Weilburg, Tiergarten, Auerochse, Ur, Heckrind, Abbildzüchtung, Rückzüchtung

Weilburg, Tiergarten: Heckrinder, Rückzüchtungen der Auerochsen (Ure), (Abbildzüchtungen)

Auerochsen waren von Westeuropa bis zum Chinesischen Meer, im Süden bis ins nördliche Vorderindien, Vorderasien und Nordafrika verbreitet. Die Nachweise für Deutschland reichen bis in eine Zeit vor ca. 250.000 Jahren. Während die Auerochsen in Asien bereits in frühgeschichtlicher Zeit ausstarben, leiteten in Mittel- und Westeuropa große Rodungsperioden vom 9. bis 11. Jahrhundert ihren Untergang ein. Am längsten hielten sie sich in den großen Wäldern Osteuropas, doch mit dem Tod der letzten Kuh im Wald von Jaktorow südlich von Warschau im Jahre 1627 war die Art endgültig ausgestorben.

Weilburg, Tiergarten, Auerochse, Ur, Heckrind, Abbildzüchtung, Rückzüchtung

Weilburg, Tiergarten: Heckrind, Kuh; Rückzüchtung des Auerochsen (Ur), (Abbildzüchtung)

Die Bullen erreichten Schulterhöhen bis 185 cm und ein Gewicht von 800 bis 1.000 kg, wobei Gewicht und Größe der Bullen etwa 25 % mehr als bei den weiblichen Tieren betrug. Die Hörner wurden bis zu 80 cm lang, spitz und im Querschnitt kreisrund. Das Fell war glatt und kurz, im Winter aber dichter und fast lockig. Die Fellfärbung der Bullen war schwarzbraun bis schwarz mit einem gelbbraunen bis grauweißen Aalstrich, die Färbung bei den Kühen waren heller schwarzbraun bis braun, die Kälber waren bei der Geburt rotbraun. Die Tiere lebten in großen Herden in mehr oder weniger offenen Landschaften. Als Wiederkäuer waren sie reine Pflanzenfresser deren Hauptnahrung sich aus Gräsern, Kräutern, Laub, Knospen, Trieben, Rinde, Sumpf- und Wasserpflanzen aber auch Flechten und Moosen zusammensetzte.

Ab etwa 6500 v. Chr. begann an verschiedenen Stellen und zu verschiedenen Zeiten unabhängig voneinander die Domestikation. Vermutlich wurden die ersten Rinder zu Kultzwecken gehalten wofür der Mondkult ausschlaggebend gewesen sein dürfte. Der Mond galt als Sinnbild der Fruchtbarkeit, und die geschwungenen Hörner der Rinder wurden zum Symbol der Mondgöttin, der zu bestimmten Zeiten geheiligte Tiere geopfert wurden.

Weilburg, Tiergarten, Auerochse, Ur (Kalb), Heckrind, Abbildzüchtung, Rückzüchtung

Weilburg, Tiergarten: Heckrind, Kalb; Rückzüchtung des Auerochsen (Ur), (Abbildzüchtung)

Die große Bedeutung der Domestizierung des Rindes für die Menschheitsgeschichte trug mit zu dem Vorhaben einer Rückzüchtung (Abbildzüchtung) zur wilden Stammform bei. 1934 begannen die Brüder Lutz Heck (Zoodirektor in Berlin) und Heinz Heck (Direktor Tierpark München-Hellabrunn) mit Kreuzungen zwischen Tieren verschiedener Rinderrassen, in denen die äußere Erscheinungsform des Auerochsen weit gehend bewahrt worden war. Die aus den Züchtungen hervorgegangene Rinderrasse wird deshalb auch zutreffender mit Heck-Rinder bezeichnet. Aufgrund dieser Rückzüchtungen kann man sich heute zwar ein Bild davon machen, wie der Auerochse einmal ausgesehen hat, das ausgestorbene Wildtier kann damit jedoch nicht zum Leben erweckt werden, die Erbanlagen des Ur waren mit dem Tod des letzten Tieres verloren.