Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Luchs (Lynx lynx)

Weilburg, Tiergarten, Luchs, Lynx lynx

Weilburg, Tiergarten: Luchs
Foto mit freundlicher Erlaubnis von Frau G. Löffler

Der Eurasische Luchs gehört bei den Raubtieren zur Familie der Katzen (Felidae) und dort zur Gattung Luchs von der vier Arten existieren:

  • Eurasischer Luchs (Lynx lynx), Eurasischer Kontinent
  • Pardellluchs (Lynx pardinus), Spanien und Portugal
  • Kanadaluchs (Lynx canadensis, Kanada / Alaska
  • Rotluchs (Lynx rufus), USA / Mexiko

Das Verbreitungsgebiet des eurasischen Luchs war ursprünglich ganz Kontinental-Europa und Asien von den Pyrenäen im Westen bis zur Pazifikküste im Osten und von den Nordhängen des Himalajas im Süden bis jenseits des Polarkreises im Norden. Keine andere Katzenart dringt weiter nach Norden vor und ist so gut auch an frostiges Klima angepasst wie der Eurasische Luchs. Mit seiner großen Anpassungsfähigkeit und seiner Anspruchslosigkeit hat er sich - mit Ausnahme von reinen Steppen- und Wüstenregionen und von Irland und Island - alle Lebensräume erschlossen.

Seine Anpassungsfähigkeit schützte den Luchs jedoch nicht vor der - fast "erfolgreichen" - Ausrottung durch den Menschen, die zuerst in der Ebene und in den Niederungen zwischen den Gebirgen, dann in den Vorbergen und im Hügelland und schließlich auch im Gebirge erfolgte. Dieser Ausrottungsprozess steht im Zusammenhang mit der Entwicklung des Ackerbaus und der Reduktion der Wälder einerseits, als auch mit den Besonderheiten der Viehwirtschaft in früherer Zeit. Der durch Rodung und Waldweidebetrieb bedingte schlechte Waldzustand führte zu einem deutlich geringeren Nahrungsangebot und dadurch schlechteren Lebensbedingungen der Luchse. Trotzdem waren Hauptursache für das Verschwinden des Luchs aus seinen angestammten Lebensräumen nicht die verschlechterten Lebensbedingungen, sondern seine Verfolgung durch den Menschen. Um 1860 war nur noch die Hälfte der Fläche Europas vom Luchs bewohnt. Am längsten konnte er sich in unzugänglichen Bergregionen der Alpen halten. In Deutschland war er zu diesem Zeitpunkt schon aus fast allen Gebieten seines ehemaligen Verbreitungsgebietes verschwunden.

Heute befinden sich in Europa viele kleine und isolierte Luchsbestände. Lediglich in Skandinavien, in den Karpaten und im Baltikum konnten sich größere Populationen halten. Der skandinavische Luchsbestand ist in Kontakt mit der baltischen und russisch-sibirischen Population. In den Karpaten besteht die größte selbstständige Luchspopulation in Europa, die nicht mit der russisch-sibirischen in Kontakt steht.

Der Luchsbestand im Dreiländereck Deutschland, Österreich, Tschechische Republik hat sich wie die Schweizer Population aus wieder angesiedelten Luchsen aufgebaut. Weitere kleine Luchspopulationen befinden sich u. a. im Balkan (ehem. Jugoslawien, Albanien, Griechenland und Mazedonien), im Gebiet von Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzogovina, im Jura (Frankreich, Schweiz), in den Vogesen und in den Pyrenäen.

In der Familie der Katzen ist der Luchs nur ein mittelgroßer Vertreter dieser Familie, in Europa ist er jedoch das größte katzenartige Raubtier. Er erreicht eine  Körperlänge von 80 cm bis 120 cm, eine Schulterhöhe 50 cm bis 60 cm und ein Gewicht zwischen 16 kg und 26 kg, wobei die Männchen meist etwas schwerer sind als die Weibchen. Der Luchs ist hochbeiniger als andere Katzen, trägt einen Stummelschwanz und hat auffallende Haarbüschel an den Ohrspitzen und einen ausgeprägten Backenbart. An den Pfoten vergrößert das Haarpolster am Pfotenrand die Trittfläche und schützt zwischen den Ballen gegen Kälte und Schnee. Färbung und Muster des Fells variieren bei Luchsen vom stark gefleckten Fell bis zum fast ungemusterten und von gelblich-grau bis rötlich-zimtfarben. Beim Winterfell herrschen mehr graue, beim Sommerfell die rötlichen Farbtöne vor. Er kann auf kurze Distanz eine Geschwindigkeit bis 70 km/h erreichen, seine Lebenserwartung in freier Wildbahn beträgt etwa 10 Jahren, in Gefangenschaft kann er weit älter werden.

Weilburg, Tiergarten, Luchs, Lynx lynx

Weilburg, Tiergarten: Luchs

Der Eurasische Luchs ist zwar ein typischer Waldbewohner und besiedelt alle Waldtypen, in Zentralasien jedoch bewohnt der Luchs auch waldlose Gebiete wie z.B. Halbwüsten. Im Norden ist der Luchs auch in der Tundra zu finden. Die Revierwahl des Luchses wird vor allem durch das Nahrungsangebot bestimmt. Solange ein Gebiet dicht genug bewaldet ist und ausreichend Beutetiere bietet, kann der Luchs auch in nächster Nähe zu Menschen leben.

Der Luchs ist ein Einzelgänger und lebt in festen Revieren, deren Größe von der Beschaffenheit der Landschaft und dem Nahrungsangebot abhängen und zwischen Extremwerten von 5 qkm in den slowakischen Karpaten bis zu 2.000 qkm in Schweden reicht. Die meisten Untersuchungen belegen einen Raumanspruch von 30 bis 300 qkm. In diesen Revieren werden keine anderen gleichgeschlechtlichen Luchse toleriert. Reviere von Männchen und Weibchen können sich aber überlagern. Oft überdeckt das Revier eines Männchen die Wohngebiete von zwei Weibchen. Während Weibchen die meiste Zeit im zentralen Bereich ihres Revier verbringen, halten sich die Männchen in regelmäßigen Abständen auch in Randgebieten auf. Innerhalb seines Reviers hält der Luchs seine Wechsel ein und hat feste Wohn- und Ruhelager.

Luchsweibchen werden mit zwei Jahren geschlechtsreif, Männchen meist mit 3 Jahren. Die Paarungszeit liegt beim Luchs im März und Anfang April. Nur während der Paarungszeit bleiben Luchs und Luchsin mehrere Tage zusammen. Nach einer Tragzeit von 68 bis 72 Tagen bringt die Luchsin in einem Versteck  Ende Mai bis Anfang Juni zwischen 1 und 4 Junge zur Welt. Diese wiegen bei der Geburt lediglich etwa 250 Gramm, haben die ersten zwölf Tage fest verschlossene Augenlider und sind hilflos wie andere Katzenkinder in den ersten Lebenswochen. Die Aufzucht der Jungen nimmt die Luchsmutter allein wahr. Das Weibchen säugt die Jungtiere etwa ein halbes Jahr, während der 5. bis 6. Woche erfolgen jedoch erste Versuche zur Aufnahme fester Nahrung und mit etwa 3 Monaten nimmt die Luchsin ihre Jungen auf erste Streifzüge durch ihr Revier mit. Frühestens mit 10 Monaten sind die Jungtiere fähig sich selbst zu versorgen. Ende März/Anfang April, also vor der nächsten Paarungszeit, wird von der Luchsmutter die Trennung von den Jungtieren initiiert.  Die mittlerweile etwa 10 kg schweren Jungen verlassen daraufhin innerhalb von 2 bis 5 Wochen das Revier der Mutter um ein eigenes Revier zu besetzen.

Durch die territoriale Struktur regeln die Luchse die Größe ihrer Population selbst. Nur ein Luchs der sein eigenes Revier hat pflanzt sich fort. Da er dazu Neuland suchen oder ein Wohngebiet finden muss, in dem ein Altluchs gestorben ist, bleibt die Zahl der sesshaften Luchse relativ konstant und Schwankungen in der Populationsgröße sind vor allem auf Schwankungen in der Anzahl von noch nicht sesshaften Jungluchsen zurückzuführen.

Der Luchs jagt meist in der Dämmerung oder Nacht, wenn auch seine Beutetiere aktiv sind. Seine Jagdtaktik ist dabei: Anschleichen, Belauern, Überraschungsangriff. Schlägt der Angriff fehl,  lässt der Luchs von seiner Beute ab und verfolgt sie nicht mehr, wie es hundeartige Raubtiere tun.

Der Nahrungsbedarf eines Luchses liegt bei etwa 1 bis 4 kg je Tag. Der Luchs frisst seine Beute fast vollständig auf und lässt nur große Knochen, Haut, Kopf und den Verdauungstrakt liegen. Ein größeres Beutetier wird nicht sofort vollständig aufgezehrt, sondern mit z. B. mit Laub, Gras oder Schnee getarnt und in Folgenächten weiter verzehrt.

Beutetiere des eurasischen Luchs sind vor allem die mittelgroßen Huftiere wie Rehe, Gämsen, Moschustiere, junge Rothirsche und Wildschafe. Zwar verschmäht er auch nicht kleinere Säugetiere wie Hasen und Murmeltiere und kleinere Raubtiere wie Füchse, Katzen und Marder oder größere bodenlebende Vögel, insbesondere Rauhfußhühner, die bevorzugte Beute bilden jedoch die erwähnten Huftiere, allen voran das Reh.