Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Braunbär, (Ursus arctos)

Weilburg, Tiergarten, Europäischer Braunbär

Weilburg, Tiergarten: Europäischer Braunbär
Foto: Jean-noël Lafargue
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In der zoologischen Systematik gehört der Braunbär zur Ordnung der Carnivora (Raubtiere), die sieben Familien umfasst. Eine davon ist die Familie der Ursidae (Bären). Der Braunbär kommt in mehreren Unterarten in Eurasien und Nordamerika vor, die sich, auch aufgrund ihres großen Verbreitungsgebietes, teilweise erheblich in Bezug auf Größe, Färbung und anderer morphologischer Merkmale unterscheiden. Im allgemeinen geht man heute von etwa einem Dutzend Unterarten aus, die der Art Braunbär (Ursus arctos) zugehörig sind. Dazu zählen u. a. auch der Europäischer Braunbär (Ursus arctos arctos), der Grizzlybär (Ursus arctos horribilis) und der Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi). Ebenso gehörte der ausgestorbene Kalifornische Braunbär (Ursus arctos californicus) dieser Art an. Als die dem Braunbären am nächsten verwandte Art gilt der Eisbär (Ursus maritimus), der aber teilweise auch als Unterart des Braunbären angesehen wird.

 Der Braunbär ist eines der größten Landraubtiere der Erde und hat in die Mythologie, in zahlreiche Märchen und Sagen, in die Heraldik und Literatur Eingang gefunden. Ebenso finden sich Bezüge zum Bären in der Sprache wieder (an der Börse: Bärenmarkt, redensartlich: Bärendienst) und nicht zuletzt hat der Braunbär Pate gestanden für das von Steiff gefertigte Stofftier Teddybär.

Der Europäische Braunbär war in ganz Europa verbreitet. Ausgestorben ist er wahrscheinlich schon seit dem 10. Jahrhundert in Großbritannien und in Deutschland soll der letzte Braunbär 1835 in Ruhpolding erlegt worden sein, im Vogelsberg im 17. jahrhundert. Als ausgerottet gilt der Braunbär auch seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Österreich und seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Durch Zuwanderung und Wiederansiedlungsversuche traten vereinzelt wieder Braunbären auf. So im Jahr 2006 ein in der Öffentlichkeit als Bruno bekannt gewordener Braunbär in der deutsch-österreichischen Grenzregion (erschossen am 26. Juni 2006 nahe des Spitzingsees). Auch in Österreich etablierte sich eine kleine Population, teilweise durch Zuwanderung, teils aus Wiederansiedlungsprojekten, überwiegend im niederösterreichisch-steirischen Grenzgebiet. Die größten Populationen außerhalb Russlands bestehen in Nordeuropa, Rumänien und den Staaten der Balkanhalbinsel.

Bevorzugter Lebensraum des Europäischen Braunbären sind Wälder und bewaldete Gebirgsregionen. Sie sind nicht standorttreu, sondern unternehmen ggf. auch lange Wanderungen zu Gebieten mit besserem Nahrungsangebot und Lebensbedingungen. Vom Nahrungsangebot abhängig ist auch die Reviergröße, wobei Reviere des männlichen Bären die doppelte Größe der weiblichen Tiere umfassen. Braunbären sind Allesfresser, ernähren sich überwiegend aber von pflanzlicher Kost, z. B. Gräser, Kräuter, Beeren, Samen, Früchte, Nüsse und Honig. Tierische Nahrung besteht vor allem aus Insekten, Vögeln und deren Eiern, Fischen und Nagetieren. Auf die Jagd größerer Säugetiere sind Bären nicht spezialisiert, von diesen fallen ihnen üblicherweise nur kranke, geschwächte und ältere Tiere zum Opfer. Auch Aas wird nicht verschmäht.

Braunbären leben als Einzelgänger und nur während der Paarungszeit kommt es zu kurzzeitigen Verbindungen. Braunbären sind polygam, das Männchen versucht sich mit mehreren Weibchen zu paaren. Nach erfolgter Paarung verhindert das Männchen jedoch für ein bis drei Wochen jedoch die Möglichkeit einer erneuten Paarung des Weibchens mit einem anderen Männchen. Die Paarungszeit ist in den Monaten Mai bis Juli. Die befruchtete Eizelle kann bis zu fünf Monaten in der Gebärmutter verbleiben, bevor sie sich in der Gebärmutterschleimhaut einnistet und die eigentliche Tragzeit beginnt, sodass die Zeitspanne zwischen Fortpflanzung und Geburt zwischen 180 und 270 Tagen betragen kann, während die eigentliche Trächtigkeit nur sechs bis acht Wochen dauert.

Bis zu vier Junge, meist jedoch zwei bis drei, werden in der Zeit der Winterruhe von Januar bis März geboren. Das Weibchen übernimmt allein die Aufzucht der Jungen. Bis zum Alter von fünf Monaten werden die Jungtiere ausschließlich gesäugt, dann nehmen sie erstmals auch andere Nahrung zu sich. Endgültig abgesetzt werden die Jungtiere jedoch erst nach eineinhalb bis zweieinhalb Jahren. Die Jungtiere werden vom Weibchen verjagt, wenn dieses nach zwei bis vier Jahren wieder empfängnisbereit ist. Nach der Trennung vom Muttertier bleiben die Geschwister noch zwei bis vier Jahre zusammen. geschlechtsreif werden die männlichen Braunbären mit etwa viereinhalb Jahren, weibliche Braunbären mit etwa vier bis sechs Jahren.

Der Europäische Braunbär erreicht ein Lebensalter von ca. 25 bis 30 Jahren. In menschlicher Obhut wurde ein Braunbär 47 Jahre alt. Das Gewicht differiert je nach Vorkommen relativ stark. In Nordeuropa erreicht er ein Durchschnittsgewicht von 150 bis 250 kg, in Südeuropa liegt das Gewicht unter 100 kg. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt zwischen 200 cm und 280 cm, die Schwanzlänge ca. 10 cm.

Im Gegensatz zu Winterschläfern, deren Winterschlaf meist durch abnehmende Tageslichtlänge ausgelöst wird, hält der Bär eine durch Nahrungsmangel und fallende Lufttemperaturen ausgelöste Winterruhe. Dabei handelt es sich um keinen Narkose ähnlichen Tiefschlaf (wie z. b. beim Murmeltier). Die Körpertemperatur sinkt um max. 5 Grad Celsius ab, der Herzschlag wird von ca. 40 bis 50 Schlägen pro Minute auf ca. acht Schläge abgesenkt. So kommt der Bär wenigstens viereinhalb Monate ohne Wasser und Nahrung aus, da er in dieser Zeit allein von seinen Fettreserven zehrt.

Im Wildpark "Tiergarten Weilburg" werden erstmals seit Ende Mai 2009 Europäische Braunbären in einem Gehege gehalten. Das Gehege wurde mit Bärenhaus, Teichanlage und Sicherheitseinrichtungen ausgestattet und umfasst 11.000 Quadratmeter. Die beiden jungen Braunbären (Steve und Tim) im Alter von eineinhalb und zwei Jahren stammen aus der Hohen Tatra, waren aber in der Slowakei in der Auffangstation des Zoologischen Gartens Bojnice untergebracht. Die Umsiedlung der beiden Braunbären würde möglich durch die Verbindung Weilburgs mit seiner slowakischen Partnerstadt Kezmarok (Käsmark).