Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Rehwild (Capreolus capreolus)

Rehe gehören zur

  • Klasse der Säugetiere (Mammalia),
  • Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla),
  • Familie der Hirsche (Cervidae),
  • Unterfamilie der Trughirsche (Odocoilinae).

Es ist die kleinste Hirschart und das in Deutschland am häufigsten vorkommende wild lebende Huftier. Das Reh besiedelt weite Teile Europas und Asiens und kommt in Europa von der Küste bis ins Hochgebirge, von Flussauen bis hin zu Bergwäldern, in Agrarsteppen und Parklandschaften vor. Optimale Lebensbedingungen findet Rehwild im Übergangsbereich zwischen Wald und Feld und damit in Landschaften die durch den Wechsel zwischen Wald, Feld und Wiesen geprägt werden. Als Kulturfolger hat sich das Rehwild an die Lebensbedingungen in einer stark durch die Zivilisation geprägten Landschaft angepasst und ist zumindest teilweise bis in die Gärten und Parkanlagen unserer Vorstädte vorgedrungen. Seine Anpassungsfähigkeit hat auch dazu geführt, dass sich  z. B. im nord- und ostdeutschen Tiefland reine Feldrehpopulationen gebildet haben, die ganzjährig im offenen Gelände leben.

Weilburg, Tiergarten, Rehwild, Capreolus capreolus

Rehwild
Foto: S. u. Quellenangabe

Nicht immer war das Rehwild so häufig wie heute. Noch im 18. Jahrhundert waren Rehe relativ selten und nicht überall verbreitet. Zur Vervielfachung der Rehwildbestände haben neben seiner Anpassungsfähigkeit an die Kulturlandschaft des Menschen vor allem das größere Nahrungsangebot als Folge der Intensivierung der Landwirtschaft beigetragen, die Aufgabe der Waldweidewirtschaft und die (Fast-)Ausrottung des Rotwilds.

Böcke erreichen eine Schulterhöhe zwischen 60 cm und 90 cm, eine Länge von 90 cm bis 120 cm und ein Gewicht zwischen 10 kg bis 25 kg. Die weiblichen Tiere, Ricken, sind mit 10 kg bis 20 kg meist leichter als die Böcke. Wechsel des Haarkleids erfolgen im Frühjahr und Herbst, wobei sich jüngere Tiere meist früher als die Alttiere verfärben. Das Sommerhaar ist kurz und gelbrot bis kupferrot gefärbt, der dann wenig auffallende Spiegel ist gelblich. Das Winterhaar ist länger und dichter, die Farbe ist oben graubräunlich und unten grau. Der beim Winterhaar auffallende Spiegel ist schneeweiß. Das Haarkleid der Rehkitze ist zunächst ein mit weißen Tupfen versehenes Tarnkleid, das sich zum ersten Haarwechsel ab August einfarbig rotgelb färbt. Rehwild hat eine Lebenserwartung von etwa 10 bis 12 Jahren.

Weilburg, Tiergarten, Rehwild

Rehfamilie (Sprünge)
Foto: S. u. Quellenangabe

Die Ricken tragen im Gegensatz zu den Böcken kein Gehörn. Bei den Böcken wird das Gehörn jedes Jahr im November/Dezember abgestoßen und auf den Ansätzen, den Rosenstöcken, bildet sich dann neues Gehörn. Das Wachstum des neuen Gehörns erfolgt unter einer durchbluteten Haut, dem Bast. Dieser Bast stirbt zum Ende der Wachstumsphase ab und wird vom Bock an Büschen und jungen Bäumen abgefegt. Im April ist das Gehörn schließlich fertig entwickelt. Da die Rosenstöcke jedes Jahr kürzer, im Durchmesser aber größer werden, ist anhand dieser eine Aussage über das Alter der Böcke möglich. Das Alter, in dem Rehböcke ihr stärkstes Gehörn tragen, schwankt zwischen 3 und 6 Jahren. In der Mehrzahl endet die Gehörnentwicklung beim Stadium des Sechsers, doch kommen auch Gehörne mit acht und mehr Enden vor.

Weilburg, Tiergarten, Rehbock

Rehbock
Foto: S. u. Quellenangabe

Das Rehwild schließt sich ab Herbst zu großen Rehfamilien (Sprünge) zusammen, die sich im März/April wieder auflösen. Dann beziehen die Böcke bis zur Paarungszeit im Juli/August ihre Reviere (Einstände). Seine Reviergrenzen kennzeichnet der Rehbock mit den zwischen den Stangen am Stirnbein befindlichen Duftdrüsen an Jungbäumen, Sträuchern usw. Nach der im Hochsommer erfolgten Paarung tritt für einen Zeitraum von 4 bis 5 Monaten eine Eiruhe ein, in der sich die befruchteten Eizellen nur verzögert entwickeln. So kommt die Ricke zwar auf eine Tragzeit von 9 bis 10 Monaten, die Kitze werden aber zu einer Zeit (Mai/Juni) geboren, in der das Nahrungsangebot das vielfältigste ist. Die meist 2 Kitze (selten 1 oder 3) wiegen bei der Geburt etwa 1 kg. Um nicht die natürlichen Feinde auf die Spur der Jungtiere zu locken, kommt das Muttertier nur zum Säugen zu den Kitzen und beobachtet diese sonst aus sicherer Entfernung. Die Kitze werden dann von der Rehgeiß etwa ein Jahr lang geführt. Vor der Geburt einer neuen Generation vertreibt sie die fast vollständig erwachsenen Jungtiere aus ihrer unmittelbaren Nähe.

Rehe sind zwar farbenblind und können nicht räumlich sehen, trotzdem ist das Sehen so gut entwickelt, dass Bewegungen sehr genau registriert werden. Am stärksten ausgeprägt ist aber der Geruchssinn und das Gehör. Die Beobachtung von Rehwild durch den Menschen ist deshalb nicht ganz einfach.

Als Wiederkäuer ist das Reh ein reiner Pflanzenfresser. Hinsichtlich der Nahrung ist das Rehwild anspruchsvoll und wählerisch. Die Nahrung besteht aus Kräutern, Gräsern, Blättern, Trieben, Knospen sowie Wald- und Feldfrüchten, wobei es nährstoff- und energiereiche Pflanzenteile bevorzugt, die leicht lösliche Kohlenhydrate (Zucker) enthalten. Eiweißreiche Kost kann das Reh wegen seines verhältnismäßig kleinen Pansens nicht gut vertragen. Es benötigt dann Gerbstoffe (z. B. Fichtenknospen), um die Eiweiße zu binden. Dieser Ernährungstyp wird als "Konzentratselektierer" bezeichnet.