Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Rotwild (Cervus elaphus)

Weilburg, Tiergarten, Rotwild, Hirsch, Cervus elaphus

Weilburg, Tiergarten: Rotwild (Hirsch)

Rotwild ist unter den wild lebenden Tierarten in Deutschland die größte Art. Fossile Funde belegen, dass Frühformen (C. elaphus priscus Soerg) schon zur Zeit der ersten europäischen Menschen (Homo heidelbergensis, 530.000 v. Chr.) aufgetreten sind. Der Lebensraum des Rotwilds war ursprünglich die Steppe (z. T. heute noch im schottischen Hochland). Durch die Siedlungstätigkeit des Menschen wurde das Rotwild aber in die Wälder abgedrängt und wurde in den Kulturlandschaften ein Waldbewohner. Bis in das 18. Jahrhundert war der Rothirsch fast flächendeckend verbreitet, wobei die Verbreitungsschwerpunkte in den herzoglichen Forsten lagen. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde das Rotwild in vielen Landesteilen bis auf wenige Exemplare dezimiert und in manchen Gegenden auch vollständig ausgerottet. Das Rotwild lebt heute in Deutschland nur noch in großräumigen Waldgebieten mit Dickungen, in denen aber auch ausreichend freie Gebiete und Grasflächen vorhanden sind. Durch sein Wanderverhalten kann Rotwild auch saisonale Lebensräume nutzen (z. B. Hochlagen  im Sommer, Talauen im Winter). Seine Ausbreitung wird heute auf amtlich ausgewiesene Rotwildgebiete beschränkt.

Rotwild kann dort, wo die natürlichen Lebensbedingungen durch das Eingreifen des Menschen in die Natur gestört sind oder wo das Wild der Zahl nach überhegt wird, durch Äsungsschäden in landwirtschaftlichen Kulturen (Wiesen, Almen und Äcker), Schälschäden (Abäsen der Rinde an jungen glattrindigen Bäumen) und Verbissschäden (Verbeißen der Knospen von Forstpflanzen) erhebliche Schäden anrichten.

Die heutige Art der Rotwildbewirtschaftung geht auf das Reichsjagdgesetz (1934) bzw. Bundesjagdgesetz (1953) zurück, auf dessen Grundlage in allen Bundesländern Rotwildverordnungen erlassen und Rotwildgebiete ausgewiesen wurden. Zur Verhinderung forstwirtschaftlicher Schäden muss Rotwild geschossen werden, wenn es außerhalb dieser Gebiete auftaucht. (Anm.: Kronenhirsche sind von der Abschussregelung ausdrücklich ausgenommen, seltsamerweise überleben aber gerade die kapitalen Trophäenträger ihre Wanderungen außerhalb der Rotwildgebiete nur selten, weil sie trotz dieser Ausnahmeregelung geschossen werden.)

Weilburg, Tiergarten, Rotwild, Hirsch mit Kahlwild

Hirsch mit Kahlwild
Foto: S. u. Quellenangabe

Hirsche erreichen eine Schulterhöhe von 120 cm bis 150 cm, eine Länge von 190 cm bis 240 cm und ein Gewicht zwischen 70 kg und 200 kg. Die Kühe erreichen eine Schulterhöhe von 110 cm bis 120 cm, eine Länge von 180 cm bis 200 cm und ein Gewicht zwischen 60 kg und 100 kg.

In den ersten Lebensmonaten sind die Kälber rötlich-braun mit weißen Tupfen im Fell (Decke). Bei ausgewachsenem Rotwild variiert die Farbgebung der Decke im Sommer von hellbraun bis dunkelrotbraun (hirschrot) und die Decke ist mit kurzen Grannenhaaren ausgestattet. Die mit dichter und länger wachsenden Grannenhaaren ausgestattete Winterdecke variiert die Färbung von hellgrau bis schwarzgrau oder graubraun. Der Spiegel ist gelblich-weiß gefärbt. Auf dem Rücken sieht man häufig einen schmalen, dunklen Längsstreifen, den Aalstrich. Der Hirsch besitzt am Haupt zwischen den Rosenstöcken (Knochensubstanz auf der das Geweih wächst) und den Augen (Lichtern) braungraue, gewellte Haare. Der Träger ist im Sommer an der Oberseite schwarz, an der Seite ist er rötlichbraun und an der Unterseite wirkt er durch die graubraunen Haare dunkler. An der Trägerunterseite der Hirsche bilden sich in den Wintermonaten besonders lange Grannenhaare (Brunftmähne), die mit gelbbraunen Spitzen versehen sind. Die Bauchunterseite und die Läufe sind graubraun gefärbt und besitzen kurze Grannenhaare.

Hervorragend ausgebildet sind Geruchs- und Gehörsinn des Rotwildes und als ehemaliger Bewohner offener Lebensräume besitzt es auch einen vorzüglichen Gesichtssinn, mit dem es in offenen Landschaften Gefahren schon aus großer Entfernung sehen kann. Rotwild kann bis über 20 Jahre alt werden.

Bei der Nahrung ist Rotwild nicht allzu wählerisch. So nimmt es Gräser, Kräuter, Kleearten, Knospen, Zweige, Blätter, Getreide, Eicheln, Bucheckern, Kastanien, Kartoffeln, Rüben usw. Sein Tagesrhythmus heißt Äsungssuche - Äsen - Wiederkauen - Ruhen. Dieser Rhythmus wiederholt sich ca. 6 mal zur Tages- und Nachtzeit. Die Ruhepausen zwischen den Äsungen werden gebraucht um das aufgenommene Futter zu verdauen. Ein ausgewachsenes Rotwild benötigt täglich 15 bis 20 kg Frischäsung und 8 bis 9 l Wasser.

Weilburg, Tiergarten, Rotwild, Kahlwild

Weilburg, Tiergarten: Rotwild (Kahlwild)

Gegen Ende des ersten Lebensjahres bilden sich beim Hirschkalb (männliches Jungtier) die aus Knochensubstanz bestehenden Rosenstöcke, auf denen anschließend das erste Geweih geschoben wird und bei dem es sich meist um zwei einfache Spieße handelt. Der das Geweih umgebende und dieses mit Nährstoffen versorgende Bast wird im September/Oktober beim Verfegen an Sträuchern und weichrindigen Bäumen abgestreift, das Geweih wird im April oder Mai des nächsten Jahres abgeworfen. Danach wächst das nächste Geweih, welches im August verfegt und im März/April des darauf folgenden Jahres wieder abgeworfen wird. Dieser Rhythmus verschiebt sich mit zunehmendem Alter etwas nach vorne. So werfen die älteren Hirsche bereits im Februar/März ab und verfegen ihr Geweih schon Ende Juli.

Die Endenanzahl hat nur eingeschränkt etwas mit dem Alter des Hirschs zu tun. Ein Hirsch mit 6 oder 8 Enden muss nicht 6 oder 8 Jahre alt sein und bei älteren Hirschen verringert sich sogar die Endenanzahl und Geweihmasse.

Das Rotwild ist ein Rudeltier wobei es nicht ungewöhnlich ist, wenn die Tiere in Familienverbänden - Alttier, Jungtier (Schmaltier), Kalb - leben. Die weiblichen Tiere (Kahlwild) werden vom Leittier geführt. Die Sommereinstände der Hirsche sind oft weit von den Brunftplätzen entfernt. Die jüngeren Hirsche stehen außerhalb der Brunftzeit in kleineren Rudeln in ruhigeren Revierteilen. Die reiferen Hirsche verbringen diese Zeit mit einem oder höchstens zwei mittelalten Hirschen. Am Beginn der Brunft stellt sich das Kahlwild an den Brunftplätzen ein, erst dann kommen die Hirsche aus ihren Sommereinständen dazu. Die Brunftzeit des Rotwildes beginnt je nach Witterung Anfang bis Mitte September und dauert bis Mitte Oktober. Der Brunftplatz wird vom ranghöchsten Hirsch (Platzhirsch) beherrscht. Nur dieser darf sich jetzt dem Kahlwild nähern, Konkurrenten werden verjagt. Fühlt sich ein anderer Hirsch gleich stark, kommt es zum Kampf der so lange dauert, bis der Sieger feststeht. Bei diesen Kämpfen kann es auch zu Verletzungen des Gegners kommen.

Nach einer Tragzeit von ca. 32 Wochen setzt das Tier Ende Mai bis Anfang Juni das Kalb (selten zwei). Dieses wird bis zum Herbst, öfters sogar bis in den Winter mit Milch gesäugt.