Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Schwarzwild (Sus scrofa)

Die Herkunft der heute in Europa lebenden Wildschweine kann bis auf einen Paarhuferstamm zurückgeführt werden, der vor ca. 50 Millionen Jahren lebte. Heute ist das Schwarzwild die einzige nicht wiederkäuende Schalenwildart der europäischen freien Wildbahn und kommt hier überall vor, ausgenommen die Britischen Inseln, Skandinavien und Sizilien.

Wildschweine sind in fast allen Waldgebieten heimisch. Ihre Anpassungsfähigkeit ermöglicht ihnen die Besiedlung unterschiedlichster Lebensräume, von den Flachlandgebieten, Auegebieten bis in das Mittelgebirge des Voralpenlandes. Nur die Hochlagen der Gebirge werden vom Wildschwein mangels ausreichender Nahrung nicht besiedelt. Das Schwarzwild macht auch nicht halt vor einer Besiedlung der menschlichen Kulturlandschaft, so dass es heute eigentlich als Kulturfolger zu bezeichnen ist. Seine räumliche Verteilung wird bestimmt durch genügend Deckungen für die Anlage von Schlafplätzen und Wurfkesseln (Platz an dem die Jungtiere geboren werden), durch ausreichend vorhandene Nahrung während des ganzen Jahres  und durch das Vorhandensein von Wasser und Schlammlöchern zum Trinken und Suhlen.

Die Ernährung des Schwarzwilds ist nur abhängig vom Biotop und dem jahreszeitlichen Angebot. Wildschweine sind Allesfresser und das bedeutet, dass sie buchstäblich alles organische fressen und auch verwerten können. Einzige Bedingung ist, dass die Nahrung energie- und proteinreich sein muss, wobei der Anteil der tierischen Kost in der Regel unter 10 % liegt. Gras, Bucheckern, Eicheln, Waldbeeren, Nüsse gehören genauso zu ihrem Speiseplan wie Insekten, Insektenlarven, Würmer, Schnecken, Pilze, Bodenbrüter und deren Gelege, Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien, Jungtiere und Aas. Seit jeher werden auch Feldfrüchte (Mais, Kartoffeln, Weizen, Hafer, Erbsen, Bohnen, Äpfel, Trauben etc.) in einem erheblichen Ausmaß gefressen. Wahrscheinlich werden landwirtschaftliche Kulturen seit Beginn des Ackerbaus vom Schwarzwild heimgesucht. Die Feldmast ist für die Ernährung und somit für die Verbreitung des Schwarzwildes von entscheidender Bedeutung, wobei das Schwarzwild in landwirtschaftlichen Kulturen erheblichen Schaden anrichten kann.

Weilburg, Tiergarten, Wildschwein, Bachen

Weilburg, Tiergarten: Bachen

Der Körperbau des Wildschweins ist gedrungen, der Kopf keilförmig gestreckt. Kopf und vorderer Brustteil machen ca. ein Drittel der Gesamtlänge aus. Die Augen sind klein, die Ohren groß und dreieckig. Das Maul endet in einer verbreiterten, runden, unbehaarten Rüsselscheibe mit den Nasenöffnungen.

Der Schwanz ("Pürzel") ist bis ca. 25 cm lang, an seinem Ende befinden sich lange Haare. Die Haut ("Schwarte") ist mit steifen, an der Spitze mehrfach gespaltenen Borsten bedeckt. Die längsten Borsten finden sich über dem Widerrist und werden bei Erregung aufgestellt. Die Färbung ist nach Alter verschieden. Frischlinge tragen auf gelbbraunem Grund dunkelbraune Streifen. Das Winterhaar ist rostbraun bis braungrau. Ältere Sauen sind im Sommer braungrau bis grauschwarz und im Winter schwarzbraun bis schwarzgrau, die Borsten sind silbergrau bis schwarz. Im Winter sind die Borsten stark mit Unterwolle durchwachsen und werden im Frühjahr gewechselt. Die Männchen ("Keiler") besitzen einen massigeren und längeren Kopf und die Eckzähne des Keilers sind wesentlich besser ausgeprägt als beim Weibchen ("Bache"). Größe und Gewicht beim Schwarzwild stehen im direkten Zusammenhang mit dem Lebensraum und der Ernährung und schwanken stärker als bei allen anderen Tierarten. Starke Keiler können bis 300 kg wiegen, die weiblichen Tiere haben in der Regel um die Hälfte weniger Körpermasse.

Die Paarungszeit (Rauschzeit) liegt normalerweise von Ende Oktober bis Mitte Januar. Die Tragzeit dauert 120 Tage. Die Bache sondert sich zum "Frischen" vom Rudel ab und bringt die meist 2 bis 8 Frischlinge in einem von ihr angelegten und ausgepolsterten Versteck zur Welt. Nach etwa einer Woche können die Frischlinge der Bache folgen.  Bachen mit 2 bis 3 Wochen alten Frischlingen vereinigen sich zu Großfamilien. Zwei bis drei Monate werden die Frischlinge gesäugt.

Die Familiengruppen oder Rotten umfassen 2 bis 20 Tiere, aber auch bis 50 sind möglich. Die weiblichen Frischlinge verbleiben auch in der Rotte, wenn sie nach etwa 10 Monaten geschlechtsreif werden. Die männlichen werden mit Erreichen der Geschlechtsreife nach ca. 1 1/2 Jahren aus der Mutterrotte verdrängt und leben manchmal zuerst für einige Zeit in männlichen Kleingruppen und werden dann zu Einzelgängern. In der Rauschzeit stoßen diese dann wieder zu den Rotten. Es gibt dann Paarungskämpfe zwischen einzelnen Keilern.

Weilburg, Tiergarten, Frischling

Weilburg, Tiergarten: Frischling

In der Rotte der weiblichen Tiere besteht eine feste Rangordnung, wonach die älteste und erfahrenste Bache die Rotte anführt. Diese Bache wird in der Regel auch zuerst rauschig (paarungsbereit). Intakte Rotten haben ein festes Wohn- und Streifgebiet, dessen Größe je nach der Qualität des Lebensraums zwischen 800 ha und 3.000 ha  beträgt.

Wird die Leitbache getötet, hat hat dies schwer wiegende Folgen für die Rotte, deren Verband sich auflöst, was zur Abwanderung der verwaisten Frischlinge führt sowie zu unzeitigen, weit auseinander liegenden Wurfterminen.