Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Sikawild (Cervus nippon)

Das Verbreitungsgebiet des Sikawildes ist ursprünglich der östliche Teil Asiens einschl. der vorgelagerten Inseln, vor allem aber Taiwan und Japan. Von dort aus wurde es zunächst nach Großbritannien und zur Jahrhundertwende auch nach Deutschland gebracht. Durch seine Anpassungsfähigkeit an fremde Lebensräume lebt Sikawild heute außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebiets u. a. auch in kleineren, frei lebenden Beständen in den USA, in Russland, Neuseeland und Deutschland. Der Sikahirsch ist eng mit dem in Deutschland heimischen Rothirsch verwandt, die Nachkommen aus einer Kreuzung der beiden Arten sind fruchtbar.

Weilburg, Tiergarten, Sikawild weiblich, Cervus nippon

Weilburg, Tiergarten: Sikawild (weiblich)

 

Beim Sikahirsch unterscheidet man heute zwei unterschiedliche Formen: eine größere, bei der Rothirsche eingekreuzt wurden und die vorwiegend aus Japan stammende, kleinwüchsigere nipponoide Form, die auch in Deutschland anzutreffen ist.

Insgesamt gibt es 13 Unterarten der Sikahirsche, 5 davon sind in freier Wildbahn in ihrem Bestand gefährdet, bereits ausgestorben oder werden nur noch in Gehegen gezüchtet. Hauptgrund für die Ausrottung des Sikahirsches in China ist die in der chinesischen Volksmedizin vorhandene Überzeugung, dass pulverisiertes Bastgeweih des Sikahirsches eine potenzfördernde Wirkung ausübt. Aber auch andere Körperteile des Sikawildes wurden in der Volksmedizin zur Heilung von Krankheiten und Gebrechen unterschiedlichster Art verwendet.

Weilburg, Tiergarten, Sikawild männlich, Cervus nippon

Weilburg, Tiergarten: Sikawild (männlich)

Im Gegensatz dazu gilt der Sikahirsch auf einigen japanischen Inseln als heilig, was zu einem teils so beträchtlichen Anwachsen des Bestands führte, dass gebietsweise 500 Tiere des Sikawildes je Quadratkilometer leben.

Das Aussehen des Sikawildes ist im Sommerfell dem des Damwilds sehr ähnlich und weibliche Tiere der beiden Arten sind schwer zu unterscheiden. Das Sommerfell des Sikawildes ist rot bis rotbraun mit zahlreichen weißen Flecken. Ab September bekommt es sein schwarzbraunes bis kohlschwarzes Winterfell mit dem weißen Spiegel. Das Haar des Fells macht einen zottigen Eindruck. Die männlichen Tiere haben im Winter eine ziemlich starke Mähne. Das Geweih der Hirsche ist aber nicht schaufelartig wie beim Damhirsch, es ähnelt mehr dem Geweih des Rothirschs,  wird aber nicht so mächtig wie bei diesem und zeigt auch weniger Enden. Ein typisches und unverkennbares Merkmal des Sikahirsches ist der etwa 5 cm unter dem Sprunggelenk der Hinterbeine befindliche weiße Haarfleck, der den Sitz der Fußdrüse markiert und der prägnante dunkle Strich auf dem Rücken ("Aalstrich").

Weilburg, Tiergarten, Sikahirsch

Sikahirsch
Foto: S. u. Quellenangabe

Der Sikahirsch erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von ca. 150 bis 180 cm, eine Schulterhöhe von 75 bis 100 cm und ein Gewicht von 30 bis 60 kg. Die Paarungszeit ist in den Monaten Oktober/November. In der Setzzeit Mai/Juli wird ein Kalb (selten 2 Kälber) geboren.

Der Lebensraum des Sikawildes ist der Wald und die angrenzende Feldflur, aber auch offene Landschaften, wobei gern feuchte Standorte eingenommen werden. Hier lebt das Wild gesellig in Rudeln, die Geschlechter außerhalb der Paarungszeit aber getrennt. Dabei bilden Hirsche Trupps von unterschiedlichen Altersgruppen, die sich vor der Brunft auflösen. Die älteren Hirsche gehen dann in die Einstände des weiblichen Wildes. Die weiblichen Tiere leben außerhalb der Setzzeit im Sommer in Familienverbänden von Alttier, Schmaltier/Jährling und Kalb. Diese Familienverbände schließen sich etwa ab September zu Rudeln zusammen, die im Winter die höchste Kopfzahl erreichen.