Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Steinwild (Capra ibex)

Zur Familie der Ziegen gehörig ist das im Gebirge beheimatete Steinwild. In den Alpen geht der Steinbock bis über die Schneegrenze - etwa 3.500 m Höhe - hinaus und kommt nur in den Monaten April und Mai bis zum oberen Baumgürtel hinunter. Im Laufe des Sommers steigt das Steinwild wieder in die Höhe wo es bis in den späten September verbleibt. Erst bei Einbruch des Winters werden wieder tiefere Lagen aufgesucht. Trotz des für Menschen schwer zugänglichen Lebensraumes des Steinwildes in unwirtlichen Gebirgsgegenden, ist es dem Menschen bereits im Mittelalter fast gelungen, diese Tierart auszurotten. Schon um das 13. Jahrhundert war vermutlich das Steinwild auf der Nordabdachung der Hohen Tauern bereits ausgerottet. Im Jahr 1499 ließ Erzbischof Leonhard von Keutschach daher Steinwild aus dem damals zu Salzburg gehörenden Zillertal in das Felber-, Hollersbach- und Habachtal überführen. Zum Schutz dieses wieder eingebürgerten Steinwildes wurden strenge Strafen (bis hin zu Todes- und Galeerenstrafen) erlassen. Trotz dieser strengen Schutzmaßnahmen ist diese erste Wiederansiedlung vor allem durch Wilderei misslungen.

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Steinwild (Steinbock)

Schuld an der gnadenlosen Jagd auf den Steinbock war nicht nur das Wildbret und das prächtige Gehörn des Steinbocks, sondern vor allem der mittelalterliche Volksglaube an den Steinbock als Lieferant von Wunderheilmitteln. Es gab kaum einen Körperteil dem keine heilkräftige Wirkung zugesprochen wurde: Die Hörner lieferten Fingerringe gegen vielerlei Krankheiten, sein Blut sollte ein Mittel gegen Blasensteine sein, die Bezoarsteine (kleine Kugeln die sich im Magen des Steinbock aus Haaren, Steinchen, Harzen u. ä. zusammenballen) sollten Heilkräfte besitzen, dem zermahlenen Horn sagte man potenzfördernde Eigenschaften nach und geheime Wunderwirkungen erhoffte man sich von den herzförmig verknöcherten Sehnen der Herzmuskeln, dem Herzkreuzchen. Sogar die Losung des Steinbocks war angebliches Heilmittel. So ist es kein Wunder, dass Wilderer erbarmungslos Jagd auf die Tiere machten.

Als 1683 der Leibarzt des Fürsterzbischofs aus Salzburg die Wirksamkeit der Steinwildarzneien bestätigte, begann ein richtiger Run auf das Steinwild und es entbrannten blutige Wildererkriege die einen hohen Blutzoll forderten. Um den Wildererkriegen ein Ende zu machen,  gab Fürsterzbischof Graf Thun (Salzburg) um 1700 seinen Jägern den Auftrag alles Steinwild zu erlegen. Etwa um 1706 wurden die letzten Steinböcke im Ostalpenraum erlegt. Um etwa 1820 war der Steinbock im Alpenraum, bis auf einige wenige Exemplare im italienischen Gran Paradiso ausgerottet.

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Steinwild (Steingeiß) mit Jungtier

Der Förster Josef Zumstein und der Naturkundler Girtanner hatten 1816 die Verwaltung von Piemont bewegen können, das letzte Steinwild im Gran Paradiso zu schützen. 1854 erklärte König Viktor Emanuel II. das Steinwild zu königlich gehegten Tieren und stellte zur ständigen Bewachung ein Kompanie "Forestieri" ab. Der verbliebene Steinbockbestand konnte sich so wieder erholen, einem Verkauf aus diesem Bestand an Länder die den Steinbock auf ihrem Gebiet wieder heimisch machen wollten ließ Italien aber nicht zu. 1906 gelang es aber einigen Schweizern drei Kitze aus dem Parco Gran-Paradiso in ihren Besitz zu bringen und in die Schweiz zu schmuggeln. Im Tierpark Peter und Paul in St. Gallen wurden diese Kitze für die Fortpflanzung in Gehegen gehalten. Schon im Jahre 1911 konnten die ersten Tiere in der freien Wildbahn im Kanton Bern ausgesetzt werden. Der schweizerische Steinwildbestand betrug im Jahre 1996 11.000 Tiere, davon 8.000 nur im Kanton Graubünden

Die Fellfärbung des Steinwildes variiert jahreszeitlich und zwischen den Geschlechtern. Geißen und jüngere Böcke sind relativ hell ockerbraun. Alte Böcke verfärben im Spätsommer und Herbst in ein dunkles kastanien- bzw. schwarzbraun, was im darauf folgenden Winter etwas ausbleicht. Zum Winter hin wird das Fell stets durch lange Winterdeckhaare ergänzt. Im Frühling fällt das Winterhaar büschelartig aus und wird durch das kurze Sommerfell ersetzt. Die Unterseite der weiblichen Tiere ist stets heller gefärbt.

Steinböcke erreichen eine Schulterhöhe von 70 cm bis 130 cm, eine Länge von 130 cm bis 165 cm und ein Gewicht von 25 kg bis 120 kg. Geißen erreichen eine Schulterhöhe von 60 cm bis 80 cm, eine Länge von 105 cm bis 135 cm und ein Gewicht von 25 kg bis 50 kg.

Beim Steinwild tragen beide Geschlechter Hörner, deren Wachstum schon beim Kitz einsetzt. Das Gehörn des Bockes kann bis zu einem Meter lang werden und bis zu 15 kg wiegen, der Querschnitt ist etwa dreieckig. Das Gehörn der Geiß wird nur etwa 30 cm lang und weist einen runden Querschnitt auf.