Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Tarpan (Equus gmelini)

Weilburg, Tiergarten, Tarpan, Fohlen

Weilburg, Tiergarten: Tarpanfohlen (Rückzüchtung)

Die beiden Arten des Tarpan, der mittel- und osteuropäische Waldtarpan (Equus caballus silvaticus) und der im Bereich des Schwarzen Meers heimische Steppentarpan (Equus caballus gmelini) und das Przewalskipferd (Equus p. przewalski) sind wahrscheinlich die urtümlichen Pferdeformen, aus denen das heutige Hauspferd hervorgegangen ist.

Die Tarpane lebten vor allem in den großen Waldgebieten Osteuropas. Hier suchten sie Schutz vor ihren natürlichen Feinden, den Wölfen und Bären. Vom Körperbau her waren sie kräftiger als die Steppenform des Wildpferdes.

Noch bis Ende des 18. Jahrhunderts konnten wild lebende Tarpane in den wenig bewohnten Waldgebieten Ostpolens, Litauens und Ostpreußens, beispielsweise in der Gegend um Königsberg, angetroffen werden. Aber obwohl sie damals schon in ihrer Existenz bedroht waren, galten sie noch bis 1798 als jagdbares Wild.

Weilburg, Tiergarten, Tarpan, Fohlen

Weilburg, Tiergarten: Tarpane; Stute und Fohlen (Rückzüchtungen)

Dass die Tarpane nicht bereits damals durch den Menschen vollständig ausgerottet wurden, ist einer privaten Einfang- und Rettungsaktion, zu verdanken. Im Jahr 1780 fingen Pferdefreunde die letzten wild lebenden Tarpane ein und siedelten sie in einem in Süd-Polen in der Gegend um Bilgoraj gelegenen Wildpark namens Zwierzyniec an, der sich im Privatbesitz der Familie des polnischen Grafen Zamojski befand. Die damals eingefangen Pferde waren noch reine Tarpane, obwohl sie bereits mit dem Sammelbegriff "Konijk" (polnisch für "Pferdchen") bezeichnet wurden.

Nur knapp dreißig Jahre konnten die Pferde in dem gräflichen Reservat bleiben. Im sehr strengen Winter des Jahres 1806 war es dann soweit, dass die ohnehin sehr knapp gehaltene und nur in äußersten Notzeiten gegebene Heuzufütterung nicht mehr finanziert werden konnte. Da von Seiten der Regierung diese wilden Pferde ohnehin als nutzlos angesehen wurden, verschenkte man die letzten reinen Tarpane des Wildparks als Arbeitspferde an die Bauern der Umgegend.

Weilburg, Tiergarten, Tarpan, Stute

Weilburg, Tiergarten: Tarpanstute (Rückzüchtung)

Das war das Ende der Tierart Tarpan, denn in der Obhut der Bauern wurde die Reinzucht natürlich nicht mehr aufrecht erhalten, und die Tarpane wurden mit den Arbeitspferden der Bauern in Bilgoraj gekreuzt.

Der letzte wild lebende Waldtarpan soll 1805 (1806?) und der letzte Steppentarpan im Jahr 1875 (1879?) getötet worden sein.

Die heute in Zoos und Wildparks gehaltenen Tarpane gehen auf Rückzüchtungen (Abbildzüchtungen) der Brüder Lutz Heck (Zoodirektor in Berlin) und Heinz Heck (Direktor Tierpark München-Hellabrunn) mit urtümlichen Hauspferderassen zurück. Durch Rückzüchtungen sollten wenigsten Abbilder der durch Menschen ausgerotteten Pferderassen gezeigt werden können.