Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Wisent (Bison bonasus)

Weilburg, Tiergarten, Wisent, Bison bonasus

Weilburg, Tiergarten: Wisent, Jungtier

Der Wisent gehört innerhalb der Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) zur Familie der Hornträger (Bovidae) und dort zur Unterfamilie der Rinder (Bovinae). Im allgemeinen werden heute 12 Arten von Wildrindern unterschieden, von denen 8 in Asien, 2 in Eurasien, 1 in Afrika und 1 in Nordamerika heimisch sind. Diese 12 Arten sind 4 Gattungen zugehörig. Eine dieser Gattungen ist "Bison" und zu dieser Gattung gehören die beiden eng miteinander verwandten Arten der nordamerikanischer Bisons (Bison bison) und der Wisente (Bison bonasus).

Der Wisent war einst in den Wäldern Europas und des gemäßigten Asiens weitverbreitet. Die Zerstörung seines Lebensraums durch umfangreiche Waldrodungen, die Besiedelung durch den Menschen und die Bejagung wegen seines Fleisches und des begehrten Leders verminderten die Bestände so stark, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch wenige Exemplare des leichter gebauten, dunkleren Bergwisents (Bison bonasus caucasicus) im Kaukasus vorhanden waren und vom Flachlandwisent (Bison bonasus bonasus)  nur noch wenige Hundert Tiere im Urwald von Bialowieza, im Grenzgebiet zwischen Polen und Weißrussland, lebten. Als dort 1921 der letzte Flachlandwisent und im Kaukasus 1927 der letzte Kaukasuswisent getötet wurde, schien sich die Zahl der vom Menschen ausgerotteten Tierarten wieder einmal erhöht zu haben.

Zum Glück war dem nicht so, denn es befanden sich 57 Wisente in Gefangenschaft: 53 Flachlandwisente lebten weit verstreut in verschiedenen Zoos und Tiergärten Europas, 3 weitere Flachlandwisente wurden in Halbfreiheit auf einem privaten Anwesen im damaligen oberschlesischen Pless (dem heutigen polnischen Pszczyna) gehalten und das einzige überlebende Exemplar der Bergwisentrasse war ein Bulle namens «Kaukasus» und gehörte einem Tierhändler in Hamburg.

Weilburg, Tiergarten, Wisente, Bison bonasus

Weilburg, Tiergarten: Wisente

Diese Tiere sollten zum Grundstock für die Erhaltung ihrer Art werden, denn im August 1923 gründeten einige Fachleute unter Führung des ehemaligen Frankfurter Zoodirektors Kurt Priemel die "Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents". Das Ziel war eine planmäßige Zucht über die Landesgrenzen hinweg mit dem Fernziel einer Wiederausbürgerung in geeigneten Schutzgebieten. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet das seit 1932 im Zoo von Warschau geführte Internationale Wisent-Zuchtbuch. In diesem werden die Daten eines jeden Wisents festgehalten, um auf internationaler Ebene einen Austausch zuchtfähiger Tiere zu gewährleisten und damit der Inzucht entgegenzuwirken.

Die Zuchterfolge machten es möglich, dass ab 1952 im 1250 Quadratkilometer großen Nationalpark von Bialowieza ein frei lebender Wisentbestand aufgebaut werden konnte. In dem grenzüberschreitend angelegten Nationalpark existiert mittlerweile eine Population mit rund 250 Tieren auf polnischer Seite und eine Population mit rund 200 Tieren auf weißrussischer Seite. Diese Populationen sind heute die weltweit größten dieser Tierart und es sind reinrassige Tieflandwisente wie auch die in Litauen vorhandene Population. Weitere frei lebende Herden finden sich in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken und in Polen und weitere Gruppen gibt es in Gefangenschaft in vielen Zoos Europas, Nordamerikas, Japans und Südkoreas, dabei allerdings viele die auf gemischt rassige Zuchtstämme zurückgehen.

Weilburg, Tiergarten, Wisente, Bison bonasus

Weilburg, Tiergarten: Wisent

Der nur knapp seiner Ausrottung entgangene Wisent ist das größte Landsäugetier Europas. Die Bullen erreichen eine Schulterhöhe von fast zwei Metern und ein Gewicht von einer Tonne. Die Kopf-Rumpflänge beträgt 2,10 bis 3,50 m, die Schwanzlänge 50 bis 60 cm. Die Hörner können beim männlichen Wisent bis zu 51 cm lang werden. Die Kühe sind kleiner und leichter gebaut als die Bullen, können aber auch über eine halbe Tonne wiegen. Das Fell der Wisente ist dicht und wollig, um Schnauze und Augen herum jedoch kurz und glatt. Die Lebensdauer der Wisente beträgt etwa 20 bis 25 Jahre.

Der Lebensraum der Wisente sind urtümliche Waldlandschaften. Seine Nahrung bilden Blätter, Triebe, Zweige, Rinde und Flechten. Daneben verzehrt er saftige Gräser, Kräuter und Stauden wie sie auf Waldlichtungen und am Rand von Gewässern zu finden sind. Dazu nimmt der Wisent im Herbst, Beeren, Eicheln und andere Waldfrüchte auf und legt so Fettreserven für die nahrungsarmen Wintermonate an.

Die Wisentkühe bilden im Winter mit ihren Kälbern und den bereits selbstständigen Jungkühen größere Herden und auch die Bullen schließen sich mit ihresgleichen und den Jungbullen zu einer Herde zusammen. Die Herden der weiblichen Tiere teilen sich im Frühjahr in kleinere Gruppen von 8 bis 20 Tieren auf und die Herden der männlichen Tiere  zerfallen in kleine Trupps von zwei bis vier Tieren und in Einzelgänger. Gleichmäßig über den vorhandenen Lebensraum verteilt, ziehen alle Gruppen zur Nahrungsaufnahme friedlich darin umher.

Im Mai oder Juni bringen die Weibchen nach einer Tragzeit von knapp neun Monaten  das Junge (meist ein Einzelnes) zur Welt. Die bei der Geburt ca. 30 Kilogramm wiegenden Kälber werden etwa ein halbes Jahr lang gesäugt; sie nehmen aber schon ca. drei Wochen nach der Geburt auch selbstständig Nahrung zu sich. Geschlechtsreif werden die Tiere im Alter von zwei Jahren, ausgewachsen sind sie frühestens mit sechs Jahren.

Während der Brunftzeit in den Monaten August und September folgen  die Bullen den Kühen und tragen untereinander heftige Rangordnungskämpfe aus. In dieser Zeit ist ihr Brüllen zu hören und bei ihrem vorgetragenen Imponiergehabe schnauben und stampfen sie angriffslustig oder bearbeiten einen Baum mit ihren Hörnern. Neben diesen Drohgebärden sind aber auch erbitterte Nahkämpfe an der Tagesordnung, die unter Umständen mit schweren Verletzungen oder gar mit dem Tod des Rivalen enden können.