Freizeit

Wildpark "Tiergarten Weilburg"

Wolf (Canis lupus)

Weilburg, Tiergarten, Wolf, Canis lupus, (c) Bernd Stenger

Weilburg. Tiergarten: Wolf
Foto mit freundlicher Erlaubnis von Herrn B. Stenger

Die noch vor einigen Jahren strittige Frage zur Abstammung des Hundes (vom Wolf, vom Schakal, von einer Kreuzung Wolf/Schakal, von unbekannten wildhundeartigen Vorfahren) ist durch die Fortschritte in der Genetik mittlerweile entschieden: Der Wolf ist der Vorfahre unserer Haushunde.

Die Fleisch fressenden Vorfahren des Wolfes lebten vor ca. 100 bis 120 Millionen Jahren in Nordamerika. Aus diesen entwickelten sich vor etwa 55 Millionen Jahren die ersten Sägetiere mit Ansätzen von Fangzähnen. Die gleiche Anzahl Zähne wie der heutige Wolf besaß dann der sich vor 30 bis 40 Millionen Jahren entwickelnde Cynodictis. Kleiner, mit wesentlich kürzeren Läufen und einem flexibleren Körperbau ausgestattet, ähnelte er allerdings mehr einem Wiesel. Über Cynodictis und Cynodesmus gelangte die Entwicklung zum  Urhund Tomarctus, dem direkten Vorfahren des Wolfs. Dieser wandelte sich zu seiner heutigen Form vor etwa 1 bis 2 Millionen Jahren. Ein enger Verwandter, Canis Dirus (Direwolf) lebte in der Eiszeit und war noch sehr viel größer als unsere heutigen Wölfe.

Der Wolf entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Raubtiere der Erde und konnte sich in vielen Unterarten den verschiedensten Umgebungen anpassen. So umfasste das Verbreitungsgebiet des Wolfs einst fast ganz Europa und Asien - vom Nordpolarmeer bis nach Portugal, Arabien, Indien und Japan - und reichte in Nordamerika von Alaska bis nach Mexiko. Aus fast allen Gebieten aber ist der Wolf im Verlauf der letzten 300 Jahre verschwunden. Schuld daran ist neben der gnadenlosen Jagd des Menschen die großflächige Umwandlung seines Lebensraums in Kulturland und der Schwund der Beutetiere des Wolfes. Größere Wolfsbestände sind heute nur noch in Russland, Kanada und Alaska zu finden.

Weilburg, Tiergarten, Wolf, Canis lupus, (c) Bernd Stenger

Weilburg. Tiergarten: Wolf
Foto mit freundlicher Erlaubnis von Herrn B. Stenger

Abhängig vom Verbreitungsgebiet der Wölfe gibt es erhebliche Abweichungen in Größe, Gewicht und Fellfärbung. Die Körperrumpflänge kann 100 bis 160 cm, die Schulterhöhe 60 bis100 cm betragen. Der sibirische Tundrawolf kann bis 80 kg schwer werden, während der Indische Wolf oft nur bis 20 kg wiegt. Die Farbe des Fells reicht vom Weiß der in der Polarregion lebenden Polarwölfe über fast alle Schattierungen bis zum Schwarz der nordamerikanischen Timberwölfe.

Wölfe leben im komplexen Familienverband eines Rudels zusammen, das meist 5 bis 10, aber auch bis zu 20 Tiere umfasst. Innerhalb des Rudels herrscht sowohl unter den Männchen als auch den Weibchen eine strenge Rangordnung und Aufgabenverteilung. Anführer des Rudels sind das Alpha-Männchen und das Alpha Weibchen. Es folgen die Beta-Wölfe, die untergeben Wölfe und der Omega-Wolf. Differenzierte Lautäußerungen und Körpersignale sind wesentliche Kommunikationsmittel sowohl innerhalb des Rudels als auch gegenüber fremden Wölfen. Auch das Wolfsgeheul dient erheblich dem Zusammenhalt des Rudels nach innen, aber auch der Abgrenzung und dem Hinweis des Gebietsanspruchs an fremde Wölfe.

Die Annahme, dass sich nur die ranghöchsten Wölfe des Rudels fortpflanzen wird heute zwar meist akzeptiert, ist wissenschaftlich aber noch nicht eindeutig belegt. Die Welpen werden im Frühjahr nach einer Tragezeit von ca. 63 Tagen in einer Erdhöhle geboren. Ein Wurf kann 5 bis 14 Junge umfassen, im Durchschnitt sind es sechs. Bei den nur etwa 300 bis 500 Gramm wiegenden Welpen sind Augen und Gehör noch verschlossen und öffnen sich erst nach etwa 10 Tagen. Den Bau verlassen sie erstmals nach etwa drei Wochen. Die Lebenserwartung von Wölfen liegt in freier Wildbahn gewöhnlich bei etwa zehn bis zwölf Jahren.

Bei der Suche nach Beute legen Wölfe manchmal in einer einzigen Nacht mehr als 100 km zurück und bei der Jagd können sie auf kurze Distanzen bis zu 65 km/h schnell sein. Zur Nahrungsbeschaffung betätigt sich der Wolf meist als Großwildjäger. Im Rudel kann er mit seinen Artgenossen große Huftiere wie Rothirsch, Ren und Elch erlegen, welche oft das Zehnfache seines eigenen Körpergewichts aufweisen. Aber auch Hasen, Kaninchen, Biber, Frösche, Mäuse, Enten, Fische, Vögel und - wenn es noch nicht zu sehr vergammelt ist - Aas werden nicht verschmäht.  Steht gar keine tierische Beute zur Verfügung, dient auch pflanzliche Kost (Beeren, Wurzeln) als Nahrung.