Geschichtliches zu Weilburg

Ehemaliges Herrschaftliches Brauhaus "Im Bangert"

An der heutigen Straße Im Bangert befand sich einst ein herrschaftliches Brauhaus. Sein Standort war zwischen der Kirchhofsmühle und dem Rollschiff, dort wo sich heute die Grundstücke Im Bangert 4 und 6 und der Terrassengarten des Gartenbauvereins Weilburg befinden. Die Lage dieses Brauhauses geht aus einem Stadtplan Weilburgs aus dem Jahr 1770 hervor, den der Kammerrat Johann Friedrich Götz zeichnete. Das Aussehen des Brauhauses kann heute nur noch zwei Darstellungen entnommen werden, die um das Jahr 1787 von Matthias Ernst bzw. um 1850 von J. G. Durst angefertigt wurden. Beide Darstellungen finden Sie im Abschnitt "Ansichten", "Stiche und Bilder". Auf Grundlage der Zeichnung von M. Ernst hat der Weilburger Dieter Boger ein Bild des herrschaftlichen Brauhauses Im Bangert angefertigt, das auf einer Informationstafel zu sehen ist. Die Informationstafel stellte der Geschichtsverein Weilburg e. V. anlässlich des Tages des offenen Denkmals am 13. September 2009 auf dem Grundstück Im Bangert 4 auf.

Weilburg, Herrschaftliches Brauhaus Im Bangert

Herrschaftliches Brauhaus Im Bangert
(Ausschnitt von der Informationstafel des Geschichtsvereins Weilburg,
Zeichnung: Dieter Boger)

Das Brauhaus Im Bangert wurde als zweites herrschaftliches Brauhaus erbaut, da das bestehende Brauhaus an der Schlossmühle (Steinerne Brücke) zu klein und baufällig geworden war. Mit dem Bau des neuen Brauhauses beauftragte Graf Johann Ernst (1675-1719) seinen Baumeister Julius Ludwig Rothweil. Die Fertigstellung erlebte Graf Johann Ernst jedoch nicht mehr, diese erfolgte unter seinem Nachfolger Karl August (1719-1753). Das herrschaftliche Brauhaus wurde zweistöckig errichtet, mit zwei vorgebauten Seitenflügeln. In der Breite betrug seine Ausdehnung 85 m, in der Tiefe 15 m. Der Bau soll ca. 300.000 Gulden gekostet haben. 

Weilburg, herrschaftliches Brauhaus, Im Bangert, Ausschnitt M. Ernst

Das herrschaftliche Brauhaus, Im Bangert
(Zeichnung von Max Ernst, 1787; Quelle: Bergbau- und Stadtmuseum Weilburg, Ausschnitt)

Möglicherweise erschien Karl August die Nutzung des Baus nicht ausreichend rentabel, evtl. war er aber wegen seiner auf Kirchheimbolanden ausgerichteten Bestrebungen, er ließ dort ab 1738 eine Stadt- und Schlosskirche erbauen und verlegte seine Residenz von Weilburg dorthin, nicht an einem Ausbau des Braugeschäfts interessiert. So wurde das Gebäude evtl. schon 1757 als Fabrikationsstätte von Strumpfwirkern genutzt, da 1757 der "Medicus Dr. Reusch die Aufsicht über die im Hain beisammen wohnenden Manufakturiers" erhielt. Im Jahr 1772 hatten Oberstleutnant von Trütschler und Herr von Bode die Absicht eine Baumwollzeugfabrik im Brauhaus einzurichten. Dazu kam es wohl nicht, da aus Unterlagen hervorgeht, dass der Fabrikant J. Wolter im Brauhaus bis 1778 eine Zug- und Plüschmacherei betrieb, die er in diesem Jahr aufgab. Noch im gleichen Jahr wurde J. W. Wagner aus Reichelsheim das alte Brauhaus als Fabrikationsstätte überlassen.

Weilburg, herrschaftliches Brauhaus, Im Bangert, Ausschnitt J. Durst

Das herrschaftliche Brauhaus, Im Bangert
(Ausschnitt aus der Lithografie von J. Durst, um 1850)

1816 wurde die Regierung nach Wiesbaden verlegt und 1818 nahm Herzog Wilhelm seinen Wohnsitz im Schloss zu Wiesbaden-Biebrich. Als 1818 auch das herzogliche Braumonopol entfiel, wurde das Brauhaus entbehrlich und 1820 an das in der nahen Kaserne stationierte 1. Husarenregiment verpachtet. Wahrscheinlich wegen fehlender finanzieller Mittel wurden notwendige Instandsetzungen nicht durchgeführt und so verfiel das ehemals herrschaftliche Brauhaus immer mehr. Bereits 1870 sind nur noch die Mauerreste des Untergeschosses vorhanden, wie auf einem Foto aus diesem Jahr zu erkennen ist. Es ist anzunehmen, dass auch das restliche Mauerwerk in diesem Zeitraum abgetragen und zum Bau anderer Gebäude genutzt wurde, evtl. auch für die Anlage von Terrassenmauern der Gartenanlagen.


Quelle:
Kahle, F., 2008. Weilburger Tageblatt 03.02. S. 14.