Geschichtliches zu Weilburg

Etymologie

Flussname Lahn

Die Etymologie des Namens "Lahn" ist in vollem Umfang heute wohl nicht mehr mit letzter Sicherheit zu klären. Nachvollzogen werden kann aufgrund von Schriftbelegen die Entwicklung des Namens zum heutigen "Lahn".

Aus der Zeit vor 600 die Namen "Laugona" / "Logana", danach weitere Schreibvarianten, u. a. 915: "Logene", 959: "loganam", 1185: "logenam", um 1220: "logina", 1248 "loina", 1255: "Longina", 1257: "logna", 1284: "aque Lone", 1304: "Loinam", 1312: "lonne", 1313: "Lane", "Laynahm", 1325: "Loyn", 1339: "Logene", 1361: "Layn".

Die heutige Schreibweise taucht erstmals 1365 auf: "niedewendig der Lahn". Andere Schreibweisen dann wieder in den Folgejahren, u. a. "lone", "leune", "Leyne", "Lane", "Lone", "Loene", "Lanen", "Layn", "Laenen", "Laen".

Für die Wortbedeutung "Lahn" finden sich vor allem folgende Deutungen.

W. Sturmfels, ausgehend von den Schreibungen "Loganaha"

(8. Jahrhundert), dann "Loganahi", "Loganahe", "Loginahi",. "Loginahe",  sieht den alten Namen der Lahn als verwandt mit dem altnordischen "lauga" und dem althochdeutschen "louga" für Lauge an. Dies führt Sturmfels zu der Wortbedeutung "Laugenwasser" wegen "der thatsächlich trüben Farbe des Flusses".

Sturmfels ergänzt diese Angaben in zwei späteren und überarbeiteten Auflagen wie folgt:

Sollte der N. vordeutsch sein, dann zum Stamme
lag log aus lac,
laufen, fließen, wie der  Leck, alt Lacia, Lockia,
und die Leine, alt Lagina.

(N. = Name; hier: Lahn)

Die von Sturmfels nur als Möglichkeit angedeutete vordeutsche Herkunft des alten Lahnnamens, ist für H. Bahlow eine feststehende Tatsache. Trotzdem, oder viel mehr gerade deshalb, kommt Bahlow zu einer anderen Wortbedeutung.

Bahlows Ausgangspunkt ist die anerkannte Tatsache, dass die Mehrzahl der Flussnamen alteuropäischer Herkunft sind. Deren Bedeutung ist aber aus dem Wortschatz der europäischen Einzelsprachen oft nicht erklärbar, weil der Ursprung dieser Namen weit vor der Zeit liegt, aus der schriftliche Unterlagen vorliegen. Dazu ist eine Fülle vorgeschichtlichen Wortgutes verloren gegangen, weil im Laufe der Zeit ein Wechsel der Bevölkerung erfolgte oder das die Namensgebung wesentlich prägende Landschaftsbild wechselte und die Namenwörter so außer Gebrauch gekommen sind. Dies bezeugen über den Wortschatz von Wörterbüchern hinausgehende Deutungsversuche anhand  morphologischer Parallelen und ihre Bestätigung durch die geografische Verbreitung und den topografischen Befund. Gleichzeitig weist Bahlow damit keltische, ligurische, latinische und venetische Spuren nach und die Übernahme der Flussnamen von einer fremden Vorbevölkerung durch die Germanen. 

Ein erstes Indiz für den vorgermanischen Ursprung des alten Lahnnamens "Logana" kann schon daraus abgeleitet werden, dass noch um 400 v. Chr. Kelten im Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen siedelten. Bahlow geht noch weiter und vermutet für die alten Namen der Hauptflüsse (z. B. "Adrana" für "Eder"; in Sizilien gibt es den "Adranos", "Logana" für Lahn; in Ligurien "Logasca", "Sigana" für "Sieg, "Amana" für "Ohm", eine Herkunft aus vorkeltischer Zeit und damit ein Alter von ca. 4.000 Jahren.

Auch die Endungen der o. a. alten Flussnamen weisen diese lt. Bahlow als nicht dem germanischen Wortschatz entstammend aus. Den Ursprung des alten Lahnnamens "Logana" sieht Bahlow im keltoligurischen Umfeld.

Aufgrund der morphologischen Parallelen von "Logana" zu anderen alten Namen mit "lug", "log", "leg", "lig", "lag", deren geografischer Verbreitung und der topografischen Befunde kommt Bahlow zu dem Ergebnis, dass diese vorgermanischer Zeit entstammen und "Sumpf" bedeuten. Beispielhaft sind dazu u. a. aufgeführt:

Fluss "Luga" in Russland, Sumpf "Lugeon" bei Triest, "Lyon" aus "Lugudunum" für "Sumpfburg", "Logasca" in Ligurien, "Logna", die "Lauga" in Württemberg, "Logelbach" im Elsaß, die Sumpflachen "Logsen" am Bodensee.

Wird der Methodik Bahlows gefolgt, hat sich also der heutige Flussnahme aus dem vorgeschichtlichen "Log" für Sumpf und der keltisch-ligurischen "Logana" zur "Lahn" gewandelt und bewahrt auch in dieser Form noch die Erinnerung an heute nicht mehr vorstellbaren Sumpf im Flussgebiet der "Lahn".

Metzler sieht in einer Untersuchung zu Ortsnamen unter Berücksichtigung der "Studien zur Hydronomie des Rheinsystems" von Hans Krahe drei Möglichkeiten zur Deutung des Gewässernamens "Lahn". 

Danach kann bei Betrachtung mit der Form "Logana" als Grundlage die Wurzelform "logh" angesehen werden, die an das indogermanische "leg" mit dem Wortsinn "tröpfeln", "sickern", "langsam rinnen" anschließt.

Als weitere Möglichkeit, vom alten Gewässernamen "Lugana" ausgehend, kann  ein Bezug zum althochdeutschen "loc" für "Locke" gesehen werden und zu "lúgnas" für "geschmeidig", "biegsam". "Lugana" somit "die sich Windende", "die mit Biegungen versehene".

Mit einer weiteren Deutungsmöglichkeit und wieder ausgehend von der Grundlage "Lugana", kommt Metzler durch den Bezug des alten Gewässernamens zur Wurzel "leug" und "lug" mit deren Bedeutung "schwärzlich", "Sumpf" in große Nähe zu Bahlows Deutung.


Quellenangaben:
Hydronomia Germaniae, herausgegeben von Hans Krahe,
Rechtsrheinische Zuflüsse zwischen den Mündungen von Main und Wupper,
Bearbeitet von Manfred Faust, Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1965
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Die Ortsnamen Hessens
Etymologisches Wörterbuch der Orts-, Berg- und Flussnamen von Wilhelm Sturmfels
1. Auflage (1909 oder früher) Selbstverlag des Autors
2. Auflage Fr. Ackermanns Verlag Weinheim und Leipzig, 1910
3. Auflage Verlag Emil Roth/Gießen 1936
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Deutschlands älteste Fluss- und Ortsnamen
erstmalig gedeutet aus verschollenem Wortgut europäischer Vorzeitvölker
von Dr. Hans Bahlow
Teil 1, Verlag des Verfassers, Hamburg 1962
Teil 2, Hamburg 1963
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Lexikon deutscher Fluß- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft
von Dr. Hans Bahlow
Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch, 1981
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Die Ortsnamen des nassauischen Westerwaldes
von Werner Metzler
Marburger Beiträge zur Germanistik, Band 15
herausgegeben von J. Kunz und L. E. Schmitt
N. G. Elwert Verlag Marburg, 1966