Geschichtliches zu Weilburg

Etymologie

Stadtname Weilburg

Im Verlauf der Jahrhunderte wandelte sich die Schreibweise des Namens  von "Wilineburch" oder "Wileneburch" (906) weiter über z. B. "Wilinaburg", (918), "Wilineburg" (1000), "Weilburgk" (1606) zu der bereits 1652 auftauchenden und auch heute gültigen Schreibweise "Weilburg".

Zum Zeitpunkt der ersten urkundlichen Erwähnung Weilburgs war "Wilinia" der Name des kleinen Flusses Weil, der etwa 1000 m flussabwärts von Weilburg in die Lahn mündet. An der Weilmündung befand sich eine Furt durch die Lahn, welche Taunusseite und Westerwaldseite verband. Dieser wichtige Furtübergang an der Weil war Knotenpunkt alter Wegverbindungen und von hier war über den Weilweg der einzige Zugang auf den Weilburger Bergrücken möglich. So wäre die Lage von "Wilineburch" definiert durch die
örtliche Bezeichnung von "Burg oberhalb der Weil" (= Wilina).


Quellen:
Lexikon zur Stadtgeschichte
-
Geschichte der Stadt Weilburg
s. u. Quellenangaben


Eine weitergehende Namensdeutung setzt an bei den Benennungen "Wilina bzw. "Wiline".

Danach leitet sich Weil von dem keltischen Namen "Wil" ab, der Bezeichnung für die Scheibe des Vollmonds und auch dem Namen der keltischen Mondmutter Wilbeth. Sieht man in "Wilina" die adjektivische Form (= die Mondene) könnte die Weil so genannt worden sein, weil sie vom Feldberg kommt, über dem der Vollmond seinen Höchststand erreicht. (Dazu auch "Weilsberg" an der Weilquelle = Berg der Mondmutter Weil).

Entsprechend wäre "Wilineburch" die "mondene Burg" weil sie möglicherweise auf einer alten Kultstätte der Mondgöttin Wil entstand. Solche keltischen Mondkultstätten wurden bevorzugt in Flussschleifen angelegt und der fast ringsum von der Lahn umflossene Bergrücken könnte durchaus eine solche Kultstätte beherbergt haben, die dann sicherlich auch eine bekannte Ortsbezeichnung für die befestigte Anlage von "Wilineburch" war.


Quellen
Weilburg an der Lahn, 700 Jahre Stadtrechte
s. u. Quellenangaben


Eine andere Deutung für den alten Weilnamen "Wilina" liefert H. Bahlow. Danach reicht der Ursprung des alten Namens "Wilina" zurück noch vor die Zeit der keltischen Besiedelung in Hessen. Die später in diesem Gebiet siedelnden germanischen Stämme übernahmen zwar den alten Namen der fremden Vorbevölkerung, die Wortbedeutung war im Lauf der Jahrhunderte jedoch verloren gegangen. Anhand morphologischer Parallelen in Verbindung mit deren Bestätigung durch die geografische Verbreitung und topografische Befunde (siehe auch die etymologischen Angaben zur Lahn im Abschnitt "Flussname Lahn"), erschließt Bahlow die Herkunft und Bedeutung des Namens "Wilina".

Nach Bahlow entspricht "Wilina" den alten Namen "Brachina", "Fachina", "Lopina", "Logina" usw. und "wil" ist demnach der Gewässerterminus. Entsprechend seiner Methodik findet sich die Bestätigung dazu u. a. durch
 "Wila" (1137) mit dem Ort "Wiehl" im Bergischen Land, die "Wilepe", heute als Twistezufluss "Wilpe", "Wylbach", heute "Weilbach" in Württemberg, die "Vilana" in der Bretagne, die "Wilija" mit "Wilna" in Litauen, "Wilhese" ("Wilhees")  und "Wileke" ("Willich") bei Düsseldorf, "Wilstaedt" bei Bremen und Hamburg, ein "Wielkolk" in Holland.

Als Ergebnis seiner Methodik übersetzt Bahlow "wil" mit "Sumpfwasser", eine Wortbedeutung die, in Anbetracht des Landschaftsbildes wie es in vorgeschichtlicher Zeit an Weil und Lahn bestanden hat, leicht zu verstehen ist.


Quelle:
Deutschlands älteste Fluss- und Ortsnamen
erstmalig gedeutet aus verschollenem Wortgut europäischer Vorzeitvölker
von Dr. Hans Bahlow
Teil 1, Verlag des Verfassers, Hamburg 1962
Teil 2, Hamburg 1963


Wie Bahlow nimmt auch Metzler an, dass "Weil" ebenso wie z. B. "Wiehl" und das niederländische "wil" auf den gleichen Wortstamm zurück gehen. Vor diesem Hintergrund vermutet auch Metzler ein altes Wasserwort als Basis für "Weil".


Quelle:
Die Ortsnamen des nassauischen Westerwaldes
von Werner Metzler
Marburger Beiträge zur Germanistik, Band 15
herausgegeben von J. Kunz und L. E. Schmitt
N. G. Elwert Verlag Marburg, 1966


Nach Petran-Belschner ist der Gewässernamens "Weil" nicht auf ein altes Wasserwort zurückzuführen. Abzuleiten sei der Name "Weil" von dem lateinischen Wort "ville" (= Landhaus). Ursache für die Namensvergabe "Weil" ist danach ein kleines Limeskastell, das die Römer zum Schutz des Taunuspasses errichtet hatten und das sich nur wenig unterhalb der Weilquelle am Nordabhang des Kleinen Feldbergs befand; Reste dieses Kastells sind noch heute vorhanden. Der Großteil dieser Anlage wurde nach der Aufgabe des Limes zerstört, da die römischen Bauten als willkommene Lieferstätten für Baumaterial genutzt wurden. Statt differenzierender Bezeichnungen für die römischen Bauten verwandte man unterschiedslos das Wort "villa", bzw. belegte sie mit dem eingedeutschten Lehnwort "wil", dem die Endung "ina" für den nahen Gewässerlauf angefügt wurde. Mit der Bezeichnung "Wilina" erscheint die früheste Namensangabe für diie "Weil" 772 im Lorscher Kodex.


Quelle:
Petran-Belschner, Marie-Luise (1978):
Der Flußname Weil. In: Beiträge zur Namenforschung (2), S. 175