Geschichtliches zu Weilburg

Geologie

Weilburg taucht auf

Das sich heute darbietende Landschaftsbild des Weilburger Raums ist ein Ergebnis der erdgeschichtlichen Veränderungen über einen Zeitraum von mehr als vier Milliarden Jahren. Die Entstehung der Erde begann wahrscheinlich in einem sich zusammenziehenden Gasnebel, der sich zunehmend verdichtete und dessen Rotation und Masse weitere Materie anzog. Mit fortschreitender Abkühlung der Erdkruste entstanden Kontinente, die auf ihren Schollen - auch noch in der Gegenwart - über die Erdkugel driften. Dabei kommt es zu Auffaltungen von Gebirgen wie zur Entstehung riesiger Absenkungsgebiete, die das Bild der Erde verändern. Ebenso wirken mit bei der Oberflächengestaltung der Erde, vor allem durch Abtragung und Verlagerung, die Kräfte von Wasser, Wind, Eis sowie Temperaturänderungen. Und immer wieder wechselnde Bilder einer vollständig veränderten Erdoberfläche ergaben sich im Laufe der Jahrmillionen auch durch ein Ansteigen oder Absinken des Meeresspiegels oder der Landflächen.

Weilburg, Lahn, Geologie, Erhebungen aus dem Devonmeer im Weilburger Raum; Grafik: Kurt Hofmann

Vor etwa 350 Millionen Jahren ragten nur Erhebungen ab ca. 300 m ü. dem heutigen Meeresspiegel aus dem Devonmeer
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So war z. B. in der Periode des Devons (vor etwa 400 bis 360 Millionen Jahren) ein Großteil Mitteleuropas von einem Meer bedeckt, aus dem wahrscheinlich nur Erhebungen aufragten, die mehr als 300 m über dem heutigen Meeresspiel lagen. Im Weilburger Raum kam es in dieser Zeit durch tektonische Vorgänge zu einer Zermürbung der Erdkruste und damit zu einer Absenkung der Lahnmulde als Trog im Devonmeer. An deren Rändern entstanden Bruchspalten, durch die Magma aus dem Erdinnern austrat.

Die Entstehung des mittleren und unteren Lahntals beruht zum Großteil auf dem Verlauf dieser Bruchspalten, deren Teilstücke durch spätere Erdbewegungen gegeneinander verschoben wurden.

Wenn auch bereits im Devon vom Beginn einer sich ausbildenden Lahnmulde gesprochen werden kann und die damals entstandenen Bruchspalten bedeutungsvoll für den späteren Verlauf der Lahn wurden, so kann von einer beginnenden Lahntalausprägung noch nicht die Rede sein.

Weilburg, Lahn, Geologie, Verlauf der Urlahn, 200 m ü. heutigem Meeresspiegel im Weilburger Raum, Grafik: Kurt Hofmann

Die Urlahn floss etwa 200 m über dem heutigen Meeresspiegel
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Weilburg, Lahn, Geologie, Lahnterrassen im Weilburger Raum, Grafik: Kurt Hofmann

Die bei Weilburg festzustellenden Lahnterrassen zeigen deutlich das Absinken des Lahnspiegels.
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Erst mit Beginn des Pleistozäns (vor 2,3 Millionen Jahren) kann man von Anfängen einer Lahntalbildung sprechen. In dieser Epoche kam es zu weiteren Absenkungen der Kölner Bucht und des Oberrheingrabens, wie auch zu einer Anhebung des Rheinischen Schiefergebirges und zur Talbildung des Urrheins. Dadurch verstärkten sich auch die Gefälle zweier Urströme, die in unterschiedlichen Richtungen auf den gleichförmigen Hochflächen des Weilburger Raums (300 bis 400 m über dem heutigen Meeresniveau) flossen und diesen entwässerten. Der bisher nach Osten abfließende Urstrom orientierte sich deshalb nach Westen, vereinigte sich mit dem bereits westwärts fließenden Urstrom und mündete mit diesem schließlich in das Stromgebiet des Urrheins.

Die so entstandene Urlahn hatte ihr Bett zu Beginn etwa 100 m in die Fastebene der Hochfläche eingetieft und befand sich dadurch etwa 200 m über heutigem Meeresniveau und ca. 80 m über dem jetzigen Wasserspiegel der Lahn.

Weilburg, Lahn, Geologie, Verlauf der Lahn, etwa 170 m ü. heutigem Meeresspiegel im Weilburger Raum, Grafik: Kurt Hofmann

Beim Absinken der Urlahn auf etwa 40 m über dem heutigen Lahnspiegel, tauchte die Spitze des Schlossbergs als Insel auf.
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Weilburg, Lahn, Geologie, Verlauf der Urlahn, etwa 160 m ü. heutigem Meeresspiegel im Weilburger Raum, Grafik: Kurt Hofmann

Beim Absinken der Urlahn auf etwa 30 m über dem heutigen Lahnspiegel, ragte die Altstadtfläche über das Wasser.
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Allmählich schnitt sie sich weiter in die Hochfläche ein, wobei Pausen bei den Hebungen des Geländes die Eintiefung zeitweise stoppten und seenartige Ausbreitungen der Wasser ebenso erfolgten, wie die Verlagerungen des Flusslaufs und das Entstehen mäandernder Flussschleifen. Immer neue Flussschlingen erarbeitete die Lahn, wenn das Wasser auf hartes Gestein traf und sich dadurch die Fließrichtung änderte.

Im Bereich Weilburgs stoppte Diabas die aus dem Norden heranfließende Lahn und  erzwang eine Richtungsänderung nach Nordwesten, bis weitere Gesteinszüge neue Richtungsänderungen notwendig machten und sich so im Laufe der Zeit die Lahnschlinge um den Schlossberg ausbildete. Die sich in den Untergrund einschneidende Lahn schuf so den Weilburger Schlossfelsen, zuerst als langsam aus dem Wasser auftauchende Insel und, mit dem weiteren Absinken des Wasserspiegels, die heute von einer Flussschlinge umgebene Halbinsel Weilburgs.


Quellen:

Grafische Darstellungen von Kurt Hofmann, Weilburg

An dieser Stelle herzlichen Dank für die Erlaubnis zur Verwendung der Grafiken in meiner Homepage.

Hofmann, Kurt
"Wie Weilburg entstand"
aus
"Weilburg wie es früher war"
Wartberg Verlag GmbH &Co. KG, Gudensberg-Gleichen, 2001

Velten C./Wienand P.
"Kräfte der Erde: Kleine Geologie des Weilburger Landes"
Libelli Museum Extra Nr. 4
Heimat- und Bergbaumuseum der Stadt Weilburg, Weilburg, 1989