Geschichtliches zu Weilburg

Geologie

Weilburgit, der Stadtname von Weilburg für eine Gesteinsart

Den Namen Weilburgit vergab Prof. Dr. Emil Lehmann 1941 in einer umfangreichen Darstellung über die „Eruptivgesteine und Eisenerze im Mittel- und Oberdevon der Lahnmulde“. Er bezeichnete damit eine Gesteinsgruppe, die dem Diabas und teilweise auch dem Schalstein zugerechnet wurde. Nach Lehmanns Überzeugung entsprachen die Gesteine jedoch nicht einer der unterschiedenen Gruppen der Diabase (1.Hornblendendiabase, 2. dichte Diabase und Diabasmandelstein des oberen Mitteldevons, 3. Normaldiabase des jüngsten Oberdevons einschl. Deckdiabas) und ließen sich nicht als Glieder der Diabasfamilie interpretieren. Aufgrund ihres Chemismus und Mineralbestands sah er in der mit Weilburgit benannten Gesteinsgruppe eine ungleich engere Verwandtschaft zu den Keratophyren als den Diabasen. Geologisch treten Weilburgite im allgemeinen mit Keratophyren in Erscheinung.

Weilburg, Weilburgit

Weilburgit, Fundort "Kahlhau", aus der Gesteinssammlung des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg, Inventar-Nr.: 27681.
Foto mit frdl. Genehmigung des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg

Weilburgit und Diabas sind nach Lehmann zwei grundverschiedene magmatische Gesteinsgruppen, wenn auch die dichten Diabase und Diabasmandelsteine von Weilburgiten äußerlich kaum zu unterscheiden sind. Dabei sah Lehmann Weilburgit als echtes Erstarrungsgestein an, das unter der besonderen Bedingung eines wasserreichen Magmas und niedriger Erstarrungstemperatur entstand. Dabei verlief die Kristallisation des Magmas nicht normal und ungestört, sondern unter der Annahme von außen kommender Einflüsse und sich dadurch ergebenden Temperatur-Druck-Bedingungen.

Aufgrund der Alkalivariabilität untergliederte Lehmann die Weilburgite in eine Kaligruppe, eine Natrongruppe und eine Kali-Natrongruppe (Hauptgruppe). Der Mineralbestand der Weilburgite ist im wesentlichen beschränkt auf die beiden Komponenten Feldspate und Chlorite in stark variablem Mengenverhältnis. Weilburgite sind durch einen auffallend gleichmäßigen Wassergehalt gekennzeichnet und weisen fast ausnahmslos eine dichte Gesteinsbeschaffenheit auf; sie sind nur gelegentlich schwach porös. Eine gröbere Struktur tritt nur vereinzelt auf, ist dann höchstens angedeutet und nicht bis zur makroskopischen Unterscheidung der Komponenten entwickelt.  

Als ursächlich für die Entstehung von Weilburgit sieht Lehmann wasserreiches Magma mit relativ niedriger Temperatur an, das aufgrund des Wasserreichtums eine hohe Mobilität besaß.

Weilburg, Weilburgit

Weilburgit, Fundort "Kahlhau", aus der Gesteinssammlung des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg, Inventar-Nr.: 27695.
Foto mit frdl. Genehmigung des Bergbau- und Stadtmuseums Weilburg

Lehmanns Ansichten wurden nicht von allen mit der speziellen Materie befassten Wissenschaftlern geteilt. Insbesondere wurde bestritten, dass in Weilburgiten die petrographischen Realitäten für ein nasses, niedrig temperiertes Magma erkennbar seien und man war der Auffassung, dass die von Lehmann angenommene magmatische Kalkassimilation zu komplex und mit sich gegenseitig ausschließenden Einzelwirkungen ablaufe, weshalb statt der von Lehmann angenommenen synmagmatischen Kalkaufnahme eine postmagmatische Kalkimprägnierung anzunehmen sei.

Wenn auch zweifellos Besonderheiten für die von Lehmann mit dem Namen Weilburgit belegte Gesteinsgruppe bestehen, so hat sich diese Bezeichnung in der Geologie nicht durchgesetzt. Weilburgit wäre sonst eine der wenigen geografischen Herkunftsbezeichnungen für Gesteinsarten, für die eine Örtlichkeit in Deutschland, in diesem Fall die Stadt Weilburg an der Lahn, namengebend gewesen wäre.

Weltweit soll es etwa 900 bis 1.000 Gesteinsnamen geben, die auf geografische Örtlichkeiten zurückzuführen sind, es ist allerdings nicht jede dieser Bezeichnungen in der Wissenschaft anerkannt oder in Gebrauch. Wissenschaftlich akzeptierte Benennungen sind aber z. B. Helsinkit, Wiborgit, Californit und Labradorit. Auf deutsche Örtlichkeiten zurückzuführen sind nur eine Handvoll Namen, davon international gebräuchlich nur Harzburgit und Spessartit. Regionale Bedeutung haben die Bezeichnungen Tholeiit, Weiselbergit, Redwitzit, Kuselit und Limburgit. Beim Limburgit war nicht die Stadt Limburg Namensgeberin, sondern die Burg gleichen Namens am Kaiserstuhl.

Festzustellen bleibt, dass der Gesteinsbezeichnung Weilburgit bisher die wissenschaftliche Anerkennung versagt wurde. Sie scheint heutzutage auch nicht in Gebrauch zu sein und ist fast vollständig in Vergessenheit geraten.

Quellen-/Literaturverzeichnis

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Strutinski, Carl (2010): Weilburgit, 09.2010. E-Mail an Rudolf Müller. Digital.