Geschichtliches zu Weilburg

Deutsche Geschichte

Vom Frankenreich zum Reich der Deutschen

Im Zusammenhang mit der Aufnahme von Texten in diese Homepage, die als Thema das "Weilburger Testament" von 918 beinhalten (s. unter "Literarisches", "Weilburger Testament"), habe ich nachstehend einige Eckdaten und Ereignisse zusammengestellt, von denen die historische Entwicklung vom Frankenreich bis zum Reich der Deutschen wesentlich beeinflusst wurde. Die Bitte des sterbenden Konrad I. das Königsamt an Heinrich von Sachsen weiterzugeben ist ein nicht unwesentliches Ereignis in diesem geschichtlichen Verlauf. Dem Pathos der Balladen entsprechend könnte man auch schreiben: Es war für einen Moment die deutsche Geschichte zu Gast auf der Burg der Konradiner in Weilburg.

Strittig ist in Historikerkreisen die Antwort darauf, ob die Wahl Konrads I. zum König oder der Beginn der Regierungszeit von Heinrich I. als Beginn für die Geschichte eines Reiches der Deutschen anzusehen sind. Eine Antwort darauf macht aber wohl nur Sinn, wenn Daten (Jahreszahlen, Verträge, Personen) zur Definition geschichtlicher Abläufe benannt werden sollen. Und nur das habe ich im nachfolgenden Text versucht. Aber diese Angaben sind nur ein Teil der Geschichte. Die Menschen in den betroffenen Herrschaftsgebieten  kamen (und kommen) in den machtpolitischen und strategischen Planungen der Mächtigen meistens nicht vor. Den unten folgenden Geschichtsdaten stelle ich deshalb einige Gedichtzeilen voran:

Fragen eines lesenden Arbeiters
von Bertolt Brecht

Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm? 

Jede Seite ein Sieg.
Wer kochte den Siegesschmaus?
Alle zehn Jahre ein großer Mann.
Wer bezahlte die Spesen?

So viele Berichte.
So viele Fragen.

Daten und Ereignisse vom Frankenreich bis zum Reich der Deutschen. 

Bei seinem Tode im Jahr 741 hinterließ Karl Martell ein geeintes fränkisches Reich, hatte jedoch zuvor verfügt, dass nach seinem Tod die Herrschaft über den Ostteil des Reiches an seinen Sohn Karlmann (geb. vor 714, gest. 754) übergehen sollte und die Herrschaft über den Westteil des Reiches an seinen Sohn Pippin (dem Jüngeren, geb. um 715, gest. 768). Pippin regierte ab 747 allein, nachdem Karlmann ins Kloster gegangen war.

Weilburg, Lahn, Karl der Große, Siegel von 774

Karl der Große, Siegel von 774
Quelle (3), s. u.

Mit der Zustimmung von Papst Zacharias (741-752) erfolgte die endgültige Entmachtung der Merowinger und Pippin wurde von einer Reichsversammlung in Soissons (751/52) zum König (751/52-768) ausgerufen. Die Kirche salbte Pippin nach alttestamentarischem Vorbild als rechtmäßigen Herrscher, womit auch die nichtkönigliche Abstammung Pippins überdeckt werden sollte.

Ein Hilfeersuchen von Papst Stephan II. (752-757) gegen die Langobarden führte zu einem feierlichen Schutzversprechen Pippins. Dieser erhielt darauf von Papst Stephan nochmals die Salbung und die Übertragung der Würde eine "patricius Romanorum". Nach erfolgreichem Feldzug gegen die Langobarden übertrug Pippin dem Papst Territorien in Mittelitalien (Pippinische Schenkung), die zur Grundlage des Kirchenstaates wurde.

Es kam auf diese Weise ein Bündnis zwischen römischer Kirche und Karolingern zustande, das weit reichende Bedeutung erhielt. Geschaffen wurde ein Kaisertum deutscher Nation und eine Verbindung geistlicher und weltlicher Macht - Schutz des Papsttums und Legitimation des Herrschers durch die Kirche - die das gesamte Mittelalter prägte.

Weilburg, Lahn, Konrad I., zeitgenössisches Siegel

Konrad I., zeitgenössisches Siegel
Quelle (3), s. u.

Vor seinem Tod (768) teilte aber auch Pippin das Reich unter seinen Söhnen Karl (unterschiedl. Angaben: 07.02.742, die Jahre 747 und 748) und Karlmann auf. Mit dem Tod von Karlmann (771) wurde Karl alleiniger Herrscher (der Große, 771-814).

Als Papst Hadrian I. (772-795) den Söhnen Karlmanns die Salbung verweigerte und der Langobardenkönig Desiderius römisches Gebiet angrifft, unterstützte Karl den Papst, eroberte das Langobardenreich (773-774) und vereinigte es mit seinem Frankenreich. Er führte von nun an den Titel "rex Francorum et Langobardorum atque patricius Romanorum" ("König der Franken und Langobarden und Schutzherr der Römer").

Erneut erhielt im Jahr 799 ein Papst die Unterstützung des Königs. Der aus Rom vertriebene Papst Leo III. war zu Karl geflohen und dieser zog daraufhin  im Jahr 800 mit dem Papst wieder in in Rom ein. Am 25. Dezember 800 setzte Papst Leo III. in der Peterskirche Karl die Krone auf, kniete nieder und huldigte ihm als Kaiser. Die Krönung wurde von Ostrom als Usurpation betrachtet, Kaiser Karl erhielt durch die Krönung als Rechtsnachfolger des byzantinischen Kaisers aber auch förmlich die Hoheit über den Kirchenstaat. Verstärkt wurde mit der Kaiserkrönung vor allem die Idee einer Einheit der Christen unter einem christlichen Herrscher.

Weilburg, Lahn, Heinrich I. Gemälde im Kaisersaal Frankfurt

Heinrich I., Gemälde Joh. Baptist Zwecker, Kaisersaal Römer, Frankfurt
Quelle (1), s. u.

Mit der Aufteilung des ausgedehnten Reiches an seine drei Söhne verfuhr Karl der Große aber nicht anders als andere Herrscher. Das Reich als persönliches Eigentum betrachtend, teilte er dieses auf unter seinen legitimen Söhnen Karl, Pippin und Ludwig auf. Nur durch den Tod der beiden Älteren, die noch vor Karl dem Großen starben, fiel das Reich allein Ludwig zu. Ihn hat Kaiser Karl im Jahr 813 in Aachen zum Mitkaiser und seinem Nachfolger designiert und ließ ihn sich selbst ohne Mitwirkung des Papstes krönen. Am 28. Januar 814 starb Karl der Große.

Kaiser Ludwig I. (813/14-840), er erhielt später den Beinamen der Fromme, war zusammen mit dem Klerus bestrebt kirchliche Vorstellungen in die staatliche und soziale Ordnung des Reiches einzubringen. Was sein Vater vermeiden wollte, eine Krönung durch den Papst, ließ Ludwig zu, als er sich 816 in Reims von Papst Stephan IV. nochmals krönen ließ und das Kaisertum damit als eine vom Papst verliehenen Würde erschien.

Zwar waren bei Ludwig I. und den Kirchenvertretern die Einsicht in die Notwendigkeit einer Reichseinheit und deren Sicherung über Ludwigs Tod hinaus vorhanden, Ludwig I. konnte sich aber nicht völlig dem fränkischen Grundsatz der Teilung verschließen. So wurde 817 unter Zustimmung der weltlichen und geistlichen Machthaber in Aachen eine Reichsordnung verkündet, in der die Aufteilung des Reichs und die Machtverteilung unter den Nachkommen Ludwigs I. geregelt wurde.

Von den drei Söhnen Ludwigs I. aus dessen erster Ehe wurde Lothar I. (geb. 795, gest. 855) zum Mitkaiser und Erben des Reichs gewählt und gekrönt. Pippin (geb. 803, gest. 838) erhielt das Land Aquitanien, Ludwig, er erhielt später den Beinamen "der Deutsche"  (geb. 805/06, gest. 886), wurde Bayern zugesprochen. Die beiden Jüngeren erhielten den Königstitel.

Kaiser Ludwig selbst stieß diese Regelung um, indem er seinem in zweiter Ehe geborenen Sohn Karl (geb. 823), dieser erhielt später den Beinamen "der Kahle", einen Anteil am Reich (u. a. das Land Alamannien) zum Nachteil Lothars zuerkannte (829).

Gegen diese Änderung der Reichsordnung empörten sich die älteren Brüder. Bei der zweiten Empörung nach einer erneuten Änderung der Reichsordnung zu Gunsten von Karl, standen sich die Heere Ludwigs I. und der drei älteren Brüder gegenüber. Nachdem jedoch das Kaiserheer zu den Söhnen übergelaufen war, wurde der Kaiser abgesetzt und zu öffentlicher Buße gezwungen. Aus Besorgnis um die Übermacht von Lothar wurde der alte Kaiser von Pippin und Ludwig dem Deutschen jedoch wieder in sein Amt eingesetzt eingesetzt dem sich Lothar dann auch unterwarf.

Weilburg, Lahn, Karte zur Teilung des Frankenreiches, 843

Teilungen des Frankenreiches, (Verdun 843)
Quelle (4), s. u.

Als 838 Pippin stirbt, empörte sich Ludwig der Deutsche gegen eine erneute Reichsteilung zu Gunsten Lothars und Karls. Nach dem Tod Ludwigs I. (840) kam es deshalb zum Bruderkrieg, in dem Lothar 841 geschlagen wurde. Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle schlossen sich enger zusammen und beschworen ihr Bündnis 842 in den "Straßburger Eiden". Ludwig leistete den Eid in altfranzösischer Sprache, Karl in althochdeutscher Sprache, danach leisteten auch die beiden Heere den Eid, jedes in seiner Sprache.

Danach hielten zwar die drei Brüder und ebenso die Kirchenoberen an der nominellen Einheit des Reiches fest, 843 kam es jedoch im Vertrag von Verdun zu einer Teilung. Darin wurde Lothar I. (843-855) Italien zugesprochen und nördlich der Alpen der Landstreifen entlang Rhein, Maas, Schelde und Rhone, der sich zwischen dem Ost- und Westreich von der Nordsee bis zur Küste der Provence erstreckte (Lothari regnum, Lotharingen). Lothar behielt auch den Kaisertitel, jedoch ohne Oberhoheit über seine Brüder. Die Herrschaft über das Westfrankenreich erhielt Karl der Kahle. Mit Übertragung der Herrschaft über den Ostteil des Reiches an Ludwig II. (dem Deutschen, 843-876) begann das Ostfrankenreich unter den deutschen Karolingern (bis 911).

Weilburg, Lahn, Karte zur Teilung des Frankenreiches, 843

Teilungen des Frankenreiches (Meersen, 870)
Quelle (4), s. u.

Als Lothar I. im Jahr 855 verstirbt, wurde das Mittelreich unter seinen drei Söhnen aufgeteilt, wobei Lothar II. das Gebiet von der Nordsee bis zu den Quellen von Maas und Mosel erhielt. Nach dem Tod von Lothar II. im Jahr 869 wird dessen Herrschaftsgebiet im Vertrag von Meerssen (870) zwischen Karl dem Kahlen und Ludwig II. aufgeteilt, wobei die Osthälfte an Ludwig fiel.

Als 876 Ludwig II. starb, teilten seine Söhne dessen Reich auf: Karlmann (876-880) erhielt Bayern und die südöstlichen Marken, Ludwig III. (876-882) erhielt Mainfranken, Thüringen und Sachsen, Karl III. (der Dicke, 876-887) erhält Alamannien und Churrätien.

Seit dem Vertrag von Verdun (843) und den folgende Teilungen (Verdun 879, Ribemont 880)waren die Teile des einstigen Gesamtreiches immer mehr auseinander gedriftet. Dazu kamen die Einfälle anderer Völkerschaften. Von Norden fielen die Wikinger ein, in Italien und der Provence waren es sarazenische Seeräuber und im Osten die Ungarn. Diese Bedrohungen stärkten aber gerade die lokalen Herrscher , wobei aber der Zusammenhalt im Ostreich stärker als der im Westteil. Nominell kam es im Ostreich sogar noch einmal zu einer Alleinherrschaft von Karl III., nachdem dessen beiden Brüder gestorben waren und auch das Westreich kam nochmals unter seine Herrschaft nach dem Tode zweier Enkel Karls des Kahlen. Auf dem Reichstag in Tribur wird Karl aber im Jahr 887 zur Abdankung gezwungen. Er stirbt 888.

Weilburg, Lahn, Karte zur Teilung des Frankenreiches, 879 - 880

Teilungen des Frankenreiches (Verdun, Ribemont, 879 - 880
Quelle (4), s. u.

Nach der Abdankung von Karl III. wurde 887 in Tribur der Karolinger Arnulf von Kärnten zum König gewählt (887-899). Als gewählter König, Karolinger und seines Sieges über die Wikinger hatte er eine Vorrangstellung gegenüber den Teilkönigen und auch eine tatsächliche Oberhoheit über das Reich. Als letzter Karolinger wurde er 896 von Papst Formosus in Italien zum Kaiser gekrönt. Letzter Herrscher in der Reihe der ostfränkischen Karolinger wurde Ludwig IV (899-911). Er erhielt den Beinamen "das Kind", denn mit 6 Jahren erhielt er den Herrschertitel und war bei seinem Tod erst 18 Jahre. Seine Herrschaft stand unter der Leitung des Bischofs Hatto von Mainz und anderen geistlichen Würdenträgern.

Zahlreiche innere Fehden und die verheerenden Einfälle der Ungarn, vor allem aber das Unvermögen des Königtums sich gegen die äußeren Feinde wirkungsvoll zur Wehr zu setzen, führten zu einer Wiederbelebung und Erstarkung des Stammesherzogtums.

In Schwaben übernahm Burchard II. die Herzogswürde.

In Bayern folgte auf nach dem Tod von Markgraf Luitpold dessen Sohn Arnulf, er nannte sich Herzog der Baiern.

In Thüringen übernahm der Herzog von Sachsen die Macht, nachdem der dux  Burchard in einem Kampf gegen die Ungarn im Jahr 908 gefallen war.

In Sachsen erhielt Liudolf die Befugnisse eines Dux. Sein Sohn Otto vererbte das Herzogtum an Heinrich, seinen Sohn und späteren König Heinrich I.

In Franken unterlagen die Babenberger 906 den Konradinern. Damit erhielt deren Führer Konrad, später König Konrad I, eine herzogliche Stellung.

Im Jahr 911 findet eine Königswahl statt. Wie die meisten späteren Wahlen erfolgte diese auf fränkischem Gebiet und die gewählten Herrscher lebten, unabhängig von ihrer Stammeszugehörigkeit, nach fränkischem Recht. Dies bedeutete, dass der gewählte König kein persönliches Eigentum am Reich besaß und es folgte daraus die Unteilbarkeit des Reiches.

Bei der Königswahl in Forchheim sollte Herzog Otto von Sachsen ("der Erhabene" oder auch "der Erlauchte" zum König bestimmt werden. Dieser lehnte aber die Wahl ab, ob angesichts der zu erwartenden Schwierigkeiten oder wegen seines Alters sei dahingestellt. Man einigte sich deshalb auf einen Konradiner und wählte den Frankenherzog Konrad zum König (911-918).

Konrad I. versuchte die Macht der Stämme zu begrenzen. Durch Zugeständnisse verband er sich dafür auch enger mit der Kirche, denn dieser war im eigenem Interesse auch an einer Machtbegrenzung der Stämme gelegen. Seine Vorstellung eines karolingischen Zentralstaats war durch ihn aber nicht zu verwirklichen und seine Kämpfe um Lothringen, seine Fehden gegen Schwaben, Bayern und Sachsen verzehrten die Kräfte die nötig gewesen wären um die verheerenden Einfälle der Ungarn abzuwehren. In einer Schlacht gegen Arnulf von Baiern wurde Konrad I. verwundet. Er wurde auf seinen Sitz "Wilineburg" gebracht und hier kam es im Jahr 918 zum "Weilburger Testament", als Konrad I. auf dem Sterbebett seinen stärksten Widersacher Heinrich von Sachsen zu seinem Nachfolger designierte."

Im Mai 919 erfolgte in Fritzlar die Wahl des Sachsen zum König Heinrich I. Die süddeutschen Stämme waren nicht zugegen, aber mit Kompromissen und Drohungen wurden Schwaben und Bayern veranlasst der Wahl nachträglich zuzustimmen. Die vom Mainzer Erzbischof angebotene Salbung und Krönung lehnt Heinrich ab. Er setzt mehr auf das Zusammengehen der Herzöge als auf die Unterstützung durch die Kirche.

Heinrich I. (875-936, Herzog von Sachsen seit 912, König des Deutschen Reiches 919-936) gelang die Zusammenführung der deutschen Stämme und eine innenpolitische Stabilisierung, insbesondere nach einem Sieg über die Ungarn im Jahr 933. Vor der Abreise zu einer Zusammenkunft mit den Königen Rudolf von Frankreich und Rudolf II. von Burgund stirbt Heinrich I. Er wird in Quedlinburg begraben.

Erstmals wurde 919 das Ostfrankenreich als "regnum Teutonicorum" (Reich der Deutschen) bezeichnet.

Nachfolger von Heinrich wird dessen Sohn Otto I. (der Große, 936-973, Kaiserkrönung 962) der im Aachener Münster vom Erzbischof von Mainz gekrönt und auf den Steinthron Karls des Großen erhoben wird. Diese symbolhafte Handlung bestätigte sich in der erfolgreichen Regierungszeit Ottos und das ihm daraus erwachsene Ansehen.


Quellenangaben:
(1) Deutsche Geschichte in 12 Bänden
Band 1
Herausgeber: Heinrich Pleticha
Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH Gütersloh
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(2) Illustrierte deutsche Geschichte
Herausgegeben von H. J. Friedrichs
Naumann & Göbel, Verlagsgesellschaft mbH Köln
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(3) Die deutschen Kaiser
Herausgeber: Gerhard Jaeckel
Stalling-Verlag GmbH Oldenburg-Hamburg-München
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(4) Deutschland, Porträt einer Nation
Band 1
Bertelsmann LexikothekVerlag Gütersloh