Geschichtliches zu Weilburg

Mühlen in Weilburg

Die Mühlen in Weilburg wurden von Wasserkraft über die Mühlräder angetrieben. Unterschiedlich waren ihre Aufgaben. Neben den Mahlmühlen für das Getreide bestanden in Weilburg je eine Schneidemühle, Papiermühle, Walkmühle, Lohmühle und eine Farbmühle.

Weilburg, Brückenmühle um 1890

Brückenmühle um 1890 (Ansichtskarte aus Privatbesitz)

Die ältesten urkundlich nachweisbaren Weilburger Mühlen sind die Brückenmühle (auch Schloss- oder Obermühle) unterhalb des Schlosses und die Kirchhofsmühle (auch Unter- oder Niedermühle) am unteren Weilburger Wehr in der Straße Im Bangert. Erstmals erwähnt werden beide Mühlen 1284, die Brückenmühle dabei in Zusammenhang mit einem Tausch für einen Hof bei Geilnau. Brücken- und Kirchhofsmühle dienten als Mahlmühlen und beide Mühlen waren Bannmühlen. Der Status einer Bannmühle bedeutete, dass die Weilburger dort ihr Getreiden mahlen lassen mussten und ihr Mehl nur an diesen Mühlen kaufen durften.

Nicht eindeutig belegt ist ein bereits vor 1700 an der Brückenmühle befindliches Pumpwerk, mit dem Wasser in einen Hochbehälter im Turm der St- Martinskirche gefördert worden sein soll. Nachweisbar ist ein solcher Hochbehälter mit zugehörigem Pumpwerk an der Brückenmühle allerdings erst für die Zeit um 1700, als Graf Johann Ernst diesen beauftragte.

Das heute an der Brückenmühle bestehende Gebäude stammt aus der Zeit um 1850. Die vier Wasserräder der Mühle wurden ab 1892/93 nach und nach durch Turbinen ersetzt. Im Jahr 1911 fasste die Stadt Weilburg den Beschluss für eine eigene Elektrizitätsversorgung. Der damalige Mühlenbesitzer Hermann Engelmann bewarb sich um die Stromlieferung und schloss einen entsprechenden Vertrag mit der Stadt. In diesem Zusammenhang erfolgte ein Austausch der vorhandenen Turbinen und in den 1920er Jahren wurden die Turbinen durch Dieselaggregate unterstützt. Der Mahlbetrieb endete 1973.

Weilburg, Kirchhofsmühle vor 1900

Kirchhofsmühle vor 1900. Quelle: Bergbau-und Stadtmuseum, Inv-Nr. 27547

Das Hauptgebäude der Kirchhofsmühle wurde 1880/90 errichtet. Die Umstellung der Kirchhofsmühle auf Turbinenbetrieb erfolgte nach 1877. Bereits 1906 erhielt der Mühlenbesitzer Moser die Erlaubnis einzelne Häuser Weilburgs, z. B. das Palais Dungern, mit dem von einem Generator erzeugten Strom zu beliefern. Bis 1953 wurde der gesamte Strombedarf Weilburgs von den beiden ehemaligen Mahlmühlen erzeugt. Der Mahlbetrieb wurde nach einem Brand im Jahr 1926 eingestellt. Die Kirchhofsmühle ging 1935/36 in den Besitz von Hans Engelmann von der Brückenmühle über.

Weilburg, Kirchhofsmühle, Schreinerei, Zeichnung von Nungesser. Quelle: Bergbau- und Stadtmuseum Weilburg, Inv. 1083

Kirchhofsmühle, Schreinerei, Zeichnung von Nungesser.
Quelle: Bergbau- und Stadtmuseum Weilburg, Inv. 1083 vor 1900

Zur Verarbeitung des Holzes aus den fürstlichen Waldungen betrieb die Fürstliche Rentkammer ab der Mitte des 17. Jahrhunderts eine Schneidmühle an der Kirchhofsmühle.

Ebenfalls auf dem Gelände der Kirchhofsmühle befand sich eine unter fürstlicher Verwaltung stehende Walkmühle. Im Jahr 1772 wurde diese an „ . . . alle künftig in Weilburg sich etablierende Woll-Arbeiter, Weißgerber und Färber“ in Erbbestand gegeben. Da sich die Zahl der an der Walkmühle beteiligten Handwerker im Laufe der Jahrzehnte drastisch verringerte, verhandelte man über die Ablösung des Erbleihebriefes und einen Verkauf. Die Verhandlungen darüber zogen sich von 1864 bis in das Jahr 1866 hin. Ob und zu welchem Abschluss sie führten ist unklar.

Im Jahr 1832 erbaten die Weilburger Rothgerber eine Genehmigung zur Errichtung einer Lohmühle am „rechten Lahnufer am Ende des Wehres der Brückenmühle“. Diese Genehmigung wurde wegen evtl. Beeinträchtigungen für die Brückenmühle und einer möglichen Gefahr für die Steinerne Brücke bei Eisgang nicht erteilt. Erlaubt wurde der Bau einer Lohmühle in der Walderbach. Dort wurde auch eine solche errichtet, die später von der Gerberei Rosenkranz übernommen wurde.

Der Papiermüller Spieß erhielt 1768 das ehemalige Gelände einer Hammerschmiede an der Guntersau zum Bau einer Papiermühle. Mit dem Betrieb der Papiermühle verbunden war das Lumpensammelrecht, denn die Versorgung mit Lumpen war eine wesentliche Voraussetzung für den Betrieb einer Papiermühle. Die Papiermühle ging 1799 an den Weilburger Regierungsadvokaten Wilhelm Jakob Wimpf über, der die Papierproduktion 1801 startete. Er beschäftigte 1803 bereits 21 Arbeiter, ein Jahr später war die Mitarbeiterzahl auf 30 angewachsen. Der Antrag Wimpfs zur Umwandlung der Erbleihe in Eigentum wurde 1816 von der Herzoglichen Domänenverwaltung abgelehnt, als Wimpf 1832 den Antrag nochmals stellte wurde diesem stattgegeben.

Bereits vor 1816 muss Wimpf auf dem Gelände an der Guntersau eine Fruchtmühle errichtet haben, die aber wesentlich kleiner war als die Brücken- bzw. Kirchhofsmühle. Diese Fruchtmühle war in Piseebauweise errichtet worden und ist noch unter den im Brandkataster am 31.12.1840 eingetragenen Gebäuden an der Guntersau vermerkt.

Im Jahre 1924 wurde von der Firma Alois Hilf & Co. aus Limburg eine kleine Farbmühle auf der Guntersau errichtet, die später von der Limburger Firma Korkhaus betrieben wurde. In dieser Mühle wurden Farbstoffe durch das Vermahlen von Mineralien gewonnen. Die Mineralien dazu kamen aus Drommershausen (Rötel), Heckholzhausen (braunes Manganerz), Luxemburg [Minette (bräunliches Eisenerz)], Frankreich (gelber Ocker), Hadamar (schneeweißer Kalk).


Quellen:
Döring, Mathias (2005): Weilburg und sein Wasser. Die Wasserversorgung der barocken Residenz im 18. und 19. Jahrhundert. Weilburg: Print (Schriften der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft (DWhG) e.V., Sonderband. 1).

May, Karl Hermann (1939): Territorialgeschichte des Oberlahnkreises (Weilburg). Marburg: N. G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung (Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau, 18).

Lehmann, Falko (1994): Landkreis Limburg-Weilburg II Mengerskirchen bis Weinbach. Kulturdenkmäler in Hessen. Braunschweig: Vieweg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, 2).

Schick, Wilhelm (1986, 1987): Zur Geschichte der Weilburger Mühlen. Bürgerinitiative "Alt-Weilburg" e. V. Weilburg (Weilburger Blätter, 1986: 67, 68, 69, 70, 71, 72; 1987: 73).