Geschichtliches zu Weilburg

Siegel der Stadt Weilburg

Weilburg, Lahn, Stadtsiegel

Das erste Siegel der Stadt Weilburg: Um 1300

Der erste Abdruck eines Weilburger Stadtsiegels findet sich auf einer Urkunde aus dem Jahr 1327.  Es ist jedoch zu vermuten, dass die Stadt Weilburg bereits mehrere Jahre zuvor dieses Siegel anschaffte. Vielleicht erfolgte diese Anschaffung schon bald nach Verleihung der Stadtrechte durch König Adolf von Nassau an Weilburg am 29.12.1297. Durch die Stadtrechtsverleihung erhielt auch die Stadtbehörde eine größere Bedeutung, die  Rechtsgeschäfte und der Schriftverkehr mehrten sich und wohl auch das Bedürfnis der Beteiligten die Rechtsgültigkeit getätigter Geschäfte und getroffener Abmachungen zu sichern.

Welcher Siegelstecher das Stadtsiegel fertigte ist nicht bekannt. Nahe liegend wäre aber, wenn die Herstellung in Frankfurt erfolgte, lassen doch die Verleihung der Frankfurter Rechte an Weilburg und die Nachfrage der Stadt Weilburg zu diesen Rechten auf  bestehende Beziehungen dieser Städte schließen.

Das Siegel ist noch heute im Besitz der Stadt Weilburg und hervorragend erhalten.

Nach Wagner

... zeigt der Weilburger Stempel (.....) eine anerkennenswerte Geschicklichkeit in der Zeichnung, wie in der Technik des Siegelschnitts. (.....) Unzweifelhaft gehört dieses Weilburger Siegel zu den besseren Siegeln nassauischer Städte und weit ragt es über die Machwerke der Folgezeit.

Zur Beschreibung des Siegelbilds verweise ich auf die Abbildung des Stadtwappens, dem das Stadtsiegel als Vorlage gedient hat. Zum Siegelstempel jedoch noch die folgenden Angaben nach Wagner:

Er ist rund, aus Messing gearbeitet und hat einen Durchmesser von 52 mm. Das Siegel zeigt am äussersten Rand, eingeschlossen von zwei eingravierten Perlenschnüren, eine Inschrift und im Siegelfelde das Siegelbild. (....) Die Umschrift, in lateinischer Majuskelschrift gestochen, lautet: SIGILLVM . CIVITATIS . IN . WILBVRC

Weilburg, Lahn, Stadtsiegel

Das dritte Siegel der Stadt Weilburg: 17. Jhdt.

Dieses große "SIEGEL . DER . BÜRGERSCHAFT . IN . WEILBURG" erscheint nach einer Urkunde vom 07. Oktober 1457 erst wieder auf einer Urkunde mit Datum 16. Januar 1567 und dann noch einmal auf einer Urkunde mit dem Datum 1. September 1673.

Ein Grund hierfür ist sicherlich die Anschaffung eines kleineren Siegels, das Wagner erstmals an einer Urkunde vom 11. Dezember 1400 feststellt. Die Anschaffung eines kleineren Siegels erfolgte schon im 14. Jahrhundert häufig durch die Siegelführer. Die kleineren Siegelstempel waren handlicher, weniger umständlich in der Nutzung und die Gefahr das Siegel zu verletzen war geringer als bei den großen Siegeln.

Natürlich hatten die kleineren Siegel das gleiche Siegelbild wie die großen und wurden ebenso als das Stadtsiegel bezeichnet. Dieses Stadtsiegel hatte einen Durchmesser von 32 mm und zeigte eine von zwei Kreislinien eingeschlossene Umschrift und das Siegelbild. Sowohl das Siegelbild weist zahlreiche Fehler gegenüber dem großen Stadtsiegel auf wie auch die Umschrift (SIGILLVM .  CIVITATIA .  WILBURC).

Zur handwerklichen Qualität des kleinen Stadtsiegels im Vergleich mit dem großen Stadtsiegel  schreibt Wagner u. a.:

Während jenes das sorgfältige Werk eines verständigen Siegelstechers ist, verrät dieses die Hand eines ebenso flüchtigen, wie ungebildeten Handwerksmeisters. der keine Ahnung von der Kunst des Siegelschnitts besass (....). Als ungebildet und flüchtig erweist er sich namentlich bei der Umschrift. (...)

Neben mangelndem Können vermutet Weber aber auch,

...dass jener Stecher einen schlechten Abdruck vor Augen hatte und ohne Verständnis das nachmachte, was er zu sehen glaubte.

Wie mangelhaft dieses Siegel auch gefertigt war, es blieb für etwa 250 Jahre in Gebrauch. Seine Spur verliert sich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. In diesem Zeitraum muss die Stadt Weilburg ein anderes kleines Stadtsiegel angeschafft haben, denn auf einer Urkunde vom 15. Juni 1650 ist dieses Siegel erstmals nachweisbar. Zu diesem Siegel schreibt Wagner:

Der Stempel ist zwar kunstlose, aber auch fehlerlose, solide Handwerksarbeit. Zur Vorlage diente seinem Verfertiger der Stempel des 14. Jahrhunderts, den er verkleinert, jedoch möglichst naturgetreu wiedergab. (....) Das Siegelbild stimmt auch in allen übrigen Teilen mit dem der Vorlage genau überein.

Dieser Siegelstempel aus dem 17. Jahrhundert ist heute noch ebenso im städtischen Besitz vorhanden wie das erste große Stadtsiegel vom Anfang des 14. Jahrhunderts.


Quelle:
P. Wagner
"Die Siegel und das Wappen der Stadt Weilburg"
Nassauische Annalen
36. Band, 1906