Literarisches Weilburg

Weilburger Kirmes

Weilburger Kirchweihlied

"Weilburger Kirchweihlied"
(von Joseph Muth, 1857)

Fröhlich verlassen wir
Heute das Haus,
Froh in die freie Flur,
Dir in den Schoß, Natur,
Sorglos und wohlgemut,
Zieh'n wir hinaus.

Seht ihr den Schützenzug
Glänzend sich nah'n?
Blühender Kinder Schar,
Blumenumkränzt das Haar,
Tragend der Gaben Pracht,
Wallet voran.

Hin zu den luft'gen Höh'n
Strebet der Sinn;
Dort, wo im Waldesweh'n
Säuselnd die Linden steh'n,
Dort zu des Waldes Grün
Wandeln wir hin.

Seht ihr die Zelte dort
Festlich geschmückt?
Wo uns die Kirchweih' heut'
Fülle der Freuden beut,
Wo die Musik uns ruft,
Sind wir beglückt!

Heiter beginnen wir
Festlichen Reih'n.
Heisa, wie lustig klingt's!
Heisa, wie munter springt's!
Sehet, wie jung und alt
Tanzend sich freut.

Sind wir des Tanzes satt,
Naschen wir fein.
Was nur das Aug' erfreut,
Stehet vollauf bereit,
Schüsseln und Körbe voll
Laden uns ein.

Und in dem frohen Kreis
Männer und Frau'n
Sitzen beim Gläschen Wein,
Plaudern und scherzen drein;
O, wie so wonniglich
Alles zu schau'n!

Und zu den brausenden
Wogen des Tages
Knallen die Büchsen drein:
„Wer in den Schützenreih'n
Wird denn wohl König sein,
Fürst des Gelags?"

Füllet das Glas zum Rand,
Schützen wohlauf!
„Heil dem Regentenhaus!"
Rufe der König aus,
Und von den Felsen hall's:
„Adolf, Glück auf!"

Drunten im trauten Tal
Rauschet die Lahn,
Träumt von der Wunderbahn,
Glänzende Bilder nahn,
Fremde Gestalten seh'n
Freundlich sie an.

Ha, wenn das Dampfesroß
Tausende bringt,
Die sich in Festesreih'n
Jubelnd mit uns erfreu'n,
Wenn die gedrängte Schar
Jauchzet und singt!

Träume von goldner Zeit,
Selig Gefühl!
Wer auf die Zukunft harrt,
Denk' auch der Gegenwart,
Wirke für bess'rer Zeit
Goldenes Ziel.

Freut euch, so lang euch Gott
Freude beschert,
Und wenn des Jubels Schall
Wecket den Widerhall,
Dann sei mit dreimalhoch
Weilburg geehrt.

Denket des Spruchs, den schon
Salomo sprach:
"Maß im Genuß der Lust!" -
Und mit gesunder Brust
Und mit gesundem Kopf
Schließe den Tag.

Das in Weilburg sehr populär gewordene Gedicht wurde erstmals in der Nr. 63 des Amtsblattes für die Ämter Weilburg, Hadamar und Wallmerod vom 07.08.1857 gedruckt. Eine Melodie dazu hatte H. Sauer komponiert. 


Quelle:
Geschichte der Bürgergarde
s. u. Quellenangaben


Biografisches

Joseph Muth wurde am 09.01.1788 in Hadamar geboren. Er besuchte das dortige Gymnasium und studierte danach Philologie und Theologie in Aschaffenburg und Limburg. In Düsseldorf war er kurze Zeit als Hilfslehrer tätig, ab 1813 als Pfarrer und Konrektor in Dillenburg und ab 1817 Lehrer in Hadamar bzw. Wiesbaden. Von 1843 bis 1858 unterrichtete Oberschulrat Joseph Muth als Professor am Gymnasium in Weilburg. Muth verstarb am 07.03.1866 in Weilburg.

Andere Veröffentlichungen von J. Muth sind u. a. die Schriften "Verhältnis des Christentums und der Kirchen zur Vernunftreligion" und "Handbuch der Geschichte des Hauses Nassau". 

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Quelle:
Lexikon zur Stadtgeschichte
s. u. Quellenangaben
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