Literarisches Weilburg

Weilburger Kirmes

Die Weilburger Kirmes

"Die Weilburger Kirmes"
(Verfasser/in unbekannt, 1844)

In unser'm Städtchen Weilburg sind unter allen Festen 
Die Tag' der lieben Kirmes die schönsten und die besten. 
So auch in diesem Jahre, am vierzehnten August,
Hat man dies Fest gefeiert mit vieler Freud und Lust.

Das war die erste Kirmes. Hier wird sie nun beschrieben. 
An diesem Mittwoch, morgens wohl ungefähr um sieben, 
Versammelt' sich am Marktplatz die hies'ge Bürgergard', 
Worauf nach einer Weile die Fahn' geholet ward.

Drauf ging der Zug aufs Schießhaus. Als dieses war geschehen 
Und man da angekommen, da blieb die Garde stehen.
Dann ward um Zinn geschossen, wer es am besten kann; 
Und dieses war Herr Göhring, der alte Brunnenmann.

Da war auch eine Scheibe, und darauf war ein Ritter; 
Wer da der König wurde, derselbe war Konditer.
Und dieser Zuckerbäcker war Herr Konditer Görtz, 
Derselbe schoß beinahe dem Ritter durch das Herz.

Die Bürger, die geschossen, war'n hundertelf Soldaten, 
Die hatten ihre Büchsen, die Gurgel auch geladen.
Und um zwei Uhr des Mittags, da sind sie heimmarschiert, 
Da wurden die zwei König nun auch nach Haus geführt.

Sie brachten ihre Gaben, die sie gewonnen hatten,
Nun auch sogleich nach Hause, sowie auch ihre Ratten.
Es war fünf Uhr des Mittags, als man aufs Schießhaus ging, 
Und als nach einer Zeitlang die Tanzmusik anfing.

Doch jeder hat's bereuet, der sich hinauf tat wagen; 
Es kam ein starker Regen, als's sieben Uhr geschlagen, 
Und dieser Regen währte bis abends spät um neun, 
Da tat natürlich jeder, der hinging, es bereu'n.

Und was nur Beine hatte, das lief nun in die Hütten; 
Jedoch was für Gesichter hat jeder da geschnitten.
Der ungediehlte Tanzplatz, das denkt sich jeder leicht, 
Ward von dem starken Regen gehörig aufgeweicht.

Ein wenig war man sicher mit Hilf' des Regenschirmes, 
Und so verdarb der Regen den Weilburgern die Kirmes. 
Und wer nach Haus marschierte, der ward gehörig naß, 
So war nun auch verdorben der ganze Kirmesspaß.

Da ging man nun nach Hause und blieb im Dreck fast stecken, 
Die Frauenzimmer hatten brav Hämmel an den Röcken.
Die Gläser in den Hütten, wie man wohl sagen soll, 
War'n von dem Vierundvierz'ger bis oben hin ganz voll.

Der zweite Tag der Kirmes war auch sehr reich an Regen, 
Jedoch von neun bis Mittag war es recht schön dagegen. 
Des Mittags auszurücken, entschloß die Garde sich,
Doch machte der Freund Regen der Rechnung einen Strich.

Da es so viel geregnet, war auch sogleich zu hören,
Daß Ball die Nacht nun wäre, um sich nicht zu beschweren. 
In dem Komödiensaale, da hielt man diesen Ball;
Die Leute, die es hörten, die freuten sich wohl all!

Am Freitagmittag schossen die Bürger um die Gaben, 
Die Bürgerfrau'n und Töchter dazu gegeben haben.
Es waren achtundneunzig von ganz verschied'ner Art,
Schön aufgestellt am Schießhaus, in Körbchen wohl verwahrt.

Und unter diesen Gaben war eine Uhrenkette,
Ein Kinderhemd und Strümpfe und eine Chemisette,
Viel Geld- und Tabaksbeutel und zwei Paar Kinderschuh', 
Sowie zwei Wickelschnüre mit Bändern auch dazu.

Die eine hat Herr Rehorn, der Bruder vom Buchbinder, 
Der Lederschmidt die andre (noch ohne Frau und Kinder). 
Herr Jakob Schmidt, der Dicke, gewann ein Uhrgehäus, 
Und ein Paar Kinderstrümpfe bekam Herr Friedrich Weiß.

Ein' Geldbeutel Herr Gottfried, bekannt als Trommelschläger, 
Und der Herr Schreiner Krüger hat ein Paar Hosenträger, 
Herr Dreher Hahn ein'n Beutel, den man zu Geld gebraucht, 
Herr Wilhelm Zickler einen, woraus man Tabak raucht.

Herr Sattlermeister Völker gewann ein'n Uhrpantöffel 
Und Herr Matthias Otten ein halbes Dutzend Löffel, 
Herr Burger Kaffeekanne und Milchkann' auch dazu, 
Der junge Schreiner Härtel bekam zwei Kinderschuh'.

Herr Thempel eine Pfeife und wird sie nicht gebrauchen, 
Denn wie man weiß, liebt dieser gar nicht das Tabaksrauchen; 
Herr Malugano eine Brieftasch', wobei noch wird erwähnt, 
Er hat danach schon lange vergeblich sich gesehnt.

Auch war da eine Schlafkapp' bei diesen vielen Gaben, 
Um welche die Gardisten daselbst geschossen haben, 
Und diese ward gestohlen, sonst nichts, nur sie allein; 
Ein jeder möchte wissen, wer wohl der Dieb möcht' sein.

Es ist ein großes Wunder, um welches sich's hier handelt, 
In eine Teemaschine hat sich die Kapp' verwandelt, 
Und diese Teemaschine war nun an ihrem Platz.
Herr Lemp hat sie gewonnen, kein übeler Ersatz.

Herr Dittmann wurde König, wohl eine hohe Stelle, 
Bekam zu seiner Ehre auch eine Stehkapelle.
Derselbe hat geschossen zehn und ein'n halben Kreis, 
Auch ward ihm angestecket des Königs Strauß zum Preis.

Es war der Philipp Bernhard für diesmal Ritterkönig, 
Zum Lohne seiner Ehre bekam er auch nicht wenig:
Ein wunderschönes Körbchen als König er erhielt 
Und einen Tabaksbeutel, weil er so gut gezielt.

Man hörte beim Austeilen Kanonenschüsse knallen, 
Recht schön war es zu hören und jedem hat's gefallen. 
Und darauf ging's ans Tanzen. Als dieses auch war aus, 
Da zog die Bürgergarde nun Mann für Mann nach Haus.

Die Verfasserin/der Verfasser des o. a. Gedichts ist unbekannt. Mankel gibt in seiner Geschichte der Bürgergarde nur an, dass das Gedicht im Nachlass des 1908 verstorbenen städtischen Registrators Emil Hepp gefunden wurde.

Falls Sie weitere Angaben dazu machen können, würde ich mich über Ihre Mitteilung freuen. 


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Quelle:
Geschichte der Bürgergarde . . .
s. u. Quellenangaben