Literarisches Weilburg

Weilburger Sagen

Das Weilburger Hündchen

"Das Weilburger Hündchen"
(von Jäger M. Hilmann
Weilburg, den 29.06.1917)

Es stieg der Herzog in das Tal
Vom hohen Schloß hernieder.
Hell glänzt im warmen Sonnenstrahl
Sein schönes Land ihm wieder.

Sein Blick umfaßt so sanft und mild,
Die segensreichen Auen,
Und wieder freut er sich am Bild,
Das seine Augen schauen.

Das stolze Schloß, ererbt vom Ahn,
Wie lacht es seinem Glücke.
Wie lieblich rauscht die liebe Lahn,
Am Wehre an der Brücke.

Viel treue Menschen wohnen weit
In gartengleichen Landen;
Verbunden ihm seit langer Zeit
Durch fester Liebe Banden.

Ihn übermannt die Zärtlichkeit,
Wie heller Sonnenschimmer.
Froh grüßt er seine Häuslichkeit
Im hohen Erkerzimmer.

Sein gutes Hündchen, zart und klein
Sieht seinen Herren wandeln,
Allmächtig muß der Trieb wohl sein
Zum todesmut'gem Handeln.

Schnell ist vom hohen Fensterplatz
Der weite Sprung getan.
Er endet mit gewalt'gem Satz,
Im tiefen Bett der Lahn.

Doch schwimmend kann es seinen Herrn.
Mit letzter Kraft erreichen.
Wie tiefgerührt wird dieser gern
Sein braves Köpfchen streichen. -

Das gute Tier, es streckt sich bald
Und zahlt mit seinem Leben.
Daß es der Treue Allgewalt
Den Ausdruck wollte geben.

In Bild und Stein ist's festgelegt,
Um dauernd es zu zeigen:
Auf daß der Mensch die Treue hegt,
Die einem Hund zu eigen.

----
Quelle:
Stadt-Kunst-Plakat
Weilburg an der Lahn
700 Jahre Stadtrechte
1995
gezeichnet von Wilhelm Schlote
Klein-Druck Steeden, 1994
----