Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Das Bündnis zwischen Weilburg und Lahn

"Das Bündniß zwischen Weilburg und Lahn"
(von Carl Appel)

Lahn:
Vom Ederkopf komm' ich herab, hab' froh das Thal durchschritten
Und eil zu dir, du schöne Stadt, mir Gastrecht zu erbitten,
Ich bringe Segen deinem Thal, Gedeihen deinen Fluren,
Bin froh gefolgt dem eignen Drang und suchte deine Spuren!

Weilburg:
Sei mir gegrüßt, schön Fräulein Lahn, du Liebchen von dem Rhein,
Du sollst mir heut und allezeit als Gast willkommen sein,
In Freundschaft reich ich froh und gern, schön Mädchen, dir die Hand,
Und knüpfe heut und immerdar der Freundschaft edles Band!
Schau meine Berge! sieh mein Schloß! im Mondschein, Sonnenstrahl
Du schöner, trauter, goldner Fluß, ich grüß dich tausendmal.

Lahn:
Ja deine Berge, deine Höh'n im Strahl der goldnen Sonne
In mir sich spiegeln prächtig schön, sind meines Herzens Wonne,
Dem feierlichen Glockenton, dem lausche ich so gerne,
Wie klingt er in der Nähe schön, und schallet in der Ferne!
Vom Ruderschlag der Schiffer laß ich mich gerne stören,
Ich möchte an der Hauseley stets Liederweisen hören!
Laß dich umschlingen, schöne Stadt, hier möcht ich ewig weilen,
Doch muß ich immer, immer fort zum stolzen Rheinstrom eilen!
Ihm reich' ich sterbend meine Hand, mein Herz wird bei dir bleiben,
Ich will es dir für alle Zeit von heute an verschreiben.

Weilburg:
So weile hier, du schöne Maid, laß liebend uns vertragen
Wir wollen treu zusammenstehn so lange Wellen schlagen;
Wir wollen gehen Hand in Hand und wollen uns vertrauen
Und unsren Bürgern froh und gern ein schönes Glück erbauen!
Und sind sie fleißig, sind sie gut, soll fehlen nimmer Segen,
Wir schützen unsern Bürgerstand auf allen unsren Wegen.

Bürgersmädchen:
Schirm Gott dich, schöne Heimathstadt, beschütz dich alle Zeiten,
Und halte fern dir jede Schmach, beschirme dich vor Leiden,
Wie Weilburg und die schöne Lahn sich liebend fest umschlingen,
So möge heut und alle Zeit hell Weilburgs Name klingen,
Dem Kaiser und dem Reiche treu es möge fort bestehn
Und hellen, hellen Sonnenschein und heitre Tage sehen!

Alle drei singen:
Bürger, Stadt und Fluß wir wollen treu und fest zusammensteh'n,
Stets in Freuden, wie im Leide, Einigkeit soll uns umweh'n,
Wollen unsre Pflicht erfüllen, scheuen Müh und Arbeit nicht,
Biedersinn und Bürgertugend leuchten uns als helles Licht!
Gott beschere Glück und Segen, gib Zufriedenheit uns All ',
Laß uns froh und einig leben auf den Bergen, in dem Thal!
Gottvertrauend laßt uns beten für die Stadt, das Vaterland,
Für den lieben Kaiser Wilhelm, ihn behüte Gottes Hand.
Schütze, Gott, all unsre Lieben, fern bleib ihnen jed' Gefahr,
Glaube, Liebe, Treue, Hoffnung uns begleiten immerdar.


Quelle:
"Weilburg in Geschichte, Sage und Lied"
Verlag von Carl Appel
Weilburg, 1883

Die Abschrift erfolgte nach einem in der Bibliothek des Gymnasiums Philippinum Weilburg vorhandenen Druckexemplar.


Biografisches

Biografisches zu Carl Appel finden Sie im Abschnitt "Weilburger Testament" auf der Seite mit seiner Ballade "Das Testament zu Weilburg"