Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Gruß an die Lahn
(Preisgekröntes Lahnlied)

"Gruß an die Lahn"
Preisgekröntes Lahnlied

Dort, wo in Deutschlands schönsten Gauen
die Lahn zum stolzen Rheine zieht,
da prangt ein Land mit gold'nen Auen
das wie ein Garten Gottes blüht.
Wie leuchtet es im Sonnenstrahle
wenn früh der heitre Tag erwacht,
Wie dämmert' ahnungsvoll im Tale
in märchenhafter Mondennacht!

Wie herrlich ists dahinzuziehen
voll Lust auf froher Wanderbahn,
wo deine lichten Augen blühen
geliebtes Land der holden Lahn;
wo schimmernd deine Burgen ragen
wo deine Silberwelle rauscht,
die alten wundersamen Sagen
und neuer Heldenkunde lauscht!

Ob deinen grünen Hügelketten
die dich bekränzen, lieblich Tal,
ob deinen Dörfern, schmucken Städten
und stolzen Schlössern allzumal,
da schwebt, aus alter Zeit geblieben
ein wundersamer Duft und Hauch
von unsrer Ahnen Glück und Lieben
von altem deutschen Tun und Brauch

Auch heute, welch ein heit'res Leben
begrüßt uns freundlich in dem Tal,
welch reges Schaffen, Wirken, Streben
Gesang und Frohsinn überall!
O Lust, auf deinen Höhn zu streifen
durch grünen, liederreichen Wald,
wo Hirsch und Rehe munter schweifen
und wo das Jagdhorn lustig schallt!

Und lernt ihr erst das Volk recht kennen
das froh bewohnt dies schöne Land,
so fühlt ihr euer Herz entbrennen
und freudig drückt ihr ihm die Hand.
Die Männer, frei und klug und bieder
die Frauen liebevoll und hold
wie sind sie voller Lust und Lieder
und tief im Herzen treu wie Gold!

Ihr seht es in den Lüftens schweben
ihr fühlt's an jedem holden Blick:
in diesem Lande ist gut leben
hier wohnen Freude, Lieb und Glück!
Drum schirm dich Gott zu jeder Stunde
sei uns gesegnet lieblich Tal,
wir preisen dich aus Herzensgrunde
sei uns gegrüßt vieltausendmal!

Etwa seit den 1920er Jahren und bis in die 1960er Jahre hinein erschien dieses Lied auf vielen Ansichtskarten mehrerer Lahngemeinden, vor allem auf Karten von Bad Ems, Nassau und Weilburg. Die Überschrift lautete immer "Preisgekröntes Lahnlied und abgedruckt waren meist zwei bis vier Strophen ohne Verfasserangabe.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts war die Zeit, zu der mehrere Lieder zum Lob deutscher Landschaften ihren Eingang in Lieder- und Kommersbücher fanden. Unter den Dichtungen, in denen Flüsse besungen wurden, rangierte der Rhein seit jeher an erster Stelle. Aber auch die Mosel hatte ihre Dichtungen und Lieder, die 1898 durch einen von der Casino-Gesellschaft in Traben-Trabach ausgeschriebenen Wettbewerb um ein Moselweinlied Zuwachs erhalten sollten. Vielleicht war dieser Wettbewerb die Anregung zu einem ähnlichen zugunsten der Lahn.

Jedenfalls wurde im gleichen Jahr vom Jagdverein in Bad Ems der Aufruf für einen entsprechenden Wettbewerb veröffentlicht. Darin hieß es: "Aber was die Anwohner der Lahn bis jetzt noch schmerzlich vermissen, ist ein wahrhaft volkstümliches, ungekünsteltes, unmittelbar zum Herzen sprechendes Lied, das besonders auch durch leichte Sanglichkeit geeignet ist, Gemeingut der gesamten Bevölkerung des Lahngaues zu werden. Das hat uns bewogen, einen Wettbewerb zur Erlangung eines Lahnliedes auszuschreiben, [...]."

Zum Wettbewerb zugelassen waren noch nicht veröffentlichte Dichtungen, die zusammen mit eigenen Melodien einzureichen waren. Ein Preisgeld in Höhe von 1.000 DM war ausgesetzt, davon jeweils 500 DM für den Dichter und für den Komponisten. Der Wettbewerb fand Aufmerksamkeit in ganz Deutschland und im Ausland, darunter besonders auch in Amerika. So gingen bis zum Einsendungsschluss am 15 Juli 1899 über 450 Lieder ein. Von diesen kamen 100 Lieder in die engere Wahl und zuerkannt wurde der erste Preis dem Lied "Gruß an die Lahn". Eingesandt worden war das Gedicht aus Leipzig, die Namen des Dichters und des Komponisten konnte ich leider noch nicht ermitteln, ebenfalls nicht die Melodie.

Eine "ehrende Anerkennung" wurde vier weiteren Liedern bzw. deren Dichtern und Komponisten zugesprochen, darunter dem "Lahnlied" von Mohr und Hoffmann: Sie finden dieses Lied über den Link "Lahnlied".