Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Zur Erinnerung

"Zur Erinnerung"
(von Ernst Dienstbach)

Heil Weilburg, traute Musenstadt,
dir bin ich treu ergeben!
Wer je in dir geweilet hat,
vergißt dich nie im Leben.
Dir, Stätte goldner Jugendzeit,
sei manches volle Glas geweiht,
sind doch mit dir verbunden
des Lebens schönste Stunden!

Rings um dich zieht die Lahn ein Band,
dein Schloß auf steilem Steine
blickt stolz und kühn hinaus ins Land,
Wilinaburg, du feine.
Die wald'gen Berge ohne Zahl
und manches lieblich schöne Tal
gereichen dir zum Ruhme,
du bist der Städte Blume.

Der Weisheit Stätte warst du mir,
die schönste, die ich kenne.
Was ich heut bin, das dank' ich dir,
du liebe, alte Penne.
Ich danke deiner Lehrer Schar,
die mir so treu Berater war
und mir fürs harte Leben
das Rüstzeug einst gegeben.

Und macht' der Glocke Ton mich frei,
wie stürmte ich ins Weite!
Das Kanapee, die Hauseley,
die waren meine Freude.
Der Wald sah mich bei Sonn' und Sturm,
hinaus zog's auch den Bücherwurm,
von waldumrauschten Höhen
das Land zu übersehen.

Ich drehte manchen Jugendstreich,
sie blieben unvergessen,
in manchem Winkel im Bereich
hab' zechend ich gesessen.
Ich küßte manche Maid zum Scherz,
mein Scheiden macht' ihr keinen Schmerz,
sie nahm sich einen andern,
als später ich mußt' wandern!

Leg ich das müde Haupt zur Seit',
winkt mich der Tod hinüber
und zieht des Lebens Freud und Leid
zum Schluß an mir vorüber,
ein letztes Lächeln zeigt sich dann,
kommst du, mein liebes Weilburg, dran!
Es gilt den schönen Stunden,
die mich mit dir verbunden.

Die vorstehenden Zeilen erschienen unter der Überschrift
"Ein ehemaliger Schüler gedenkt seiner Weilburger Jahre
Mel.: O, alte Burschenherrlichkeit
"
und den Angaben
"Karl Dienstbach (1877-1950)
Frankfurt a. M., den 31. Mai 1927.
"


Quelle:
Heinrich Schwing
Geschichte des Gymnasium Philippinum zu Weilburg
1890-1950, S. 187
Selbstverlag der "Wilinaburgia"
Weilburg, 1974