Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Das Kanapée

"Das Kanapée"
von Christian Fernau, 1889

Mir ist ein schöner Ort bekannt,
Umflossen von der Lahn,
Dort blickt man in ein herrlich Land.
Tief unten aus dem Kahn 
Da schaut der Schiffer zu der Höh,
Entzückt vom schönen Kanapee.

An seinem Rücken lehnt der Wald
Mit ewig jungem Grün,
Der muntren Sänger Aufenthalt,
Darüber Wolken ziehn.
Gern weile ich in deiner Näh,
Auf dir, du liebes Kanapee.

Es dringet aus dem Felsgestein
So mancher grüne Ast,
Dort laden sich die Vögel ein
Und halten süße Rast.
Die Lerche steiget aus dem Klee
Hinauf zum grünen Kanapee.

Es tanzten hier zur alten Zeit
Walzer und Menuett
Mit Grazie im Festtagskleid
Die Alten um die Wett. 
Die Jugend gleich des Waldes Reh
Sprang lustig auf dem Kanapee.

Still wandelt in der Sommernacht
Vom Fels der Hauseley;
Wenn kaum der junge Lenz erwacht,
Die schöne Almadei.
Es ruht mit Lust die gute Fee
Im Mondschein auf dem Kanapee.

Du bist so schöne zu jeder Zeit:
Im ersten Frühlingsgrün,
Im Sommer und im bunten Kleid, 
Wenn heim die Schwalben ziehn.
Und herrlich bist du noch im Schnee,
0 du mein liebes Kanapee!


Quelle:
"Lexikon zur Stadtgeschichte"
s. u. Quellenangaben


Biografisches

Christian Fernau wurde am 08.04.1841 in Weilburg geboren und entstammte der alten Seifensiederfamilie Fernau. Er starb am 13.12.1914 in Weilburg.


Quelle:
"150 Jahre Weilburger Bürgergarde"
s. u. Quellenangaben