Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Schloß Weilburg (Baden/Wien)

Schloss Weilburg bei Baden/Wien

Schloss Weilburg bei Baden/Wien; Ansichtskarte um 1900

Nachstehendes Gedicht bezieht sich auf die Verheiratung  von Erzherzog Karl von Österreich mit Prinzessin Henriette von Nassau-Weilburg und den Bau von Schloss Weilburg bei Baden (20 km südlich Wiens).

Die Trauung fand am 17.09.1815 in der Weilburger Stadt- und Schlosskirche statt. Mit der Errichtung des Schlosses Weilburg im Helenental des Wiener Waldes beauftragte der Erzherzog den Wiener Hofarchitekten Josef Kornhäusl und den Bildhauer Josef Klieber. Erbaut wurde Schloss Weilburg in den Jahren 1820 - 1823.

Wegen dort lagernder Waffen und Ausrüstungen wurde das Schloss beim Vorrücken der sowjetischen Armee am 02.04.1945 in Brand gesetzt. Die Reste des Schlosses wurden 1964 gesprengt.

"Schloß Weilburg"
von Carl Appel

Der tapfere Karl von Oestreich, Erzherzog, Feldherr, Held
Hat in dem Schloß zu Weilburg die Braut sich ausgewählt:
Der edlen Henriette, Prinzeß von Nassau-Land,
Gelobt er treue Liebe mit Mund, mit Herz mit Hand!
Im Liebesglück verlassen muß sie das Schloß, die Stadt,
Die fröhlich sie durchstreifend so lieb gewonnen hat.

Gar schwer wird ihr das Scheiden vom trauten Heimathsort;
Doch dem Gemahl gern folgend mit Thränen zieht sie fort.
In Wien am Kaiserhofe fand sie gehofftes Glück,
Und doch nach ihrem Weilburg sehnt sie sich oft zurück.
Dort jedes schöne Plätzchen als Freundin sie gekannt;
Gar manche Sternengrüße hat sie nach Haus gesandt!

Recht sehnsuchtsvoll erzählte sie dem Gemahl und Herrn,
Wie sie die traute Heimath, ihr Weilburg noch so gern!
Er lauschte ihren Reden, sah liebend ihr ins Aug,
Und drückte ihr zum Troste die Hand nach deutschem Brauch!
Gleich wie in neuer Heimath sie ruht voll Lieb und Lust
An des geliebten Gatten, an Karl von Oestreichs Brust!

Doch der Gemahl, der edle, mit seinem ächten Herz
Will heilen seiner Gattin des Heimwehs herben Schmerz.
Er hat in aller Stille ein Schlößchen auferbaut,
Das wie vom Lahnfluß grüßend auf Oestreichs Fluren schaut!
Zum Wiegenfest der Gattin er liebend es geschenkt,
Die in dem neuen Weilburg stets froh der Heimat denkt!

Im alten, neuen Weilburg fand Henriette Glück,
Froh dankend Gottes Segen war heiter Herz und Blick!
Karl's Heldenruhm wird leben, wie seine Lieb' und Treu'
Zum Vaterland, zum Weibe zu jeder Zeit auf's Neu'!
Du Schloß der Gattenliebe sei tausendmal gegrüßt
Vom trauten Heimathschlosse, das schön die Lahn umfließt.


Quelle:
"Weilburg in Geschichte, Sage und Lied"
Verlag von Carl Appel
Weilburg, 1883

Die Abschrift erfolgte nach einem in der Bibliothek des Gymnasiums Philippinum Weilburg vorhandenen Druckexemplar.


Biografisches

Biografisches zu Carl Appel s. auf der Seite mit seiner Ballade "Das Testament zu Weilburg"