Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Aus der Jugendzeit! aus der Jugendzeit!

Im Jahr 1846 erschien im "Morgenblatt für gebildete Leser" in Fortsetzungen eine Erzählung von Joseph Eduard Braun, betitelt mit "Aus der Jugendzeit! aus der Jugendzeit!". Das "Morgenblatt" war seit 1807 bis zur Einstellung 1865 das führende literarische Blatt und wurde von der einflussreichen Cottaschen Verlagsbuchhandlung, Stuttgart und Tübingen, herausgegeben. Fast alle wichtigen Autoren dieser Zeit waren mit Veröffentlichungen im "Morgenblatt" vertreten, dazu gehörten u. a. A. v. Droste-Hülshoff, Th. Fontane, J. W. v. Goethe, H. Heine, A. v. Humboldt, H. v. Kleist, G. Keller. Nach der Philosophie des Herausgebers sollten die Veröffentlichungen zwar grundsätzlich ohne Verfasserangaben erscheinen, doch die Mitarbeit bekannter Autoren war ein Grund dafür, dass dieses Prinzip im "Morgenblatt" nicht durchgängig eingehalten wurde.

Ohne Verfasserangabe veröffentlicht wurde aber die Erzählung von Joseph Braun. Seine Urheberschaft geht jedoch aus einem Brief vom 26. September 1846 an den damaligen Herausgeber des "Morgenblatts", Hermann Hauff (ein Bruder des bekannten Wilhelm Hauff), hervor. Braun schreibt darin "Mein hochverehrter Herr und Freund. Zuerst meinen herzlichen Dank für den baldigen Abdruck des 1. Literaturbriefs. Darf ich für das Beiliegende um die gleiche Freundlichkeit bitten? Es ist eine ganz stille, harmlose Geschichte, von der ich recht wünsche, daß Sie Ihnen gefallen möge. Als Motto schlage ich die 1. Strophe des Rückert'schen Gedichts 'Aus der Jugendzeit vor', nach welchem sie auch betitelt ist. [...]"

In der Rahmenhandlung seiner Erzählung skizziert Braun ein längeres Beisammensein in einer "so eigentlich gute(n) Gesellschaft in beiderlei Sinn" bei einem Gastgeber in den Schweizer Bergen. Zur Unterhaltung schlägt eines Tages eine der Damen vor, dass jeder der anwesenden Herren "die Geschichte seiner ersten Liebe berichten (soll), aber treu und wahrhaft, ohne allen romanartigen Aufputz". Auch Braun entspricht dieser Forderung und erzählt die (erfundene?) Geschichte seiner ersten Liebe.

Nach dieser Erzählung erfuhr Braun seine erste Jugendliebe als Schüler am Gymnasium in Weilburg. Als sechzehnjähriger Gymnasiast verliebte er sich dort in eine kleine Kunstreiterin von vierzehneinhalb Jahren, die mit einer Truppe durch die Lande zog und Reiterkunststückchen vorführte. Während des zwei- oder dreiwöchigen Aufenthalts der Truppe in Weilburg verwandte Braun fast die gesamte Barschaft, die ihm sein Vater für seinen Schulaufenthalt in Weilburg übergeben hatte, für Geschenke und Aufmerksamkeiten an seine Liebe.

Zwar tritt Weilburg als Stadt in der Erzählung nur am Rande in Erscheinung und von ortsgeschichtlicher Bedeutung ist nur die kurze Erwähnung von Greens Landung mit dem Ballon "Royal Vauxhall" nahe Weilburg im November 1835, trotzdem aber freue ich mich, die Erzählung hier veröffentlichen zu können, die 1846 unter dem Titel

"Aus der Jugendzeit! aus der Jugendzeit"
(von Joseph Eduard Braun)

erschienen ist.

Die Erzählung wurde unverändert übernommen aus:

"Morgenblatt für gebildete Leser“
Vierzigster Jahrgang, 1846
Nr. 239 vom 06. Oktober 1846 bis Nr. 246 vom 14. Oktober 1846
Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung
Stuttgart und Tübingen

Besonders danken möchte ich an dieser Stelle Frau I. Minor, die mich auf die Braun'sche Erzählung hinwies und mir auch einen Textauszug von Brauns Brief an W. Hauff zur Verfügung stellte.

"Aus der Jugendzeit! aus der Jugendzeit!" (1.577 kByte)

Die Erzählung (17 Seiten DIN A4 incl. eigener Anmerkungen) ist als pdf-Dokument verfügbar, das über den obigen Link hier Online gelesen werden kann. Um den Text Offline zu lesen, können Sie die Datei auch auf Ihrem PC speichern.

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Biografisches

Joseph Eduard Brauns Vater war Joseph Braun, verheiratet mit Clara Hermes aus Hadamar, tätig als Lehrer, 1841-1845 Rektor des Pädagogiums in Dillenburg, verstorben 1855.

Joseph Braun war eines von fünf Kindern und wurde am 24.08.1818 in Hadamar geboren. In Weilburg besuchte er von 1833 bis 1837 das Gymnasium. In Bonn studierte Braun ab 1839, wurde jedoch wegen eines Duells von der Hochschule verwiesen und ging in das Elternhaus nach Dillenburg. 1846 kam Braun nach Freiburg, wo er kurzzeitig die Leitung der "Süddeutschen Zeitung" übernahm.

Joseph Eduard Braun starb am 01.06.1847 in Freiburg/Breisgau an den Folgen eines Duells.

Bruder von Joseph Eduard Braun war der nassauische Politiker und Publizist Karl Joseph Wilhelm Braun, s. a. "Literarisches"/"Kadettenmord".