Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging

"Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging"
von Gudrun Pausewang
"Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging" von Gudrun Pausewang

"Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging" von Gudrun Pausewang

In mehreren Erzählungen veröffentlichte die Schriftstellerin Gudrun Pausewang Erinnerungen ihrer Familiengeschichte. Nach "Rosinkawiese. Alternatives Leben in den zwanziger Jahren" (Ravensburg 1980), "Fern von der Rosinkawiese. Die Geschichte einer Flucht" (Ravensburg 1989) und "Geliebte Rosinkawiese. Die Geschichte einer Freundschaft über die Grenzen" (Ravensburg 1990), erschien die Erzählung "Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging" (Eichborn 1996).

Mit dem vierten Band ihrer Erinnerungen setzte Gudrun Pausewang ihrer Mutter ein literarisches Denkmal, gleichzeitig aber auch all den ". . . zahllosen Frauen, die, als der Krieg zu Ende war, in unerhörter Tapferkeit und ohne männliche Hilfe und Bevormundung dafür sorgten, daß sich in den Ruinen wieder Leben regte."

Auf ihrer Flucht war die Familie Pausewang in den ersten Nachkriegsjahre nach Hessen gekommen und die älteste Tochter Gudrun hatte in Wiesbaden das Gymnasium besucht und 1948 mit dem Abitur abgeschlossen. Ihr Berufswunsch war Lehrerin und damit kommt Weilburg ins Spiel.

In Weilburg war im Herbst 1945 das Pädagogische Institut gegründet worden, in dem der hessische Lehrernachwuchs herangebildet werden sollte. Das Institut nutzte die Räumlichkeiten in der Neuen Kaserne und am Windhof. Dort erfuhr Gudrun Pausewang ihre Ausbildung zur Lehrerin.

Die Stadt Weilburg tritt auf S. 55 unter der Kapitelüberschrift "Die jungen Pausewangs" nur am Rand in Erscheinung. [. . .] Sie bestand die Aufnahmeprüfung in den zweiten Normallehrgang am Pädagogischen Institut in Weilburg an der Lahn, einem idyllischen hessischen Städtchen. [. . .]." Von ortsgeschichtlicher Bedeutung ist nur die Erwähnung, wie sich Gudrun Pausewang ihr Studium mifinanzierte. "[. . .] Friedel (die Mutter) konnte ihr nur wenig geben. So verdiente sie, wann immer sich ihr Gelegenheit bot, während des Studiums einiges dazu, vor allem mit Nachhilfestunden für schwache Schüler und Schippdienst beim Anlegen eines Sportplatzes für das Institut. Zwei Mark pro Nachhilfestunde, zwei Mark fünfzig pro Schippstunde - beides eine gute Bezahlung."

Beim "Anlegen eines Sportplatzes für das Institut" dürfte es sich um die heute noch (wenn auch nur mit einem Teil des ehemaligen Sportgeländes) genutzte Sportanlage am Windhof gehandelt haben. Interessant aber die um 25% höhere Bezahlung für "Schippdienst" gegenüber der Erteilung von Nachhilfestunden. Vielleicht war der Grund für die niedrigere Bezahlung der Nachhilfestunden die große Anzahl von Lehramtsstudenten und das daraus resultierende "Überangebot". Bis zur Schließung des Pädagogischen Instituts war die Miete der meist in Weilburg wohnenden Studenten und Studentinnen ein nicht unwichtiges Nebeneinkommen der Weilburger Hausbesitzer.

Gudrun Pausewang
"Wie es den Leuten von der Rosinkawiese nach dem Krieg erging"
Eichborn GmbH & Co. Verlag KG, FrankfurtmbH, 1996
144 Seiten, ISBN 3-8218-0382-7

Gudrun Pausewang wurde am 03. März 1928 in Wichstadtl in der Tschechoslowakei (heute Mladkov in Tschechien) geboren. Ihr Vater fiel im Zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende floh die Familie nach Westdeutschland. Im Anschluss an das in Wiesbaden abgelegte Abitur studierte sie in Weilburg und ging nach Studienabschluss 1956 als Lehrerin nach Chile und Venezuela. Nach einem Zwischenaufenthalt in Deutschland von 1963 bis 1967 und einem Studium der Germanistik ging Pausewang als Lehrerin nach Kolumbien. Von dort kehrte sie 1972 zurück nach Deutschland und lebt seitdem in Schlitz, Oberhessen.

Sie schrieb Bücher für Erwachsene und ebenso für Kinder und Jugendliche, und bis heute wurden von ihr ca. 90 Romane und Erzählungen veröffentlicht. Ihre Themen sind vielfach Probleme in der Dritten Welt, Frieden, Umweltschutz und Risiken der Kernenergie. Besondere Aufmerksamkeit fanden ihre Werke "Die letzten Kinder von Schewenborn" (1983) und "Die Wolke" (1987), von denen das letztgenannte 2006 verfilmt wurde.

Gudrun Pausewang erhielt 14 Auszeichnungen; mehrfach ausgezeichnet wurde der Roman die Wolke. Das "Bundesverdienstkreuz am Bande" wurde 1999 an sie verliehen und zuletzt erhielt sie 2009 den "Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e. V." für ihr Lebenswerk.