Literarisches Weilburg

Stadt und Lahn

Hölle für Kinder

"Hölle für Kinder"
(von Thomas Valentin)
Thomas Valentin; Foto: Rolf Ertmer (c) Thomas-Valentin-Gesellschaft

Thomas Valentin; Foto: Rolf Ertmer
© Thomas Valentin-Gesellschaft Lippstadt.
Vielen Dank für die Erlaubnis zur Veröffentlichung.

Thomas Valentin wurde unter dem Namen Armin Gerold Valentin am 13. Januar 1922 in Weilburg geboren. In Weilburg verbrachte er seine Kinder- und Schulzeit von 1925 bis 1936. Am 22. Dezember 1980 nahm sich Thomas Valentin in der ihm zur Heimat gewordenen Stadt Lippstadt das Leben. Über Weilburg, seine erste Heimat und den Ort seiner Kindheit hatte er einmal geäußert

"Frühe Leiden, frühe Lieben. Kindliche Freuden, kindliche Feinde. Zwei herz- und kopfbewegende Lehrer, die ich nie vergessen werde: sie hießen Schönwetter und Müller. Zwei andere Lehrer, die mir ein paar Jahre die Hölle heißgemacht haben: ihre Namen seien totgeschwiegen. Bittersüße Erinnerungen an den Karlsberg, an die Vorstadt und den Schloßgarten, wo ich aufgewachsen bin; und an Löhnberg, an den Friedhof, wo meine Mutter sich ausruht."

Quelle: Schoppet, Wolfgang (1976): Als Kind wollte er "bester Tormann" der Welt sein Heute ist Thomas Valentin ein bedeutender Schriftsteller. In: Weilburger Tageblatt, Jg. 137, Ausgabe Nr. 214, 17.09.1976, S. 9.

Titelumschlag des Romans 'Hölle für Kinder' von Thomas Valentin

Titelumschlag des Romans "Hölle für Kinder" von Thomas Valentin Ullstein-Verlag, Neuauflage 1980, ISBN 3550064 52 7

Der Roman "Hölle für Kinder"

Der Roman "Hölle für Kinder" von Thomas Valentin war dessen erster Roman, auch sein erster veröffentlichter Roman. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Valentin Kurzprosa und Lyrik verfasst, wovon jedoch nur etwa ein halbes Dutzend veröffentlicht worden war. Der vom Verlag Claasen im Jahr 1961 herausgegebene Roman erschien im gleichen Jahr in einer französischen Ausgabe und ein Jahr später in der niederländischen Fassung. Eine Neuausgabe verlegte der Ullstein-Verlag 1980 und in der zwölfbändigen Werkausgabe des Igel-Verlags Hamburg wurde der Roman 1997 in Band 1 wieder veröffentlicht.

Den Anstoß zum Roman gab Valentin eine kurze Zeitungsmeldung über eine unverständliche Mordtat in Frankfurt, bei der ein bislang unbescholtener und erfolgreicher Vertreter auf offener Straße einen Jungen getötet hatte. Als Erklärung und Tatmotiv wurde "schizophrener Schub" angegeben.

Valentin verarbeitet dieses Geschehen im Roman "Hölle für Kinder" auf zwei Erzählebenen. Dabei steht scheinbar im Vordergrund des Romans der um 1960 angesiedelte Erzählstrang mit seinem Protagonisten Manfred (Fred) Klewitz.

Von dem Geschehen um den Vertreter Klewitz wechselt die Erzählebene stetig zu den Erinnerungen an die Heimsuchungen in dessen Kindheit und Jugend, angesiedelt in der Zeit von Inflation und Adolf Hitler. Schlaglichtartig, mit abgeschlossenen kurzen Episoden macht Valentin die Schrecknisse und Ängste des Jungen sichtbar. Das in der eigenen Kindheitshölle erlebte wird Klewitz wieder gegenwärtig, seine Angstzuständen und traumatischen Erlebnisse der Kindheit. Es sind Schrecken und Grausamkeiten, die auch Thomas Valentin in seiner Kindheit erfahren hat; erlebt durch den tyrannischen Vater, aber auch durch Prügelexzesse in der Schule, durch Angst und Gewalt in seiner Umwelt.

Weilburg wurde in Valentins Roman "Hölle für Kinder" zu Adolphsburg an der Holla. Vielleicht wurde "Adolph" nicht ohne Grund Teil des fiktiven Stadtnamens. Die Repressalien Herzog Adolphs gegen demokratische Bestrebungen im Herzogtum Nassau und der in Weilburg von Beginn an starke Unterstützung findende Nationalsozialismus mit seinem Führer Adolf Hitler standen vielleicht Pate bei der Wahl des Namens "Adolphsburg" für Weilburg.

Die Stadt ist erkennbar in den Aufenthalten des Jungen Fredi: dem verbotenen Spielplatz in der katholischen Kirche, der Schule, am Landtor, den Geschäften der Vorstadt (wo Valentin zeitweise wohnte) und den angrenzenden Altstadtstraßen- und gassen. So ist die Stadt zwar realer Hintergrund, bildet vor allem aber die in ihren Mauern erfahrene Gewalt und die Demütigungen ab, die Schläge, Gleichgültigkeit und den Hass. Es sind diese Erfahrungen, die des Jungen Kindheit bestimmten, daheim, in der Schule, in seinem Umfeld. Düster und voller Schrecknisse ist die Stadt, so schrecklich und düster wie die Kindheit des Jungen.

Collage mit Porträtfoto und Werken von Thomas Valentin (c) Thomas-Valentin-Gesellschaft, Lippstadt

Collage mit Porträtfoto und Werken von Thomas Valentin,
© Thomas Valentin-Gesellschaft Lippstadt.
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Einige biografische Angaben zu Thomas Valentin finden Sie in dieser Homepage über den nachstehenden Link:

Geschichtliches/Biografien/Auswahlseite

Einen Aufsatz zu Thomas Valentin im Zusammenhang mit seinem Roman "Hölle für Kinder" und Weilburg finden Sie unter dem nachstehenden Link:

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Die 1996 in Lippstadt gegründete Thomas-Valentin-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe macht, den Nachlass von Thomas Valentin zu sichern, katalogisieren und für die wissenschaftliche Aufarbeitung auszuwerten. Ihr Ziel einer Veröffentlichung des Gesamtwerks erreichte die Gesellschaft mit der Herausgabe einer zwölfbändigen Werkausgabe (1997-2002) von Thomas Valentin durch den Igel-Verlag Hamburg.