Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

König Konrads Denkmal

"König Konrad's Denkmal"
(von Christian Fernau)

Laßt uns den Blick nach Villmar richten,
Da raget auf dem "Bodenstein"
Ein Denkmal bei den alten Fichten,
Das schauet weit in's Thal hinein.

Konrad der Erste steht dort oben,
Regiert hat er vor langer Zeit;-
Die Männer der Geschichte loben,
Daß er gestiftet Einigkeit.

Und nun nach vielen hundert Jahren
Im neuen einig-deutschen Reich,
Da schallen weithin die Fanfaren
Und klingt ein Lied so voll und weich.

Es strömt das Volk herbei in Massen,
Die Fahnen flattern hoch im Wind,
Es wimmelt schon in allen Gassen,
Am Fest erfreut sich jedes Kind.

Es dränget sich nach jenen Höhen,
Zu Tausenden, was ihn verehrt,
Den König Konrad will es sehen,
Der einst so tapfer sich gewehrt.

Es rauscht der Wind hoch in den Rüstern,
Wir wollen auch den Konrad seh'n",
Hört man die deutschen Mädchen flüstern,
"Wie ist sein Bildniß groß und schön!"

In einer Hand die gold'ne Krone,
Die andere an seinem Schwert,
So hat entsagt er seinem Throne
Und hielt sie eines Stärkren werth.

Auf Marmor aus dem nahen Thale
Steht Konrad's Standbild wunderbar,
Er schaut im gold'nen Sonnenstrahle
Dorthin, wo seine Heimath war.

Und um den Felsen fließt im Bogen
Die Lahn so ruhig ihre Bahn,
Doch wenn sie rauscht in hohen Wogen
Singt sie ein Lied vom Graf der Lahn.

Der Abend naht, das Volk verschwindet,
Der König stehet hoch und frei,
Sei Denkmal aber hat verkündet,
Wie groß die deutsche Treue sei.


Quelle:
Adolf Morlang
"König Konrad I. und sein Denkmal bei Villmar a. d. Lahn"
Nassauische Annalen, 113, 2002


Das obige Gedicht entstand aus Anlass der Einweihung des Denkmals für König Konrad I. auf dem Bodensteiner Lei in Villmar am 10. Juni 1894. Informationen zu diesem Denkmal finden Sie auf der Seite "König-Konrad-Denkmal".

Biografisches

Biografisches zu Christian Fernau finden Sie auf der Seite mit seinem Gedicht "Das Kanapée".