Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

Der wiedererstandene König

"Der wiedererstandene König"
(Text von Peter Josef Schneider)

Bei Villmar still im Tale, da ragt der Bodenstein.
Ein alter grauer Wächter, der stellt dem Strom ein Bein.
Wohin ihr Fluten? Ihr Dränger, Halt gemacht!
An dieser Felsenstelle des besten sei gedacht!

Gedenkt des kühnen Schwimmers, des Königs von der Lahn,
der sich allhier vom Felsen erschloß die Ruhmesbahn!
Die Wellen rauschen weiter, und weiter rauscht die Welt,
es rauscht die braune Föhre, das reife Ährenfeld.

Verschollen, längst vergessen, wie brav er einst auch rang.
Der Held, der Held vergessen, der selber sich bezwang.
Unheimlich steigt der Wächter aus Flut und Schwall empor
und ihm zu Häupten kreischet der Krähen schwarzer Chor.

Auf seinen Riesenschultern ein feuchtes Weib wir schaun.
Die schreibt geheime Worte lichtgold ins Abendgrau'n.
Seit jenem Tag zu lesen allnächtlich schwebt das Wort.
Nur einer hat's gedeutet, der riefs in's Land hinfort.

Die Botschaft ward vernommen, es geht von Mund zu Mund:
Des Franken Werk zu krönen entstieg das Weib dem Grund!
Das Volk hat's fromm beherzigt: Ein Denkmal hat's gebaut.
Wo Weib und Wort hinsanken, Held Konrad lahnwärts schaut.

Weilburg, König Konrad-Denkmal auf der Bodensteiner Lei bei Villmar

König-Konrad-Denkmal auf der Bodensteiner Lei bei Villmar.
Aufnahme aus dem Einweihungsjahr 1894.
Archiv Lydia Aumüller, Villmar.

Der Text des obigen Liedes und eine dazu von Karl August Kern komponierte Melodie entstanden aus Anlass der Einweihung des Denkmals für König Konrad I. auf dem Bodenstein (Bodensteiner Lei) in Villmar am 10. Juni 1894. Zur Denkmalenthüllung wurde das Lied als zweistimmiger Chor uraufgeführt. Informationen zu diesem Denkmal finden Sie auf der Seite "König-Konrad-Denkmal".

Biografisches

Peter Josef Schneider wurde am 11. Juni 1865 in Sainscheid ? Kreis Westerburg geboren. Er verlebte seine Schulzeit in Elz. Nach seinen Studien bestand er 1886 die Prüfung und wirkte von 1888 bist 1900 in Villmar als Lehrer (Gewerbeschule als Zeichenlehrer). Ab 1886 war er mit der Leitung des Villmarer Männergesangvereins "Teutonia" betraut. Weihnachten 1900 erteilte ihm das Königliche Lehrerseminar Montabaur den ehrenden Auftrag, zur bevorstehenden 50-jährigen Jubiläumsfeier des Lehrerseminars das Festlied zu schreiben.


Den Liedtext, das Foto aus 1894 und die weiteren Informationen
und biografischen Angaben zu P. J. Schneider stellte
freundlicherweise Frau Lydia Aumüller, Villmar,
www.heimatforschung-villmar.de zur Verfügung, wofür
ich mich an dieser Stelle herzlich bedanke.