Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

Deutsche Regentengröße

"Deutsche Regentengröße"
(von Aloys Henninger nach G. C. Braun)

Kampfesmüd und schwer verwundet, ruft, den Tod schon im Gebein,
An das Lager, drauf er gehet bald zur ewgen Ruhe ein,
Konrad den geliebten Bruder und beginnt - ein schönes Wort:
"Eberhard, was sich getrennet, das verbinde sich hinfort!

Deutschlands Volk, es kann bestehen nur in freundlichem Verein:
Haßt den Sachse noch der Franke, sollen jetzt sie Brüder sein!
Sieh, mir hellt die dunkle Ferne auf der bald verklärte Blick;
Wo Verbündetes sich trennet, da wohnt Fluch und Mißgeschick!

Möge ob gefallner Söhne trauern nie das Vaterland,
Die vom Haupt des Ruhmes Kränze reißen ihm mit frevler Hand!
Nimm den Scepter und die Krone, bringe selber sie dem Feind;
Heinrich ists, der dieses Schmuckes mir der Würdigste erscheint!

Denn das Reich bedarf, wie nimmer, eben eines kräftgen Arms,
Der die Wunden ihm verbindet und entledigt es des Harms.
Ueber Deutschlands Ehre wachen wird er mit des Adlers Blick
Und mit der Gewalt des Löwen tilgen all sein Mißgeschick!"

Konrad sprach es, dem der Bruder herzlich drückt die Biederhand,
Und, versichert der Erfüllung, wandert er ins beßre Land.
Kron und Scepter aber bringet Eberhard dem Feind sogleich,
Den er haßte, aber achtet, und geborgen ist das Reich.

Bei dem Vogelgarne lauernd, was ihm oft Erholung war,
Reichte er ihm das Geschmeide und den Purpurmantel dar;
Doch er reichte dar dem Feinde nicht allein das kalte Erz,
Nein, er bot ihm mit der Krone auch zugleich ein Freundesherz.


Quelle:
Nassau in seinen Sagen, Geschichten und Liedern
fremder und eigner Dichtung
von Aloys Henninger
Dritter Band
Die Lahn und der Westerwald
Wiesbaden
Druck und Verlag A. Scholz, 1845

Die Abschrift erfolgte nach einem bei der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt vorhandenen Druckexemplar.


Biografisches

Biografisches zu Aloys Henninger finden Sie auf der Seite mit der Ballade "Das Hundchen des Fürsten".