Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

Das Testament zu Weilburg

"Das Testament zu Weilburg"
(von Carl Appel)

Deutschlands Herrscher, König Konrad, lag in Weilburg schwer verwundet,
Und sein trauerreiches Antlitz schwere, schwere Sorge kundet!
Kein Vergehen drückt den König, der stets treu erfüllt die Pflicht,
Eine andre Seelensorge trübt sein schönes Angesicht!

Sein so sehr bewegtes Leben hat er nur dem Reich geweiht,
Nie hat er den Muth verloren, nie vergessen seinen Eid!
Deutschen Reiches künft'ges Schicksal macht dem Held das Sterben schwer;
Denn er hat es stets vertheidigt mit der Lanze, mit dem Speer!

Ruft mir Eberhard, den Bruder, spricht er, daß ich ihm mein Herz
Offenbare, ihm vertraue meine Hoffnung, meinen Schmerz!
Eberhard kniet trauernd nieder an dem Krankenlager, schweigt,
Und in treuer, edler Liebe Konrad sich zum Bruder neigt:

Theurer Bruder, ich muß sterben, und verwaist wirds deutsche Reich,
Spricht er, du, du bist mein Erbe, an so mancher Tugend reich;
Doch das deutsche Reich zu schirmen, deine Macht sie ist zu klein,
Wenn erfüllst du meine Bitte, wird ein Andrer König sein!

Heinrich, Sachsens stolzer Herzog, Otto des Erlauchten Sohn, 
Mächtig ist er, stark und edel, würdig für den Königsthron!
Ihm allein wird es gelingen, alte, lang verlorne Macht
Unsrem Vaterland zu bringen in dem Frieden, in der Schlacht!

Drum verzichte auf die Krone, die gebracht mir wenig Glück;
Auf den starken Sachsenherzog richte du wie ich den Blick!
Bringe selber Krone, Szepter Heinrich, Deutschlands stärkstem Mann,
Der zu neuem Glanz erheben Deutschland will und der es kann!

Schwöre du vor allen Fürsten huldigend den Eid der Treu,
Dann in altem Glanz wird blühen wieder deutsches Reich aufs Neu!
Eberhard gerührt gelobet, was der Bruder hat verlangt,
Konrad kann nun ruhig sterben, nicht mehr vor dem Tod ihn bangt.

Und mit dankbar treuer Liebe, drückt dem Bruder er die Hand,
Segnet ihn und seine Mannen, betet für das Vaterland!
Ruhig ist er eingeschlafen, Sterbend Segen er gebracht
Unsrem deutschen Vaterlande, das erblüht zu neuer Pracht;
Liegt in Weilburg still begraben, doch es wacht sein edler Geist,
Und das edle Werk, das hehre, Testament von Weilburg heißt!


Quelle:
"Weilburg in Geschichte, Sage und Lied"
Weilburg, Verlag von Carl Appel
1883

Die Abschrift erfolgte nach einem in der Bibliothek des Gymnasiums Philippinum Weilburg vorhandenen Druckexemplar.


Biografisches
Weilburg, Lahn, Carl Appel und Ehefrau

Carl Appel mit seiner Ehefrau
(Die Bilddatei stellte freundlicherweise Frau Hannelore Wagener zur Verfügung, wofür ich mich sehr bedanke)

Carl Appels Vater war der Amtsassessor und  Land-Oberschultheißerei-Verwalter
Georg Wilhelm Christian Appel, geb. am 11.02.1817 in Weilburg, gestorben am 08.08.1862 in Weilburg, zuletzt beim Amt in Weilburg tätig. 

Carl war ein Sohn aus dessen erster Ehe mit Henriette (Geburtsname Wißmann, geb. am 03.04.1823 in Gemünden bei Westerburg, verstorben am 02.12.1857 in Weilburg) und  wurde in Runkel am 12.03.1847 geboren. Von 1853 bis 1863 besuchte er das Gymnasium in Weilburg. Im Krieg 1870/71 war er Soldat. Am 01.01.1878 eröffnete Appel eine Buch- und Schreibwarenhandlung in der Neugasse 15 und betrieb dort auch einen Verlag. Carl Appel starb am 06.06.1906 in Weilburg.

Carl Appel veröffentlichte u. a.:

  • "Weilburg in Geschichte, Sage und Lied", Weilburg 1883,
  • "Glück auf", Weilburg 1884,
  • "Alldeutschland hie", Liederbuch, Weilburg 1886,
  • zahlreiche Gelegenheitsgedichte.

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Quellen:
Brümmer, Franz
Lexikon der deutschen Dichter und Prosaisten
vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart
6. Aufl. 1913
- "Lexikon zur Stadtgeschichte"
s. u. Quellenangaben
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Von Carls Bruder Ernst stammt das Gedicht "Mein Weilburg".