Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

Deutscher Fürstensinn

"Deutscher Fürstensinn"
(von A. Diefenbach)

Schwer darnieder lag auf Limburgs Schlosse *)
Konrad durch der tiefen Wunde Macht,
Welche jüngst von tödtlichem Geschosse
Er empfing in blutger Ungarnschlacht.
An dem Lager um den kranken Kaiser
Stand betrübet seiner Freunde Schaar;
Leiser schlug sein Puls und immer leiser,
Und nicht ferne mehr sein Ende war.

Thränen thauen aus des Kaisers Blicke,
Wie er denkt mit väterlichem Geist
An sein theures Volk und ans Geschicke,
Seines Reiches, das jetzt bald verwaist.
Ach! er fühlt auf seinem Sterbekissen
Schon im Geiste dessen Fahr und Noth,
Siehts durch innren Fürstenkampf zerrissen
Und von Ungarnhorden schwer bedroht.

Gegner war ihm ja im Sachsenlande,
Herzog Heinrich, groß in Sinn und That,
Er, der Schmuck vom deutschen Fürstenstande,
Der sich oft im Kampf bewähret hat!
Arnulph auch von Baiern, pflichtvergessen,
Sann auf Fehde, grollend Tag und Nacht;
Treulos und mit frevelndem Vermessen
Rief zu Hilf er selbst der Ungarn Macht!

Doch der Kaiser bei des Todes Nähe
Denkt nicht an die eigene Gefahr;
Nur des Reiches, des verwaisten, Wehe
Stellt sich ängstlich seinem Blicke dar.
Und des Volkes und des Königs Bande
Will er festen, eh sein Blut erstarrt,
Schicket Boten nach dem Frankenlande
Zu dem theuren Bruder Eberhard.

Und nach Limburg eilt, wie ihm verkündet, *)
Eberhard, der Frankenherzog, hin,
Wo er sterbend seinen Bruder findet,
Noch im Tod mit hohem Kaisersinn.
Seiner Ritter und der Fürsten Viele
Läßt er seinem Krankenlager nahn,
Und an seines Lebens ernstem Ziele
Hebt er sterbend zu dem Bruder an:

"Wohl, mein theurer Eberhard, gebieten
Ueber Städte wir und manches Heer;
Doch des Reiches Wohl und seinen Frieden,
Dieses, Bruder, schützen wir nicht mehr!
Ansehn, Macht und Glanz der Fürstenkrone
Fehlt dem edlen Stamm der Franken nicht;
Doch, die höchste Würde zu dem Throne,
Glück und Weisheit ists, was uns gebricht!

Nur der Sachse kann mein Volk beglücken,
Heinrich nur sein Herr und Kaiser sein;
Würdig wird nur ihn die Krone schmücken,
Ihm gebührt das Szepter jetzt allein!
Er nur kann des Reiches Zügel führen,
Welche Trotz und Willkür jetzt verhöhnt;
Heinrich soll und muß das Volk regieren,
Dessen Wohlfart stets mein Herz ersehnt!

Eberhard, so bring die heilge Lanze,
Schwert und Krone bringe zu ihm hin,
Und zu schönrem Glück und neuem Glanze
Wird mein Land, mein theures Volk erblühn!
Bruder, sorge du für unsre Franken,
Laß dein Szepter mild und weise sein;
Immer seis dein einziger Gedanken,
Dich der Liebe deines Volks zu freun!

Leb mit Heinrich stets im Bruderbunde,
Haß und Groll sei ewig dir verbannt;
Sag, daß Konrad in der Sterbestunde
Ihn zum Thronesfolger noch ernannt!
Bring ihm meinen Gruß und das Geschmeide,
Bring es ihm zu meiner Deutschen Wohl!
Eberhard, ich fühle, daß ich scheide,
Theurer Bruder, treues Volk, lebt wohl!"

Wie des Kaisers Mund das Wort gesprochen
Zu des deutschen Namens ewger Ehr,
Da war sterbend auch sein Blick gebrochen
Und sein Kaiserherz, es schlug nicht mehr.
Zu dem Herzog bringt, wie ihm entboten,
Eberhard das Krongeschmeide hin,
Löst den Auftrag von dem theuren Todten
Anspruchslos mit deutschem Biedersinn.

Und so lang im deutschen Vaterlande
Solcher Sinn und solche Tugend weilt,
Bleiben auch, vereint durch heilge Bande,
Deutsche Bürgerherzen ungetheilt.
Hoher Fürstensinn und Bürgertreue
Werden stets in heiligem Verein,
Wie sich auch des Welschen Grimm erneue,
Deutschen Namens schönstes Merkmal sein.


Quelle:
Nassau in seinen Sagen, Geschichten und Liedern fremder und eigner Dichtung
von Alois Henninger
Dritter Band
Die Lahn und der Westerwald
Wiesbaden
Druck und Verlag A. Scholz, 1845

Die Abschrift erfolgte nach einem bei der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt vorhandenen Druckexemplar.


*) Anmerkung:
Richtig muss es "Weilburg(s)" statt "Limburg(s)" heißen.

Biografisches

Leider konnte ich bisher keine biografischen Angaben ermitteln. Falls Sie solche Angaben machen können, würde ich mich über Ihre Nachricht freuen.