Literarisches Weilburg

König Konrad, Weilburger Testament

Deutsche Regentengröße

"Deutsche Regentengröße"
(von Georg Christian Braun)

Müde des dauernden Kampfs und den Tod im Gebeine schon fühlend,
Ruft an das Lager, dem nie kräftig er wieder entsteigt,
Conrad den Bruder, und spricht: (voll Kraft war das männliche Wort noch)
"Eberhard, was sich getrennt, füge versöhnend mein Tod.
Hasset den Sachsen der Franke, so sollen sie Brüder sich heißen;
Nur im festen Verein dauert Teutonia's Volk.
Ja dem Sterbenden klärt sich der Blick in die dunkele Ferne,
Das sind Zeiten des Fluchs, wo sich Verbrüdertes trennt.
Möge Teutonia nie gefallene Kinder betrauern,
Die ihr vom eigenen Haupt reißen den rühmlichen Kranz!
Nimm denn und bringe dem Feind, er verdienet sie, Scepter und Krone,
Denn dem Kräftigen nur ziemet der ehrende Schmuck.
Über der Ehre des Reichs, und Deutschlands heiligem Rechte
Wach' er mit Löwengewalt, und mit des Adelers Blick." -
Herzlicher Druck der verbrüderten Hand besiegelt die Treue,
Und mit geheitertem Blick leget sich Conrad zur Ruh.
Kron' und Scepter sogleich, das Bruderhände getragen,
Bringt dem geachteten Feind Eberhards feindliche Hand.
Legt sie ihm dar bey dem lauernden Garn, und schließet Versöhnung,
So mit der Krone zugleich beut er ihm Freundschaft und Herz.


Quelle:
Bilder der Natur und des Menschenlebens
von C. G. Braun
Wiesbaden bei Schellenberg
Hofbuchhändler und Hofbuchdrucker
(1821)

Die Abschrift erfolgte nach einem bei der Hessischen Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt vorhandenen Druckexemplar.


Biografisches

Georg Christian Braun wurde am 25.10.1785 in Weilburg geboren, er starb am 12.10.1834.  Der Großvater war Bildhauer. Braun war verheiratet mit Friederike Adelheid, geb Cichanski. 

Die Eltern von G. C. Braun waren früh verstorben waren und er wuchs unter Vormundschaft auf. Er besuchte das Gymnasium in Weilburg wo ein starkes Interesse für das klassische Altertum in ihm geweckt wurde, hingezogen fühlte er sich aber auch zu den bildenden Künsten.

Durch seinen Vormund wurde Braun jedoch zum Studium der Theologie veranlasst und so studierte er dieses Fach 1 1/2 Jahre in Gießen, nahm in dieser Zeit aber auch Unterricht bei einem Zeichenlehrer. Nach Gießen ging er nach Halle, von wo aus er Leipzig und Dresden besuchte. Braun kehrte dann nach Weilburg zurück und setzte dort seine theologischen Studien fort, schrieb und hielt Predigten.

Nach bestandener Prüfung wurde er als "Candidat der Theologie" aufgenommen. Braun ging aber bald darauf als Lehrer und Erzieher in das Haus Souchay nach Frankfurt, wo er in Kontakt mit Kunsthändlern, Kunstinteressierten und Künstlern kam.

Nach mehr als 3 Jahren kehrte Braun nach Weilburg zurück, wurde 1808 dann aber als Rektor an das Gymnasium Wetzlar berufen. Von dort ging er 1813  (lt. anderen Angaben 1814) als Professor für Rethorik an das Großherzogliche Gymnasium nach Mainz, wo er 19 Jahre tätig war.

Braun veröffentlichte u. a.:

  • "Mahomed's Tod, Trauerspiel in 5 Akten, Wetzlar 1810;
  • "Raphaels Leben und Werke", Wiesbaden 1815;
  • "Hermann der Cherusker", episches Gedicht, Mainz 1819;
  • "Leonardo da Vinci's Leben und Werke", Halle 1819;
  • "Die Religion der alten Deutschen" (für Schulen bearbeitet), Mainz 1819;
  • "Die Weisen von Hellas als Sänger, oder: Blumen griechischer Lyrik und Elegie", Mainz 1822;
  • "Der Tod des Phidias", Mainz 1827;
  • Band dramatische Werke: Die Troerinnen von Seneca; Nero, dramatisches Charaktergemälde in 5 Akten; Laokoon, Trauerspiel in 5 Akten; Mainz 1824.

Braun hatte von die Redaktion des "Kunstblatt des Vereins für Literatur und Kunst" in Mainz von 1826 - 1834 inne.Er war Autor von Aufsätzen und Vorträgen in den Annalen des Nassauer "Vereins für Geschichtsforschung und Alterthumskunde" und des "Vereins für Naturkunde", er schrieb Aufsätze, Kritiken, Gedichte über Kunst und Altertum für zahlreiche Kunstblätter, Zeitschriften und Almanache.

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Quellen:
Scriba, Heinrich Eduard
Biographisch-literarisches Lexikon
der Schriftsteller des Großherzogthums Nassau
1. Abt. 1831
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Brümmer, Franz
Deutsches Dichterlexikon
Nachtrag 1877
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Neuer Nekrolog der Deutschen
Jahrgang 12, 1834
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