Piseebau in Weilburg

Biografisches: Wilhelm Jakob Wimpf

Geboren wurde Wilhelm Jakob Wimpf in Weilburg am 25.10.1767 (andere Angabe: 15.11.1767) als Sohn des Regierungsrats und Kanzleidirektors Johann Matthias Wimpf (geb. 1715, gest. 1783) und Margarethe Wimpf, geb. Medicus (geb. 1731), eine Schwester von Wilhelm Ludwig Medicus der Regierungsdirektor bei der fürstlichen Regierung war und 1802 Wirklicher Geheimer Rat.

W. J. Wimpf besuchte das Gymnasium in Weilburg von 1782 bis 1784, studierte dann Jura an der Universität in Gießen und von 1787 bis 1788 in Göttingen. Nach seiner Rückkehr nach Weilburg richtete Wimpf am 10.09.1788 ein Gesuch an Fürst Friedrich Wilhelm. Darin bat er die Prüfung als Advokat ablegen zu dürfen und nach der Prüfung als solcher zu arbeiten. Fürst Friedrich Wilhelm gab am 09.03.1789 dem Gesuch statt und am 06.06.1789 wurde Wimpf auf das Amt eines Regierungsadvokaten verpflichtet. Trotz Förderung durch den damaligen Geheimrat von Gagern und erfolgreich bewältigter Aufgaben legte Wimpf 1792 sein Amt nieder. Als Grund führte er in einem Schreiben an von Gagern an, dass ihm sein Amt nicht die gewünschte Zufriedenheit verschaffe, er von jeher den Wunsch habe seine Neigung für Kunst und Technik zu befriedigen und er durch Zufall über die Mittel verfüge sich in der Weilburger Papiermühle ein Betätigungsfeld nach seinem Wunsch zu verschaffen.

Diese Papiermühle war an der Guntersau gelegen (Weilstraße in der Nähe der Weilmündung, Richtung Freienfels) und 1768 erbaut worden. Wimpf beabsichtigte den Kauf der Papiermühle, was ihm aber vorerst nicht glückte, so dass er die Mühle 1799 nur in Erbpacht übernehmen konnte. Das zum Zeitpunkt seiner Übernahme keineswegs florierende Unternehmen wurde von Wimpf jedoch erfolgreich ausgebaut und vergrößert. Im Laufe der Folgejahre erwarb Wimpf weiteres Gelände an der Guntersau und als die Papiermühle 1832 schließlich doch auch in sein Eigentum überging, war Wimpf Besitzer eines umfangreichen Fabrikgeländes. Zu seinen dort vorhandenen Betrieben gehörten auch eine Steingutfabrik, eine Mahl-, Walk- und Farbmühle, eine Branntweinbrennerei und eine Steindruckerei. Außerdem ließ Wimpf Äcker, Gärten und einen Weinberg bewirtschaften. Wimpf war auch Eigentümer der Ölmühle in Ahausen, wo er auch die Prüfung als Müller ablegte um in die Müllerzunft aufgenommen zu werden, er war Erbbeständer der Löhnberger Mühle, betrieb in der Gemarkung Mengerskirchen die Tongrube Wimpsfeld und war Mitbesitzer von Braunkohlen- und Eisensteingruben.

Hier ist auch anzumerken, dass Wimpf sein technisches und ökonomisches Wissen und Geschick sehr wohl mit seiner juristischen Schulung und Sachverstand zu verbinden wusste. Durch weiteren Landerwerb auf der Guntersau und vor allem in Verbindung mit seiner regen Bautätigkeit und Betriebserweiterung verstand es Wimpf sein Eigentum so geschickt mit dem zur Erbpacht gehörenden Bereichen zu verbinden, dass der Regierung letztlich nichts anderes übrig blieb, als den Erbpachtbestand an Wimpf zu verkaufen.  Alles war so sehr miteinander verwoben und verbaut worden, dass eine Trennung nur unter erheblichem Schaden (und langwierigen juristischen Auseinandersetzungen) möglich gewesen wäre.

Wann Wimpf mit der Errichtung von Piseebauten begann ist nicht genau feststellbar. Es besteht aber kein Zweifel daran, dass sein Hinweis Aus 36jähriger eigener Erfahrung geschöpft, der auf dem Titel seiner im Jahr 1836 veröffentlichten Schrift über den Piseebau angebracht war, zu Recht erfolgte. So wird bereits in einem Schreiben vom 15.03.1807 der Regierung an die Stadt Weilburg Bezug genommen auf einen Piseebau von Wimpf (. . . bereits bei seiner Mühle im Weilthal erbauten Pisébau) und am 03.06.1812 berichtete der Amtmann von Montabaur an die Herzogliche Regierung, dass er einen Zimmermann aus seinem Amtsbezirk . . . nach Idstein geschickt, wo unter der Leitung des H. Wimpf ein großes herrschaftliches Oeconomiegebäude in Pisé ausgeführt wird.

Da es sich bei diesem Bauvorhaben um ein Gebäude auf dem Gassenbacher Hof handelte, der das Landwirtschaftliche Institut des Herzogtums mit einer Musterwirtschaft beherbergte, hatte Wimpf zu diesem Zeitpunkt bereits eine Schlüsselrolle bei den Piseebauten im Nassauer Land inne, wäre er sonst doch wohl kaum mit dieser Aufgabe betraut worden.

Von seinem Fabrikgelände auf der Guntersau ist durch einen Brandkatastereintrag vom 31.12.1840 bekannt, dass Wimpf dort mindestens elf Gebäude in Piseebauweise errichtete. Als Erbbeständer der Löhnberger Mühle geht sicher auch der Bau der Häuser in der Weilburger Straße 1 und der Obertorstraße 6 in Löhnberg auf Wimpf zurück. Ersteres war Wohnung des Direktors der Löhnberger Mühle und beherbergte auch Büroräume, das Haus im Obertorweg gehörte einem Bäcker der zur Mühle in Geschäftsbeziehungen stand.

Viele der Weilburger Piseebauten wurden zwar erst nach dem Tod von W. J. Wimpf errichtet, dass die Piseebauweise in Weilburg und im ganzen Nassauer Land aber überhaupt entsprechende Beachtung erfuhr, ist ohne ihren Weilburger Initiator kaum denkbar.

Wilhelm Jakob Wimpf starb am 11.04.1839 in Weilburg.