Sehenswert in Weilburg

Straßen, Gassen, Häuser

Bahnhofsgebäude

Weilburg; Bahnhofsgebäude in Weilburg, Straßenseite

Empfangsgebäude des Weilburger Bahnhofs, Straßenseite

Die Lahntalbahn zwischen Oberlahnstein und Wetzlar wurde abschnittsweise eröffnet. Die erste Teilstrecke bis Bad Ems wurde 1858 in Betrieb genommen, kurz darauf jedoch durch einen Erdrutsch verschüttet. Am 09. Juli 1860 konnte der Abschnitt Oberlahnstein-Nassau befahren werden, am 05. Juli 1862 die Strecke bis Limburg. Die Streckeneinweihung bis Weilburg erfolgte am 14. Oktober 1862 und Wetzlar wurde am 10. Januar 1863 erreicht.

Fassadendetails am Bahnhof Weilburg

Fassadendetails am Bahnhof Weilburg

Für die Streckenplanung war der Limburger Moritz Hilf verantwortlich. Zuständig für die Architektenarbeiten an der Lahntalbahn war Heinrich Velde (geb. 29. Mai 1927 in Diez, gest. 16. April 1905). Der als Architekt und Baubeamter der staatlichen Eisenbahnverwaltung tätige Velde entwickelte für die Bahnhöfe und Haltepunkte an der Lahnstrecke unterschiedlich große Gebäudetypen für kleine, mittlere und größere Empfangsgebäude.

Das Weilburger Bahnhofsgebäude wurde 1862 vollendet und entspricht dem des kurz zuvor in Diez fertiggestellten Bahnhofsbau. Zwischen zwei höheren Kopfbauten mit doppelgeschossigen Giebeln befindet sich ein Traufentrakt mit einer vorgelagerten Pultdachhalle, die nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg vereinfacht wiederhergestellt wurde. Die beiden Giebelbauten zeigen umlaufende Schmuckfriese, zusätzlich werden die stadtseitigen Giebel von jeweils zwei runden Bildwerken mit seriell gefertigten weiblichen Büsten geschmückt. Die Gebäudegliederung erfolgt mit zum Putzbau kontrastierendem Werkstein.

Pultdachhalle am Diezer Bahnhof.

Pultdachhalle am Diezer Bahnhof.
Eine gleichartige Pultdachhalle am Weilburger Bahnhofsgebäude wurde durch Kriegseinwirkung zerstört.

Am 04.02.1946 kam der erste von 295 geschlossenen Eisenbahntransporten am Weilburger Bahnhof an, der Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Hessen brachte.

Heinrich Velde wird in der Literatur überwiegend als Architekt der Bahngebäude genannt, u. a. auch in
Lehmann, Falko (1994): Landkreis Limburg-Weilburg II
Mengerskirchen bis Weinbach. Kulturdenkmäler in Hessen.
Braunschweig: Vieweg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, 2).

Angezweifelt wird die Urheberschaft Heinrich Veldes bei
Rüsch, Eckart (1985): Die frühen Empfangsgebäude an den Strecken der ehemaligen Nassauischen Eisenbahn. Versuch einer baugeschichtlichen Rekonstruktion. Baugeschichts-Hausübung. Fachhochschule, Darmstadt. Fachbereich Architektur.

Das Weilburger Bahnhofsgebäude unterliegt zusammen mit den betriebstechnischen Einrichtungen der Lahntalbahn im hessischen Streckenabschnitt seit Ende der 1980er Jahre den Bestimmungen des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. Für den Erhalt zahlreicher betriebstechnischer Einrichtungen des Weilburger Bahnhofs kam das Gesetz allerdings zu spät. Ein Großteil dieser Einrichtungen (z. B. Lokschuppen, Drehscheibe, Güterschuppen, Übernachtungshaus, Wasserturm) war zum Zeitpunkt als das Gesetz in Kraft trat bereits demontiert. Das Bahnhofsgebäude konnte erhalten werden, da sich die Stadt Weilburg in die Sanierung und Nutzung des Baus eingebracht hat und diesen dann an einen Investor verkaufte. Im Bahnhofsgebäude ist heute ein Hotelbetrieb mit Restaurant untergebracht, dazu ein Kiosk und die Mobilitätszentrale.

Einen Text zur Geschichte der Lahntalbahn, verfasst aus Anlass des 150. Jahrestags ihrer Ankunft in Weilburg, finden Sie unter nachstehendem Link in dieser Homepage im Abschnitt "Geschichtliches": "Sei uns gegrüßt, du Wunderbild ..."

Weilburg; Bahnhofsgebäude in Weilburg, Bahnseite

Weilburg; Bahnhofsgebäude in Weilburg, Bahnseite