Sehenswert in Weilburg

Weilburger Denkmäler

Gedenktafel für vertriebene und ermordete jüdische Weilburger

Weilburg, Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs, 2011

Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs

Zum Gedenken an vertriebene und ermordete jüdische Weilburger wurde im Rahmen einer Gedenkfeier am Holocaust-Gedenktag 2011 (27. Januar) eine an der Südseite der Stadt- und Schlosskirche aufgestellte Tafel  enthüllt. Auf vierundvierzig unterschiedlich gestalteten Tontafeln wird an Jüdinnen und Juden erinnert, die während der nationalsozialistischen Herrschaft aus Weilburg vertrieben oder deportiert worden sind, in Lagern ermordet wurden oder sich selbst das Leben nahmen. Ein kurzer Text informiert über die Geschichte der Juden in Weilburg.

Einhundertfünfzehn Namen werden genannt, Einzelpersonen, Ehepaare, Familien. Zu  den Namen sind manchmal nur die Geburtsdaten vermerkt, manchmal das Auswanderungsland und das Jahr. Auf anderen Tafeln konnte den Namen nur die Angabe "deportiert" oder die des Konzentrationslagers angefügt werden. Und auf manchen Tafeln sind es allein die Namen, mit denen an die Verbrechen in dieser Zeit erinnert wird.

Die Tafeln wurden im Rahmen einer Projektarbeit der Geschichtslehrerin Frau Klaas von Schülerinnen und Schülern der Klasse 9b des Gymnasiums Philippinum geschaffen. Gefördert wurde die Arbeit von der Evangelischen Kirchengemeinde Weilburg, bei den Tonarbeiten war Frau Liske Beraterin. Die Namen und Daten der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern sind Herrn Warlies zu verdanken, der sich seit Jahren entsprechenden Nachforschungen widmet und diese dokumentiert.

Die 2011 enthüllte Gedenktafel wurde als Ersatz für eine ähnliche Erinnerungstafel geschaffen, die 1988 an der Stadt- und Schlosskirche angebracht worden war. Die damals geschaffenen Tontafeln waren durch Witterungseinflüsse so beschädigt worden, dass sie 2010 abgenommen werden mussten. Zu dieser Erinnerungstafel s. nachstehendes Foto und den Text.

Neben der Gedenktafel für vertriebene und ermordete Juden aus Weilburg an der Stadt- und Schlosskirche existiert noch eine Erinnerungstafel auf dem jüdischen  Friedhof und eine Hinweistafel am Haus Bogengasse 2, wo sich bis 1938 die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Weilburg befand. Es existieren noch keine Erinnerungstafeln an den Häusern, in denen Juden bis zu ihrer Vertreibung oder Deportation in Weilburg wohnten.

Weilburg, Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs

Die 1988 geschaffene Gedenktafel für die vertriebenen und ermordeten jüdischen Bürger Weilburgs

Die oben abgebildete Tafel zum Gedenken an vertriebene und ermordete jüdische Bürger aus Weilburg wurde 1988 geschaffen und befand sich bis 2010 an der Südfassade der Weilburger Stadt- und Schlosskirche. 48 verschiedenfarbige Tontafeln waren auf der Unterlage eingelassen und auf 45 dieser Tontafeln waren Namen und Daten von Jüdinnen und Juden eingraviert, die zwischen 1933 und 1940 aus Weilburg vertrieben oder deportiert wurden oder ermordet worden sind. Drei Tafeln aus weißem Ton trugen die nachstehende Inschrift, dazu einen siebenarmigen Leuchter und einen Davidstern.

JÜDISCHE MITBÜRGERINNEN UND MITBÜRGER
1933-1940
Sie mußten auswandern,
sie wurden deportiert oder wählten den
Freitod. Einige starben außerhalb.
Das Schicksal mancher ist unbekannt.
  

Die Tontafeln waren abwechselnd aus rotbraunem und weißem Ton geformt, in den die Namen und Daten eingeritzt wurden. Die einzelnen Tontafeln wurden in eine Unterlage eingebettet und so zu einer Gedenktafel verbunden. Die Tafeln waren das Ergebnis einer Initiative der Heinrich-von-Gagern-Schule, ihrer Schüler und der Evangelischen und Katholischen Kirchengemeinde Weilburg. Geschaffen wurden die Tontafeln von einer Jugendgruppe während einer Wochenendfreizeit mit der damaligen katholischen Pastoralreferentin Bernadette Ackva. Bei den Namen und Daten konnte auf Angaben von Herrn Warlies zurückgegriffen werden, die dieser im Rahmen seiner Nachforschungen zur Geschichte der in Weilburg lebenden Juden festgestellt hatte. Unmittelbarer Anlass war der ökumenische Gottesdienst am Buß- und Bettag 1988, der in Erinnerung an die Reichspogromnacht im Jahr 1938 stattfand.