Sehenswert in Weilburg

Weilburger Denkmäler

König-Konrad-Denkmal (Villmar)

Weilburg, König Konrad-Denkmal auf der Bodensteiner Lei bei Villmar

Denkmal für König Konrad I. auf der Bodensteiner Lei (Konradfelsen) zwischen Villmar und Runkel

Dieses an König Konrad I. erinnernde Denkmal befindet sich nicht in Weilburg, sondern auf dem Bodenstein (Bodensteiner Lei), einem fast senkrecht zur Lahn abfallenden Felsen, über den die Straße von Villmar nach Runkel führt. Es ist demnach kein "Weilburger" Denkmal, soll hier aber doch erwähnt werden wegen der Person König Konrads I. und der ursprünglichen Planungen für den Standplatz dieses Denkmals. In Weilburg gibt es seit Juni 2005 ein König-Konrad-Denkmal.

Konrad der Jüngere wurde (in Weilburg?) um 880/885 geboren. Im Jahr 906 bestattete er in Weilburg seinen Vater, Konrad den Älteren. In Forchheim wurde Konrad der Jüngere im Jahr 911 zum König der Ostfranken gewählt und seither in der Geschichtsschreibung als erster deutscher König angesehen. Bei seinem Tod in Weilburg am 23.12.918 veranlasste er mit dem "Weilburger Testament" seinen Bruder Eberhard  zum Thronverzicht und die Übergabe der Königsinsignien an den Sachsenherzog Heinrich.

Auf dem Denkmalsockel des 1894 aufgestellten Denkmals ist folgende Inschrift zu lesen:

Conrad I. 911 - 918
Deutscher König und Graf
des Lahngaues übertrug in treuer Sorge
für des Reiches Sicherheit und Macht
sterbend Heinrich von Sachsen
Krone und Herrschaft

Auf der Rückseite ist eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht:

Errichtet auf Anregung
des um den Oberlahnkreis
hochverdienten Landrats
Ludwig Bindewald
nach dessen Tode
von seinen Freunden 1894

Initiator für die Errichtung eines Konrad-Denkmals war Ludwig Bindewald, seit dem 01. Januar 1889 Landrat des Oberlahnkreises. Er stand in Verbindung mit dem, in Berlin lebenden und aus Bad Kreuznach stammenden, Bildhauer Ludwig Cauer, der auch schon andere Denkmäler geschaffen hatte, für Weilburg z. B. das Herzog-Adolph-Denkmal im Schlossgarten. Cauer stand dem Vorhaben positiv gegenüber und war bereit, bei geschätzten Kosten von 10.000 Mark, auf die Atelierkosten zu verzichten. Fünf Meter hoch sollte das Denkmal werden, der Hintergrund am vorgesehenen Standplatz wurde als wirkungsvoll angesehen, der Blick darauf von allen Seiten als großartig empfunden, Sterne im Baedecker, eine Bereicherung des Fremdenverkehrs und ein Anziehungspunkt für das Publikum von Frankfurt bis Bad Ems wurden erwartet. Seinen Standplatz finden sollte das Denkmal auf dem Landtor.

Dazu gründete sich der "König-Konrad-Denkmal-Verein", in dessen Vorstand und als Mitglieder prominente Persönlichkeiten tätig waren. Um die notwendigen Gelder zu erhalten gingen Sammellisten um, und Cauer fertigte ein Modell an, das im Saalbau gegen 20 Pfennig zu besichtigen war; die Einnahmen flossen dem Denkmalfonds zu. Das Modell war auch auf der Gewerbe- und Kunstausstellung in Koblenz zu sehen. So schien alles auf dem besten Weg zur Errichtung des geplanten Denkmals.

Mit heftiger Kritik an dem Vorhaben trat dann aber im September 1891 der Weilburger Justizrat Daniel Rath in einem Flugblatt an die Öffentlichkeit. Seine überwiegend historisch begründete Ablehnung fand ihren Höhepunkt in der Aussage, dass Konrad gar kein Denkmal verdiene, weil dieser mit seiner Reichsführung gescheitert sei.

Ihm erwiderte Heinrich Matzat, Direktor der Landwirtschaftsschule, dass die Bedeutung von Konrad I. weniger in dessen Regierung als vielmehr im Verzicht seines Hauses auf die Thronfolge und dem daraus folgenden Geschichtsverlauf liege.

Weilburg, König Konrad-Denkmal auf der Bodensteiner Lei bei Villmar

Denkmal für König Konrad I. auf der Bodensteiner Lei (Konradfelsen) zwischen Villmar und Runkel

Es wurden weitere Argumente ausgetauscht und in seinem letzten Flugblatt (18.01.1892) wandte sich Rath dann besonders gegen den Standort auf dem Landtor. Dazu richtete er am 25.01.1892 auch ein Schreiben an den Weilburger Gemeinderat, dem er die Übersetzung der lateinisch abgefassten Urkunde beifügte, die bei der Grundsteinlegung des Landtors am 17.09.1759 eingemauert worden war. Dabei wies Rath darauf hin, dass das Landtor selbst ein Denkmal an Fürst Carl von Nassau-Weilburg sei und nicht zum Träger eines anderen Denkmals werden dürfe.

Diesem Standpunkt schloss sich der Gemeinderat an und Bürgermeister Schaum teilte dies Landrat Bindewald mit, dazu auch die Anmerkung, dass sich ein anderer geeigneter Standort bei Weilburg wohl finden lasse.

So wurde der Plan zur Denkmalerrichtung weiter verfolgt, Gelder gesammelt und Veranstaltungen durchgeführt, wobei vor allem der Gesangverein "Liederkranz" eine Rolle spielte. Trotzdem ging es mit dem Projekt nicht recht voran und schließlich erkrankte auch dessen Initiator Landrat Bindewald schwer und verstarb am 19.06.1893 an den Folgen eines Schlaganfalls.

In Weilburg muss das Vorhaben immer mehr an Unterstützung und Befürwortern verloren haben. Und doch kam es am 10. Juni 1894 zur Denkmalenthüllung, allerdings nicht in Weilburg, sondern auf dem Bodenstein bei Villmar.

Die Errichtung des König-Konrad-Denkmals bei Villmar ist sicherlich vorrangig dem Einsatz des Villmarer Dekans Johannes Ibach zu verdanken. Ibach war von Beginn an aktiv im Denkmal-Verein tätig und wurde später Leiter des Komitees. Dazu war Ibach weit über seine Gemeinde hinaus bekannt und verfügte über gute Verbindungen. In seiner Zeit als Domvikar und Ordinariatssekretär in Limburg hatte er den Aufbau der beiden Südtürme am Dom veranlasst, er war als Schriftsteller tätig und als preußischer Zentrumsabgeordneter.

Die Denkmalenthüllung erfolgte mit einer großen Feier an der alle Villmarer und Runkeler Vereine teilnahmen, ebenso wie namhafte Gäste. Weilburg dagegen war nur durch eine Kapelle der Unteroffiziersvorschule vertreten. Acht Tage später aber unternahm der Weilburger "Liederkranz" mit 60 Personen einen Ausflug zum Konrad-Denkmal, dessen Errichtung in Weilburg dieser Gesangverein so tatkräftig unterstützt hatte.

Mit der Denkmaleinweihung hatte auch die großzügige Geldspende des Landrats Bindewald, dieser hatte 5.000 Mark von etwa 7.000 Mark Gesamtkosten gespendet, noch ihre Verwendung gefunden. Die Statue König Konrads ist 2,32 m hoch, aus belgischem Sandstein gefertigt und steht auf einem etwa 2 m hohen Sockel aus Lahnmarmor. Das Denkmal war ursprünglich von einem schmiedeeisernen Gitter umgeben. Die in der linken Hand gehaltene Krone wurde schon mehrmals entwendet, wobei auch die haltende Hand beschädigt wurde. Auch zurzeit fehlt die Hand mit der Krone.   

Wenn heute auch die Wahl des Denkmalstandorts bei Villmar ungewöhnlich erscheinen mag, so ist der Platz doch auch historisch berechtigt; da der bis in das Jahr 1053 existierenden Königshof "Vilimar" der Herrschaft König Konrads I. unterstand.

Der Weilburger Christian Fernau schrieb zur Denkmaleinweihung ein Gedicht und der Villmarer P. J. Schneider einen Liedtext. Beide finden Sie in dieser Website über die Auswahlseite der Dichtungen zum "Weilburger Testament".


Quellenangaben:
"Der König sollte aufs Landtor"
Dr. Heinrich Schwing
veröffentlicht in "Heimat an Lahn und Dill"
1. Auflage, Band I
Wetzlardruck GmbH, Wetzlar (Zeitungsgruppe Lahn-Dill), 1979

"1867 1990 Limburg - Weilburg Eine Chronik des Kreises in Bildern"
Kreisausschuß des Landkreises Limburg-Weilburg
Wetzlardruck GmbH, Wetzlar, 1990