Sehenswert in Weilburg

Straßen, Gassen, Häuser

Frankfurter Straße 13 (Palais von Dungern)

Weilburg, Frankfurter Straße 13

Frankfurter Straße 13, das ehemalige Palais von Dungern

Das ehemalige Palais von Dungern, errichtet 1822,  bestand aus dem dreistöckigen Hauptgebäude und zwei kleineren Giebelbauten, die nach einem Lageplan von 1837 ursprünglich offen gruppiert waren. Die Verlängerung der Seitenbauten nach hinten und die Glasüberdachung der rechten Durchfahrt erfolgte 1858 und in den Folgejahren. Im Gebäude befinden sich mehrere Räume mit Stuckdecken und eine Treppe aus dem Jahr 1858.

Der nachfolgende Text zur Geschichte des Hauses Frankfurter Straße 13, wurde freundlicherweise vom Verfasser, Herrn Willi Löhr, Weilburg, zur Verfügung gestellt. Mit Ausnahme geringfügiger redaktioneller Änderungen ist der Text unverändert wiedergegeben (Sachstand 1995).

Um 1800 war die Einwohnerzahl Weilburgs auf fast 2.000 gewachsen, für die der Wohnraum in dem von der Lahn umflossenen Stadtgebiet zwischen der Steinernen Brücke und dem Landtor zu eng wurde. 1815 beschloss die Landesregierung an der damals Braunfelser oder Wetzlarer Chaussee genannten Frankfurter Straße eine "Neue Vorstadt" (im Gegensatz zu der von Johann Ernst gebauten Vorstadt zwischen Marktstraße und Landtor) zu bauen. Das Gelände links und rechts der Straßen bis hinauf zum heutigen Lindenhof (Hotel "Stadt Weilburg") wurde angekauft und in Bauplätze gleicher Größe aufgeteilt. Diese wurden nebst einer beträchtlichen finanziellen Unterstützung und dem Versprechen zehnjähriger Steuerfreiheit bauwilligen Bürgern zur Verfügung gestellt. Diese mussten sich verpflichten, dort dreistöckige Häuser nach den Plänen der Regierung zu errichten. Im Erdgeschoss sollten sie selbst wohnen und ihr Handwerk betreiben, die beiden oberen Stockwerke sollten sie an Offiziere und Beamte vermieten. Zwischen 1816 und 1820 wurden damals die Häuser Frankfurter Straße 2, 4, 6 und 8 (heute katholische Kirche) sowie 1, 11, 15 (1881 abgerissen und durch das jetzige Pfarrhaus ersetzt), 21 und 23 errichtet. Die Aufsicht über dieses "Bauwesen" wurde dem in anderen Sonderaufgaben schon erprobten Oberstallmeister von Dungern übertragen.

Weilburg, Frankfurter Straße 13, Durchfahrt

Frankfurter Straße 13, die glasüberdachte Durchfahrt

Zwei der Bauplätze oberhalb des jetzigen Hauses Nr. 11 waren für den Bau einer katholischen Kirche bestimmt, da der ursprüngliche Plan, das bisherige Zuchthaus am Landtor für die Katholiken als Kirche auszubauen, zunächst scheiterte; das Gebäude wurde als Kaserne benötigt. 1820 wurde das Militär in die ausgebaute ehemalige Münze an der Lahn (Hainkaserne) verlegt, und man kehrte zu dem ehemaligen Plan zurück, zumal der Bauplatz, an der Frankfurter Straße den Katholiken zu weit von der Stadt entfernt war: sie wollten keine "Wallfahrtskirche" haben. Die beiden bisher für den Kirchenneubau bestimmten Bauplätze, an denen man schon angefangen hatte zu arbeiten, fanden keinen Abnehmer. Da entschied sich der Oberstallmeister von Dungern, sie zu kaufen und hier ein Heim für seine große Familie (er hatte noch 10 von ursprünglich 13 Kindern) zu bauen.

Die Tatsache ist erstaunlich, da seit 1816 der Hof und die Regierung nicht mehr in Weilburg, sondern in Biebrich bzw. Wiesbaden waren. Dungern wurde bis zu seiner Pensionierung 1830 zum Pendler.

Die Baupläne und Bauaufsicht lagen in den Händen des Baudirektor Schrumpf, während die Park- und Gartenanlagen von dem berühmten Gartenarchitekten Friedrich Ludwig von Sckell gestaltet wurden.

Die Originalbaupläne sind nicht mehr vorhanden. Der Mittelbau des Dungern'schen Palais ähnelt dem ehemaligen Jagdschloss Platte, das ebenfalls von Schrumpf entworfen wurde. Die Abrechnung mit den Handwerkern übernahm die Stadtverwaltung. Die Baukosten betrugen etwa 40.000 Gulden, zu denen später noch etwa 20.000 für die Außenanlagen kamen. Die ursprüngliche Anlage bestand aus dem Mittelbau und zwei getrennt stehenden Seitengebäuden. Die Verbindung mit dem Hauptbau wurde wahrscheinlich erst nach 1858 hergestellt, als Wilhelm von Dungern das Haus übernahm. Die Anbauten nach hinten erfolgten später zu verschiedenen Zeiten, ebenso der Bau der Wirtschaftsgebäude am Schmittbachweg. Im Park hinter dem Hauptgebäude war ein Springbrunnen mit achteckigem Becken, der von einer Wasserleitung gespeist wurde, die aus der Reuschenbach kam und auch die Gärtnerei auf der anderen Straßenseite, den Laufbrunnen unterhalb des jetzigen Hauses Dr. Norwig (Frankfurter Straße 10) und einen Brunnen in der Vorstadt mit Wasser versorgte.

Das Dungern'sche Palais war bis zum Tod des Oberstallmeisters 1858 Mittelpunkt und manchmal auch Zufluchtsort der großen Familie. 1858 wurden nicht weniger als dreißig komplette Betten versteigert. Die ständigen Bewohner nach Aussage der Hausliste von 1846 waren dreizehn. Als später Wilhelm von Dungern und seine Frau das Haus übernahmen, waren es 1874 noch neun, nach seinem Tod acht. Das blieb so, bis zum Tod der Baronin 1898. Erwähnt sei noch, dass Wilhelm von Dungern und seine Frau nur in den Wintermonaten in Weilburg wohnten, im Sommer aber in dem von Wilhelm 1843 gekauften und instand gesetzten Schloss Dehrn.

1898, nach dem Tod der Baronin Friederike von Dungern, zog ihr Enkel Hermann Wilhelm von Dungern nach Weilburg. Bis 1903 wurden hier noch einmal drei Kinder der Familie von Dungern geboren. 1904 zog Hermann von Dungern aber von Weilburg nach seinem Gut Oberschwapbach in Franken. 1905 und 1906 verkaufte er einen Teil des Grundbesitzes. 1922 erfolgte der Ausverkauf des Restes, da Hermann von Dungern in den Konkurs seines Bruders Otto Wilhelm auf Dehrn wegen verfehlter Spekulationen hineingezogen wurde. Neuer Besitzer des Gebäudes samt Park wurde der Offiziers-Verein des Rheinischen Infanterieregiments Nr. 30 "Graf Werder", der seinerseits das Anwesen am 29.8.1936 an den Bezirksverband des Regierungsbezirks Wiesbaden weiterverkaufte, dessen Rechtsnachfolger das Land Hessen ist.

Zusatz: Nach dem Wegzug Hermann von Dungerns mietete Prinz Ludwig von Solms-Lich das Haupthaus, um seinen drei Söhnen den Besuch des Weilburger Gymnasium zu erleichtern. Ab 1910 war die Neuwieder Industriellen-Familie Remy Mieter. Im Erdgeschoss war 1912/13 das für den Bau der Unteroffiziers-Vorschule zuständige Heeresbauamt untergebracht. Das Haus hat, auch in den Seitengebäuden, eine große Anzahl Mieter gesehen. Leider fehlen für die Jahrzehnte zwischen 1890 und dem Ende des 1. Weltkrieges die sog. Hauslisten, so dass die Nutzung nicht genau festzustellen ist. Während des 1. Weltkrieges wurden Teile des Hauses als Lazarett genutzt, während des Rückzuges 1918/19 waren hier häufig Stäbe der durchziehenden Truppen untergebracht.