Sehenswert in Weilburg

Straßen, Gassen, Häuser

Alte Kaserne (Hainkaserne), Im Bangert

Weilburg, Lahn, Hainkaserne, Unteroffiziersvorschule ab 1835

Unteroffiziers-Vorschule Hainkaserne ab 1835, noch ohne die beiden Seitentürme
(Abb. aus "Als Weilburg noch Garnison war", von Horst Scheibert, Weilburg 1995)

Die Straße "Im Bangert" führt vom Mühlberg/von der Weilstraße am Fuß des Bergkegels durch die Lahnaue zur Hainkaserne und von dort als Hainalle weiter zur Kettenbrücke (Ernst-Dienstbach-Steg) und auf die halbe  Höhe der Niedergasse.

Die Hainkaserne wurde im Jahr 1690 unter Graf Johann Ernst als Münzstätte errichtet. Die älteste bekannte Urkunde, mit welcher der Grafschaft Nassau-Weilburg das Recht zum Prägen von Münzen verliehen wurde, stammt vom 08.08.1329. Außerdem bestand ein Entscheid des Speyerer Reichstags von 1570, aufgrund dessen die Reichsstände eigene Münzstätten betreiben durften, die eigene Gold- oder Silberbergwerke besaßen. Silberbergwerke gehörten der Grafschaft Weilburg in Mehlbach bei Rohnstadt und Hohenstein bei Weilmünster.

Weilburg, Lahn, Unteroffiziers-Vorschule, Hainkaserne, ab 1877

Unteroffiziers-Vorschule Hainkaserne ab 1877
(Abb. aus Lexikon der Stadt Weilburg, s. a. Quellenangaben)

Die später als Hainkaserne bezeichnete Münzstätte wurde ursprünglich als zweistöckiges Gebäude errichtet und war mit feuerfesten Gewölben ausgestattet.

Geprägt wurden in dieser Münzstätte jedoch nur wenige Reichstaler mit dem Bildnis und Wappen von Graf Johann Ernst die wahrscheinlich eher eine Alibifunktion erfüllten. Hauptsächlicher Zweck der Münze war vermutlich weit mehr die Nachprägung auswärtiger Münzen, vorwiegend brandenburgische und sayn-wittgensteinische Gulden. Mehrere an diesen Münzfälschungen Beteiligte wurden verhaftet und auch Johann Ernst wurde mehrmals durch Münzinquisitionskommissionen vorgeladen und Münzfälscherei nachgewiesen. Seinem Ansehen tat die Falschmünzerei keinen Abbruch, wie die von Johann Ernst bekleideten Ämter beweisen (u. a. Feldmarschall der Reichsarmee, kurpfälzischer Geheimrat, Großhofmeister, Kommandeur der oberrheinischen Kreistruppen).

Unter Karl August (1719 - 1753), geb. 17.09.1685, gest. 09.11.1753 erfolgte 1749 ein Ausbau der Münzstätte und die Münzprägung wurde fortgeführt. Die Münzprägung in Weilburg endete mit dem Tode von Fürst Karl August.

Sie finden unter diesem Link einen Aufsatz zur Münzprägung und Münzstätte in Weilburg.

Weilburg, Lahn, Hainkaserne

Hainkaserne (Alte Kaserne)

Später wurde das Münzgebäude u. a. durch die erste Weilburger Steingutfabrik (Johann Keilhauer, 1797) genutzt, die jedoch 1806 ihre Fabrikation einstellte. 1809 informierte Wilhelm Jakob Wimpf die Stadt von seiner Absicht die Steingutfabrikation wieder aufleben zu lassen und errichtete dazu ein neues Gebäude in der Guntersau.

Seit dem 20. Mai 1809 war die alte Münzstätte von der Regierung der Stadt Weilburg überlassen worden. 

1816 wurde das nach dem 2. Pariser Frieden in Wiesbaden stationierte 1. Nassauische Infanterieregiment verlegt, wobei dessen Stab und 1. Bataillon nach Weilburg kamen. Stab und Regimentsmusik wurden vorerst im "Lindenhof" an der Frankfurter Straße untergebracht, das Bataillon in der alten Münzstätte, während der Baumaßnahmen auch im ehemaligen Zuchthaus am Landtor. Die ehemalige Münze konnte erst 1819 vollständig von anderen Nutzungen freigemacht und dann mit dem Umbau zur Kaserne begonnen werden. 1820 wurde das jetzt als Hainkaserne bezeichnete Gebäude vom 1. Bataillon des 1. Regiments endgültig bezogen.

Wahrscheinlich im Zusammenhang mit der geplanten Verlegung auch des 3. Bataillons des 1. Regiments - das 1833 nach Weilburg verlegt wurde - erfolgte eine Aufstockung des Gebäudes, wobei das (oberste) 4. Stockwerk erst 1835 fertig gestellt wurde.

Weilburg, Büste der Athene

Büste der Pallas Athene

Nach Beendigung der Baumaßnahmen wurde über dem Hauptportal eine Büste der Pallas Athene aufgestellt. Diese Büste befindet sich heute in der Einfahrt zum Parkdeck in der Mauerstraße.

(Unterschiedliche Angaben hinsichtlich der Anbringung der Büste an der Hainkaserne: Nach erfolgtem Umbau 1835 oder bei Einrichtung der Unteroffiziervorschule um 1877, s. u.).

Nach dem Krieg von 1866, den Nassau auf Seiten Österreichs gegen Preußen führte,  wurde das Herzogtum Nassau vom siegreichen Preußen annektiert. Die Bataillone des Nassauischen Regiments kamen nicht mehr nach Weilburg zurück und es fanden bis zum Krieg 1870/71 andere Bataillone in der Hainkaserne Unterkunft. Als ab 1870 die Kaserne leer stand, wurde die Einrichtung einer preußischen Unteroffiziervorschule beschlossen.

Mit Einrichtung der preußischen Unteroffiziervorschule wurden 1876/77 die turmartigen, fünfgeschossigen beiden Seitenflügel angebaut.  Architektonisch wurde der Mittelteil durch ein verbreitertes Gurtgesims mit den Anbauten verbunden. Das Eingangsportal erhielt einen Querblendbogen mit einem Portikus und als Portalschmuck (wieder/erstmalig ??) die Büste der Pallas Athene. 

Beim Umbau zur Kaserne wurde neben dem Gebäudekomplex ein Exerzierplatz für die Garnison angelegt. Später wurde daraus ein Sportplatz, der vom Weilburger Fußballverein e. V. 1919 bis zu dessen Wechsel in die neuen Sportanlagen am Gymnasium (etwa 1995) als Fußballplatz genutzt wurde. Heute finden hier u. a. Open-Air-Konzerte und Gewerbeausstellungen statt und die Weilburger Kirmes (ab 2002).

Nachdem die Unteroffiziervorschule 1913  in die "Neue Kaserne" an der Frankfurter Straße umgezogen war, kam die Hainkaserne - jetzt mit "Alte Kaserne" bezeichnet - in städtischen Besitz und wurde auf verschiedenste Art genutzt, u. a. als Klavierfabrik, Lazarett, Offiziers-Gefangenenlager im 1. Weltkrieg, als Reichsarbeitsdienstlager 1933 und zur Unterbringung von Schulen während und nach dem 2. Weltkrieg.

1955 mussten wegen Baufälligkeit die zwei Fachwerk-Obergeschosse  abgerissen werden. Im verbleibenden Mittelteil richtete ab 1955 der Knabbergebäckhersteller Hultsch seine Produktion ein.

1979 wurden die Seitentürme und der massiv gebaute zweistöckige Mittelteil mit neun großen Rundbogentüren restauriert. Heute befinden sich in der Hainkaserne der Feuerwehrstützpunkt, Wohnungen, sowie städtische Räume die von Weilburger Vereinen genutzt werden.