Sehenswert in Weilburg

Heilig-Grab-Kapelle am Alten Friedhof

Die Heilig-Grab-Kapelle befindet sich am alten Friedhof, etwa 200 Meter hinter dem Landtor, stadtauswärts auf der rechten Seite der Frankfurter Straße. Sie bildet mit dem 31 Meter entfernten Heiligen Kreuz (allg. mit Kalvarienberg oder Kreuzigungsgruppe bezeichnet) eine Einheit entsprechend dem Jerusalemer Vorbild.

Sie ist das älteste in der Stadt Weilburg noch erhaltene Bauensemble. Es wird angenommen, dass die Veranlassung zum Bau der Kapelle auf Graf Johann Ludwig von Nassau-Saarbrücken zurückgeht. Es ist aber auch möglich, dass die Anlage der Passionsstätte mit Heilig-Grab-Kapelle und Heiligem Kreuz (Kalvarienberg) von einer Bruderschaft veranlasst wurde.

Weilburg, Heiliggrabkapelle am Alten Friedhof

Heiliggrabkapelle am Alten Friedhof

Graf Johann Ludwig I. von Nassau-Saarbrücken (1490-1545) trat am 31. März 1495 eine Pilgerfahrt nach Jerusalem an, von der er im Januar 1496 zurückkehrte. Zur Erinnerung an diese Fahrt ins Heilige Land ließ er eine Passionsstätte in Saarbrücken erbauen, die allerdings nicht mehr erhalten ist.

Im Jahr 1499 hatte Kaiser Maximilian I. den Grafen Johann Ludwig zum Vormund und Mitregenten von dessen Vetter, Graf Ludwig I. von Nassau-Weilburg eingesetzt und in dieser Eigenschaft hielt sich Graf Johann Ludwig immer wieder für längere Zeit in Weilburg auf. Es kann deshalb wohl zu Recht angenommen werden, dass er den Bau der Heilig-Grab-Kapelle zumindest anregte und unterstützte, vielleicht auch selbst beauftragte. Da im Türsturz der Kapelle das Erbauungsjahr 1505 eingemeißelt ist, muss der Auftrag zum Bau der Anlage sehr bald nach 1499 erteilt worden sein.

Die Kapelle wurde wahrscheinlich an einer Stelle erbaut, an der zuvor eine Marienkirche stand. Die an ihrer Stelle erbaute Heilig-Grab-Kapelle wurde nach dem Vorbild der heiligen Gedenkstätten Jerusalems errichtet. Dazu gehört auch die Anlage des Kalvarienbergs mit der Kreuzigungsgruppe, die sich genau 31 Meter von der Kapelle entfernt, entsprechend dem Jerusalemer Vorbild von Grabeskirche und Kalvarienberg, befindet. Baumeister der Heilig-Grab-Kapelle war Brungen von Bingenheim, der auch an Arbeiten im Schloss mitwirkte.

Die Heilig-Grab-Kapelle war Endpunkt der Prozession, in der die christliche Gemeinde Weilburgs den Leidensweg von Jesus in der Osterzeit nachvollzog. Diese Prozessionen endeten mit der Reformation, die bereits 1526 in Weilburg begann und 1555 endgültig eingeführt wurde.

Im Zusammenhang mit baulichen Veränderungen am Schloss und der Schaffung einer Renaissancegartenanlage 1573/74, musste der nahe beim Schloss und der Marienkirche gelegene Friedhof nach außerhalb der Stadt verlegt werden. Dieser Friedhof (heute "Alter Friedhof") wurde bei der Heilig-Grab-Kapelle angelegt. Ab 1574 wurde die Kapelle nur noch für Leichenpredigten benutzt. Um für die Teilnehmer ausreichend Platz zu bieten wurden Umbauten vorgenommen, indem u. a. eine Empore eingebaut wurde und dafür das Zeltdach geändert werden musste, um einen Zugang zu schaffen.

Nachdem die Kapelle später kaum noch genutzt wurde, verfiel diese immer mehr. Eine Renovierung und Umbauten erfolgten 1866 durch Wilhelm von Dungern, der als letzte Ruhestätte für seine Eltern im Bereich des Vorraums eine Gruft errichten ließ.

Seit 1947 steht die Heilig-Grab-Kapelle wieder für Andachten zur Verfügung. Sie wird bis heute für regelmäßig stattfindende Wochenschlussandachten, aber auch für Hochzeiten und Taufen genutzt. Eigentümer ist heute die Evangelische Kirchengemeinde Weilburg.

Weitere Texte und Bilder zum alten Friedhof und den Passionsstätten Heilig-Grab-Kapelle und Heiliges Kreuz (Kalvarienberg) finden Sie unter diesem Link zur Auswahlseite: Alter Friedhof, Heilig-Grab-Kapelle, Heiliges Kreuz.