Sehenswert in Weilburg

Jüdischer Friedhof

Weilburg, Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof

Weilburg, Grabsteine auf dem Jüdischen Friedhof

Ab wann ein Friedhof für jüdische Bürger in Weilburg bestand, ist unbekannt. Belege für in Weilburg lebende Juden gibt es nur anhand Frankfurter Gerichtsakten aus den Jahren 1340 bis 1347, in denen der Jude Kalmann aus Weilburg genannt wird.

Mit der besonders im 16. und 17. Jahrhundert zunehmenden Zahl jüdischer Einwohner in Weilburg wurde der vorhandene Friedhof im Hang oberhalb der Hainallee (Garten des früheren Lokals „Lord“, Vorstadt; nach anderen Angaben am Mühlberg) zu klein. Die Kultusgemeinde erwarb deshalb im Januar 1751 Land außerhalb der Stadt (heute an der Straße „Auf dem Dill“), zur Anlage eines neuen Friedhofs.

Der Friedhof wurde 1886/87 erweitert und wahrscheinlich bei dieser Gelegenheit auch mit einer Mauer umfasst. Im Zusammenhang mit der Auflösung der Jüdischen Gemeinde (1938) wurde von dieser der noch unbelegte Friedhofsbereich verkauft; der Käufer ließ 1957 dort ein Wohnhaus errichten.

Der älteste auf dem Friedhof noch zu datierende Grabstein stammt aus dem Jahr 1842. Die Mehrzahl der Grabsteine stammt aus der Zeit um die Wende 19./20. Jahrhundert. Mit dem Tod von Martha Halberstadt, geb. Sternberg, am 4. Oktober 1936, fand die letzte Beisetzung statt. Die Jüdische Gemeinde wurde zum 31. Oktober 1938 aufgelöst und der Friedhof ging in das Eigentum der Reichsvereinigung der Juden, Bezirksstelle Hessen-Nassau in Frankfurt, über. Das Vermögen der Reichsvereinigung fiel nach deren Auflösung im Juni 1943 an das Großdeutsche Reich und die Verwaltung des Friedhofs lag beim Finanzamt Weilburg. Heute ist der Jüdische Friedhof Weilburgs Eigentum des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen. Er umfasst ca. 1.200 qm. und noch mehr als 100 Grabsteine zeugen von der einstigen Jüdischen Gemeinde Weilburgs.

Der Schlüssel zum Friedhof ist im Rathaus der Stadt Weilburg, Mauerstraße 6-8, während der allgemeinen Dienstzeiten oder im Nachbarhaus Auf dem Dill 6 erhältlich. Am Shabbat (Samstag) und an jüdischen Feiertagen ist der Zutritt nicht gestattet.

Neben dem Jüdischen Friedhof gibt es in Weilburg nur noch zwei Örtlichkeiten, die Zeugnis ablegen für die einstmals bestehende Jüdische Gemeinde Weilburgs. Diese sind: an der Stadt- und Schlosskirche die Gedenktafel für jüdische Weilburger und das Haus Bogengasse 2, worin sich bis 1938 die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde befand.

Infos zu zwei Gedenktafeln und eine Fotogalerie finden Sie unter nachstehenden Links: Gedenktafeln auf dem Jüdischen Friedhof, Fotoserie Jüdischer Friedhof.

Auswanderung, Vertreibung, Deportation und Ermordung führten zum Erlöschen der Jüdischen Gemeinde Weilburgs. Seit dem trifft zu, was Landesrabbiner Ernst Roth am 18. Juni 1978 anlässlich einer Gedenktafelenthüllung auf dem Jüdischen Friedhof Weilburgs feststellte:

„Es gibt auf diesem Friedhof keine Beisetzung mehr, denn in Weilburg leben keine Juden mehr".