Sehenswert in Weilburg

Straßen, Gassen, Häuser

Pfarrgasse

Weilburg, Pfarrgasse 2

Pfarrgasse 2

Von der Ostseite des Marktplatzes beim Schlossgarteneingang verläuft die Pfarrgasse erst eben entlang der Schlossgartenmauer südlich, um dann in westliche Richtung abzubiegen und abfallend bis zu ihrer Einmündung im untersten Teil der Marktstraße zu führen. Dieser Bereich gehörte im Hochmittelalter zur Burg und neben anderen Gebäuden befand sich hier auch das alte Herrenhaus, die casa dominica, der spätere Amtshof und Verwaltungssitz der Amtmänner (heute der Bereich oberer Schlossgarten/Pfarrgasse 2). Im oberen Teil des abfallenden Gassenbereichs (heute der Bereich untere Schlossgartenterrasse und oberhalb des alten Stadtturms, Ende der Turmgasse) befand sich die mittelalterliche Dechanei, am unteren Gassenende war die vom Dekan des St. Walpurgisstifts bewohnte Propstei, heute das Haus Marktstraße 21 (Ecke Turmgasse/Vorstadt).

Eine Neuordnung dieses gesamten Bereichs erfolgte im Zusammenhang mit der Neugestaltung der Stadt und des Schlossbereichs unter Graf Johann Ernst von Nassau-Weilburg. Bei dieser Neugestaltung wurde auch der Schlossgarten in seiner heutigen Form angelegt und die mit "Lustgarten" bezeichnete Parkanlage mit einer Mauer gegen die Pfarrgasse abgegrenzt. Die bisher mit Stiftsgasse bezeichnete Gasse hieß dann in ihrem oberen und ebenen Teil "An der Lustgartenmauer" und 1770 "Hinterm Lustgarten". Den heutigen Namen "Pfarrgasse" für den gesamten Verlauf vom Marktplatz bis zur Marktstraße erhielt die Gasse wahrscheinlich 1862.

Weilburg, Pfarrgasse 4/6

Pfarrgasse 4/6

Der Hausbestand in der Pfarrgasse gegenüber der Schlossgartenmauer stammt aus der Zeit um 1703. Das Haus Nr. 2 befindet sich im Bereich des um 1700 abgerissenen Amtshofes, worauf auch die ausgedehnten Kellergewölbe hinweisen. Das große Giebelhaus ragt mit seiner breiten Fachwerkfassade über die Schlossgartenmauer hinaus. Oberhalb des verputzten Erdgeschosses ist das Fachwerk freigelegt, dessen ursprüngliche Symmetrie durch Fenstervergrößerungen jedoch leider gestört. Die äußere Torfahrt wurde erst später hinzugefügt, ebenso der um 1800 erstellte traufständige Anbau an der rechten Seite.

Fürst Karl Christian von Nassau-Weilburg schenkte das Haus laut einer Urkunde vom 06.12.1765 an Heinrich Reineke ...für die bis dahin geleistete und von ihm auch fernerhin anhaltende treu ersprießliche Dienste. Das noch dem Fürsten vorbehaltene Recht zum Gebrauch der Kellergewölbe wurde an Reineke am 09.02.1774 ebenfalls übertragen. Dessen Kinder verkauften das Haus 1804 an die evangelisch-reformierte Gemeinde. Dieser war der Erwerb ermöglicht worden, weil der Weilburger Bürger Philipp Balthasar Mainzler (Maintzler, Menzler) bei seinem Tod 1798 der Kirche eine Stiftung von 18.000 Gulden hinterlassen hatte. Eine Marmortafel mit Inschrift erinnert daran. Bis das Haus 1910 dann wieder in Privatbesitz verkauft wurde, diente es als Wohnhaus des jeweiligen evangelischen Pfarrers.  

Weilburg; Pfarrgasse 1

Pfarrgasse 1

Auf zwei älteren Parzellen wurde um 1700 das Doppelhaus Pfarrgasse 4/6 errichtet. Über dem verputzten Erdgeschoss teilt das freigelegte Schmuckfachwerk die Front durch hohe Mann-Formen in vier symmetrische Zonen. Das Zwerchhaus über dem Mittelteil wurde erst um 1800 dem Gebäude zugefügt.

Das Haus Pfarrgasse 1 steht dort, wo die Pfarrgasse in westliche Richtung abbiegt und zur Marktstraße abfällt. Die Schlossgartenmauer endet an diesem Gebäude und die östliche Giebelwand ist gleichzeitig die Begrenzung der oberen Schlossgartenterrasse.

Veranlasst wurde der Bau dieses Hauses - ebenso wie der des anschließenden Hauses Pfarrgasse 3 - von Fürst Karl Christian von Nassau Weilburg. Dieser starb am 28.11.1788 und das Haus Nr. 3 wurde unter seinem Sohn und Nachfolger Fürst Friedrich Wilhelm in den Jahren 1790/91 erbaut. Baumeister war vermutlich wie bei dem zuvor errichteten Haus Nr. 3 der fürstliche Bauinspektor Johann Ludwig Leidner.

Weilburg; Pfarrgasse 3

Pfarrgasse 3

Weilburg; Pfarrgasse 3

Pfarrgasse 3
(aus "Denkmaltopographie", s. u. Quellenangaben)

Der aus Stein errichtete Putzbau ist zweigeschossig und in acht Achsen gegliedert. Das Mansardendach trägt zwei Reihen versetzt angeordneter Gaupen. Der rechte Hausteil enthält ein Hallenvestibül, der Hauseingang der linken Gebäudehälfte ist zugesetzt.

Errichtet wurde das Gebäude als Doppelhaus für zwei höhere Hofbeamte, später diente es als Gärtnerhaus und Gendarmerie. Heute befindet sich das Gebäude in Privatbesitz. 

Der ebenfalls von Fürst Karl Christian von Nassau Weilburg veranlasste Bau des Hauses Pfarrgasse 3 erfolgte 1788. Als Amts- und Wohnsitz der Weilburger Dekanatsverwaltung sollte der Bau die Funktion der unterhalb gelegenen alten Dechanei bzw. Superintendentur übernehmen. Da kein Stiftsvermögen vorhanden war wurden alle Kosten vom Fürsten übernommen. Dieser wies den Bauinspektor Johann Ludwig Leidner an einen repräsentativen Bau zu schaffen, der zur Verschönerung der Stadt beiträgt. Für den Bau mussten mehrere Häuser, teils bereits baufällig, angekauft und abgerissen werden, darunter auch die alte Stiftsscheuer, die aber etwas unterhalb wieder aufgebaut wurde.

Weilburg, Lahn, Pfarrgasse 3, Bogenstein mit Wappen

Pfarrgasse 3, Bogenstein mit Wappen

Das Haus diente als Pfarramt des Pfarrbezirks II. und war auch Aufbewahrungsort der Kirchenbücher der evangelischen Kirchengemeinde, bis es 1997 in Privatbesitz verkauft wurde.

Das zweigeschossige Gebäude wurde aus Bruchstein errichtet, dem das in Weilburg übliche Mansardenwalmdach aufgesetzt wurde. Das Dach erhielt drei große, regelmäßig versetzte Gaupenfenster und über diesen zwei wiederum versetzt angeordnete Gaupen. Diese, die Symmetrie des Hauses unterstreichenden und für Weilburgs Häuser typischen Gestaltungselemente, wurden bei der letzten Renovierung leider demontiert. Die Front ist fünfachsig gegliedert, wobei Fenster und Portal das gleiche Werksteingewände mit kleinen Kehlsteinauflagen zeigen. Die verputzten Außenwände wurden hellgelb gestrichen, die Hausteine mit Öl.

Weilburg, Pfarrgasse 9

Pfarrgasse 9

An der Gartenseite von Haus Nr. 3 befindet sich über einem Rundportal ein wieder verwendeter Bogenstein. Dieser trägt die Jahreszahl 1563 und darüber ein Doppelwappen aus rotem Sandstein. Es ist das Allianzwappen des Johann von Rheinberg und seiner Ehefrau Catharina von Selbold. Ungewöhnlich bei diesem Wappen ist die Reihenfolge Selbold/Rheinberg. Aus dieser Anordnung kann vermutet werden, dass das Wappen ursprünglich ein als Witwensitz errichtetes Gebäude schmückte. Johann von Rheinberg war 1561-1568 Amtmann in Weilburg und starb am 31.08.1569, Catharina von Selbold starb am 18.10.1613.

Am unteren Eingang der Pfarrgasse schafft ein im Giebelbereich verschieferter, sonst verputzter Fachwerkbau aus dem 18. Jahrhundert einen kleinen Vorplatz. Durch einen türmchenartigen Vorbau der dem Haus um 1800 hinzugefügt worden ist, entstand eine interessante Giebelstaffelung. Diese wird durch das abgeschrägte Erdgeschoss und das durch eine Schnitzbüge unterstützte auskragende Obergeschoss noch verstärkt.