Sehenswert in Weilburg

Rollschiff

Die seit mehr als 300 Jahren existierende Fährverbindung mit dem Rollschiff über die Lahn wird nur in den Saisonmonaten (etwa April bis September) ausgeführt. In der Saison 2012 verkehrt das Rollschiff an Samstagen, Sonn- und Feiertagen von 14:00 Uhr-17:00 Uhr. Über die Tourist-Info Weilburg können zusätzliche Termine vereinbart werden.

Leider wurden aus finanziellenn Gründen die Betriebszeiten des Rollschiffs von der Stadt Weilburg seit der Saison 2002 drastisch eingeschränkt. Das Rollschiff verkehrte nur an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, ab 2003 nur noch an Sonn- und Feiertagen. Ab 2007 drohte gar die völlige Einstellung des Rollschiffbetriebs, da die Stadt Weilburg nicht mehr bereit war, einen Zuschuss in Höhe von 3.000 Euro zu leisten und auch die städtische Fremdenverkehrs-Marketing-Gesellschaft (FMG) diese Kosten nicht übernahm. Nur durch die finanzielle Unterstützung einiger Weilburger Vereine wie dem Obst- und Gartenbauverein Weilburg, der Bürgerinitiative "Alt-Weilburg", den Weilburger Lions und dem Kur- und Verkehrsverein Weilburg ist es zu verdanken, dass der Fährbetrieb 2007 nicht eingestellt werden musste.

In der Fährsaison 2011 wurden am Rollschiff altersbedingte Schäden festgestellt, die eine umfassende Reparatur erforderlich machten und der Fährbetrieb musste noch vor Saisonende eingestellt werden. Statt der Anschaffung eines neuen Aluminiumbootes hat man sich aus historischen Gründen für eine umfassende Instandsetzung des 70 Jahre alten Rollschiffs entschieden. Die Kosten der dafür notwendigen Arbeiten beliefen sich auf rund 14.000 Euro. Am 28. April 2012 konnte der Fährverkehr wieder aufgenommen werden.

Die Überfahrt mit dem Rollschiff kostet für

  • Kinder bis 14 Jahre: 0,25 Euro,
  • Erwachsene: 0,50 Euro,
  • Fahrräder: 0,50 Euro.
Weilburg, Lahn, Rollschiff

Rollschiff

Die Personenfähre "Rollschiff" besteht seit 1691. Die Fähre setzt dicht oberhalb des zweiten Weilburger Wehrs von der Anlegestelle "Im Bangert" auf die Lahnseite unterhalb der Hauseley über.

Die Bezeichnung "Rollschiff" rührt von der Führung des Schiffes mittels eines Drahtseiles her, das über Rollen geführt wird. Der Fährmann zieht das Schiff von Hand an dem Drahtseil über die Lahn.

Das Rollschiff diente nur dem Personen- und Tiertransport. Fuhrwerke querten die Lahn an einer Furt, etwa dort, wo sich heute der Schleusenausgang befindet.

Vor Bestehen des Rollschiffs bzw. der dortigen Übersetzmöglichkeit mit einem Nachen, befand sich eine Fährverbindung ein Stück weiter lahnabwärts, etwa dort wo der Reuschenbach in die Lahn einmündet.

Einige Einzelheiten zur Geschichte des Rollschiffs veröffentlichte F. A. Schmidt in der Nr. 12/1928 der monatlichen Zeitungsbeilage "Land und Leute im Oberlahnkreis". Demnach wurde vor 1691 ein Nachen statt des Rollschiffs benutzt. Von dem Nachen wurde z. B. im Jahr 1658 berichtet, dass dieser bei einer Flut abtrieb und in Aumenau von zwei Fischern aus Weilburg abgeholt werden musste.

Weilburg, Lahn, Rollschiff

Rollschiff

Gefertigt wurde das erste Rollschiff 1691 von Joh. Georg Rohrbach aus Odenhausen an der Lahn (nahe Lollar), der das Schiff im September selbst nach Weilburg überführte. Die Kosten für Schiff und Seil betrugen 18 Gulden. In Weilburg wurden die Beschläge, Pfosten und Rollen gefertigt. Über die Winterzeit wurde das Rollschiff in die nahe Mühle (Kirchhofsmühle) verbracht, wozu es über das Wehr transportiert werden musste.

Wie aber auch schon bei dem früher eingesetzten Nachen geschehen, wurde das Rollschiff ziemlich häufig durch Flut beschädigt. Schon 1693 nahm eine Flut das noch fast neue Rollschiff mit sich und beschädigte es so stark, dass eine umfangreiche Reparatur erforderlich wurde. Trotz der Instandsetzung wurde schon 1695 die Beschaffung eines neuen Schiffes notwendig, mit dessen Bau wieder Joh. Georg Rohrbach aus Odenhausen beauftragt wurde. Für dieses Schiff betrugen die Kosten 16 1/2 Gulden und für das Seil 11 Gulden.

Weilburg, Lahn, Rollschiff

Rollschiff

Gegen Zahlung von jährlich einem Gulden übertrug danach die Stadt Weilburg die Aufsicht über das Rollschiff an den Fischer Welker. Aber schon 1698 wurde das Rollschiff erneut abgetrieben und als es in Arfurt anlandete war es so stark beschädigt, dass erneut der Bau eines Schiffes in Auftrag gegeben werden musste. Betraut wurde damit wieder Joh. Georg Rohrbach und es wurden 10 1/2 Gulden als Preis vereinbart.

Auch das neue Schiff wurde 1699 vom Wasser losgerissen und bis Aumenau abgetrieben, ein anderes mal fror es ein und musste frei gehackt werden. Und auch wenn das Rollschiff mehrmals über das Wehr in die Sicherheit der Mühle gebracht wurde, war es nicht vor jedem Schaden zu bewahren, auch nicht davor, dass 1702 z. B. "die bösen Buben" das Schiff los machten und abtreiben ließen.

So wundert es nicht, wenn die Stadt 1703 ein neues Schiff - diesmal für 13 Gulden in Runkel - bauen ließ; das alte Schiff behielt man daneben noch bei. Die Schiffe wurden zu dieser Zeit als Bürgerschiffe bezeichnet.

 Aber auch dieses Bürgerschiff wurde wieder beschädigt, als es im Juni 1705 vom Wasser losgerissen und bis Kirschhofen mit der Flut abtrieb. Man ließ das Schiff reparieren, musste im Oktober aber doch ein neues Schiff fertigen lassen. Dieses bestellte man wieder bei dem Schiffsbauer Rohrbach aus Odenhausen zum Preis von 13 Gulden.

Zwar wurde auch dieses Schiff schon im Mai 1706 wieder los gerissen und abgetrieben, wohl aber nicht zu stark beschädigt. Beim Hochwasser im Juni konnte das Schiff rechtzeitig gesichert werden und als es 1707 und 1708 vom Wasser wieder los gerissen und bis Runkel bzw. Aumenau abgetrieben wurde, waren die Schäden gering.

So wurde erst 1715 wieder ein Schiffsneubau erforderlich, der dieses Mal wieder in Runkel und für den Preis von 15 Gulden erfolgte. 1719 war wieder der Schiffbauer Rohrbach aus Odenhausen an der Reihe und 1721 wurde ein Schiffsneubau wieder nach Runkel vergeben.