Sehenswert in Weilburg

Schiffstunnel

Weilburg, Lahn, obere Schiffstunneleinfahrt

Obere Schiffstunneleinfahrt

Der Schifffahrtstunnel in Weilburg wurde in den Jahren 1844-1847 erbaut. Er ist der älteste und längste durch Wasserfahrzeuge befahrbare Schifffahrtstunnel in Deutschland und zusammen mit der an seinem unteren Ausgang befindlichen Kuppelschleuse ein einmaliges technisches Denkmal.

Bei einer Kuppelschleuse werden zwei hintereinander liegende Schleusen so aneinander gerückt, dass das Unterhaupt der oberen Schleuse zugleich Oberhaupt der unteren Schleuse ist. Die Kuppelschleuse in Weilburg ist ebenfalls eine technische Rarität. Sie wurde in Deutschland als zweite Schleuse dieser Art erbaut: Die erste Kuppelschleuse entstand im alten Hanekenkanal bei Meppen (1824 - 1845). 

Tunneldurchfahrt und Schleusung sind kostenlos, die Schleusenbedienung wird von den Durchzuschleusenden selbst vorgenommen.

Einige technische Daten:

  • Tunnellänge: 195,26 m
  • Zwei Schleusenkammern
  • Tunnelbreite: 5,60 m
  • Länge jeder Kammer: 34 m
  • Tunnelhöhe: 6,30 m
  • Breite jeder Kammer: 5,34 m
  • Wassertiefe im Tunnel: 1,75 m
  • Höhenunterschied Tunneleinfahrt - untere Schleusenausfahrt: 4,65 m
Weilburg, Lahn, Schleuse an der Tunnelausfahrt

Schleuse an der Tunnelausfahrt

Bereits seit dem Mittelalter war die Lahn von ihrer Mündung bis Diez schiffbar. Als 1803 Limburg unter nassauische Herrschaft kam, wuchs das Interesse Nassaus, die unter seiner Verwaltung stehende Flussstrecke schiffbar zu machen. Vor allem Sandbänke und die bis zu 1,50 m hohen Steinwehre verhinderten die Schifffahrt.

Im Jahr 1808 begann die Regulierung und Schiffbarmachung der Lahn, wofür vor allem die Wehre befahrbar gemacht werden mussten. Dazu wurden in die Wehre mit Holzbohlen ausgekleidete Rinnen eingelassen, die am oberen Ende mit Bohlen gegen das Wasser abgedichtet waren. Bei Talfahrt wurden die Bohlen herausgezogen und die Schiffe durch diese Rinne manövriert. Bei der Bergfahrt mussten die Schiffe durch Pferde oder mittels eines Flaschenzugs durch die Rinne im Wehr gegen den Strom bergauf gezogen werden.

Bereits im Jahr 1809 war die Lahn bis Runkel für Schiffe befahrbar und 1810 wurde die Strecke Runkel-Weilburg eröffnet. Bereits zwei Jahre früher aber bestanden Pläne, die Lahn bis Marburg für die Schifffahrt auszubauen und man zog sogar eine Verbindung von Lahn und Fulda in Betracht. 1816 wurde mit Preußen ein über Nassau hinausgehender Ausbau der Lahn vereinbart; tatsächlich wurden aber vor allem Regulierungs- und Instandhaltungsarbeiten vorgenommen. Nassau und Preußen waren vor allem an einem Ausbau bis Gießen interessiert, um den Transportweg über die Lahn für das auf ihren Territorien abgebaute Eisenerz nutzen zu können. Der Eisenerzbergbau hatte sich stürmisch entwickelt und dementsprechend auch der Schiffsbetrieb. Zählte man 1828 an der Runkeler Schleuse 278 Schiffe, so stieg diese Zahl bis 1835 auf 762 Schiffe an.

1844 wurde zwischen den Regierungen Nassaus, Preußens und Hessen-Darmstadts vereinbart, die Lahn von der Mündung bis Gießen für Schiffe mit 100 preuß. Fuß Länge, 16 preuß. Fuß Breite und 2 preuß. Fuß Tiefgang (1 preuß. Fuß = 0,314 m) befahrbar zu machen.

Zur Überwindung der beiden Wehre bei Weilburg hatte man bereits 1838 geplant, den Bergrücken bei Weilburg in Höhe des Landtors zu durchstoßen und in diesem Jahr auch ein entsprechendes Gutachten in Auftrag gegeben. Nach Erstellung von Kostenvoranschlägen, bergbautechnischer Untersuchungen und erforderlichem Grunderwerb erteilte am 18. Juli 1843 die Landesregierung den Auftrag, die Arbeiten zur Ausführung der Tunnelanlage zu vergeben. Die Fertigstellung wurde bis Ende 1845 erwartet. Unerwartet schwierige Felsarbeiten und erforderliche Ausmauerungen verzögerten jedoch eine so frühzeitige Fertigstellung. Der Schiffstunnel wurde am 18.09.1847 seiner Bestimmung übergeben.

Am oberen Tunneleingang ist eine Marmortafel (ersetzte 1966 die ursprüngliche Sandsteintafel) angebracht mit der Inschrift:

ADOLPHUS
DUX NASSOVIAE
MONTIS JUGUM PERFOSSUM

NAVIBUS APERUIT
A.D. MDCCCXLVII

(Adolph Herzog von Nassau hat den Rücken des Berges durchstochen und den Schiffen geöffnet A. D. 1847).

Am Portal der Tunnelausfahrt ist eine Sandsteintafel angebracht mit der Inschrift:

Adolph Herzog zu Nassau
der Schifffahrt 1847

Die wirtschaftliche Bedeutung der Lahnschifffahrt und damit des Weilburger Schiffstunnels bestand nur für ca. 10 Jahre, da bereits 1858 der Bau der Lahntalbahn begonnen wurde (1858 Oberlahnstein - Bad Ems, 1862  bis Limburg und Weilburg, 1863 bis Wetzlar). Auch der Bau der Lahntalbahn muss als hervorragende technische Leistung angesichts der zu bewältigenden Schwierigkeiten angesehen werden, wird diese Strecke doch über neun große Brücken und durch 18 Tunnel geführt.

Einen Aufsatz "Schifffahrtstunnel und Wasserreservoire - Historische Wasserbauten in Weilburg" mit weiteren Informationen zur Baugeschichte des Schiffstunnels finden Sie im Hauptmenü unter "Geschichtliches". 

Sie finden einige Fotos über diesen Link: Motive vom Weilburger Schiffstunnel.