Sehenswert in Weilburg

Schlossanlagen

Innenräume des Hochschlosses
Obere Orangerie

Weilburg, Innenräume, Schloss: Obere Orangerie, Südflügel

Obere Orangerie, Südflügel

Die Obere Orangerie stellt die Verbindung zwischen Hochschloss und Stadt- und Schlosskirche her. Erbaut unter Julius Ludwig Rothweil, 1703-1705, ersetzte sie den seit der Renaissance vorhandenen "Kirchengang" und ergänzte als Gartensaal den für ein Barockschloss ungenügenden Festsaal im Hochschloss.

Nord- und Südflügel dienten in der kalten Jahreszeit der Unterbringung von Zitrusarten. Es ist aber auch möglich, dass hierfür nur der Nordflügel als Kalthaus genutzt wurde, der Südflügel dagegen als Warmhaus für Palmen und Farne diente. Der Nordflügel beherbergte aber auch eine Menagerie einheimischer und fremder Kleintiere und Vögel, die bis 1737 bestand.

Der Nordflügel war mit Holzvertäfelungen gestaltet, die mit Bandlwerkornamenten des Frankfurter Malers Johann Konrad Unsinger aus dem Jahr 1705 verziert waren. Die Kachelimitationen auf gewachster Leinwand wurden 1737-1739 von dem Weilburger Hofmaler Georg Friedrich Christian Seekatz (1683-1750) gemalt. Die 1.548 Kachelimitate die Seekatz und seine Mitarbeiter im Blauton und nach der Manier von Delfter Kacheln malten, zeigen die unterschiedlichsten Motive. Dargestellt werden z. B. Damen, Soldaten, Hirten, Gaukler, Gestalten aus der Bibel, Putten, Vögel, einheimische und exotische Tiere und über 400 Abbildungen menschlicher Köpfe.

Weilburg, Innenräume, Schloss: Obere Orangerie, Nordflügel mit Seekatzschen Kachelimitationen

Obere Orangerie, Nordflügel mit Seekatzschen Kachelimitationen

Die 1790 entstandene Scheinarchitektur mit gemalten Nischen und Öfen in der südlichen Galerie schuf evtl. der Wetzlarer Maler Friedr. Christ. Reinermann. Diese Art der Ausgestaltung in der oberen Orangerie stellt ein seltenes Beispiel für die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts beliebte Dekorationsform dar.

Der sich über den mittleren Teil erstreckende Saal mit einer Musikempore geht über zwei Geschosse. Der Fußboden wurde aus rot und schwarz gemustertem Marmor gefertigt, die Stuckarbeiten führte Carlo Maria Pozzi aus. Umgeben von allegorischen Figuren (z. B. Freiheit und Gerechtigkeit) stellt das 1705 von Johann Melchior Roos (1659-1731) geschaffene Deckengemälde die Verherrlichung des Regenten dar.