Sehenswert in Weilburg

Schlossanlagen

Stadt- und Schlosskirche, Herrscherloge

Weilburg, Lahn, Schlosskirche, Medaillonbild Glaube

Medaillonbild "Glaube"

Wie in allen Reichsgebieten, in denen sich die Reformation durchgesetzt hatte, waren auch in der Grafschaft Nassau-Weilburg mit deren Abschluss 1555 die vorhandenen kirchlichen Strukturen zerstört worden. Und auch Graf Johann Ernst hatte, so wie die Regenten anderer protestantischer Gebiete, die Funktionen des Landesbischofs und obersten Kirchenherrn übernommen.

Beim Bau der neuen Hof- und Stadtkirche war es deshalb selbstverständlich, dass für den Landesregenten und Kirchenoberen ein repräsentativer und gegenüber anderen Kirchenbesuchern herausgehobener Platz vorgesehen wurde. Die Fürstenloge entsprach diesen Anforderungen und dokumentierte für jeden sichtbar den weltlichen und kirchlichen Herrschaftsanspruch des Grafen. ("Fürstenloge" als Bezeichnung hat sich eingebürgert, historisch richtiger wäre aber ihre Benennung mit "Herrscherloge", da Johann Ernst zum Zeitpunkt des Baus die Reichsfürstenwürde nicht innehatte; diese nahm erst 1737 sein Sohn Carl August an.)

Weilburg, Lahn, Schlosskirche, Herrscherloge

Herrscherloge

Gegenüber dem Kanzelaltar und mit diesem über die Mittelachse verbunden, befindet sich die Loge auf Kanzelhöhe. Die Logenbrüstung und die darüber aufgeführten Fensterfronten schaffen in Verbindung mit der Fassadengestaltung der Logenfront einen besonderen Raum im Kirchenschiff. Die Konzeption der Herrscherloge als besonderes "Zimmer" schuf auch die Möglichkeit diese Loge zu beheizen. Durch die reich geschmückte Fassade ist die Herrschaft nach außen repräsentiert, gleichzeitig aber getrennt von der übrigen Gemeinde. Auch beim Gang zur oder von der Loge findet kein Kontakt mit der Gemeinde statt, da der Weg vom Schloss zur Kirche durch die obere Orangerie und von dort über ein Treppenhaus in die Etage der Logen führt.

Die Beheizung der Fürstenloge konnte über zwei Öfen vorgenommen werden, der Lichteinfall erfolgt durch die Rundbogenfenster zum Kirchenraum und ein weiteres Fenster zum Schlossgarten. Der Fußboden ist mit Dielen ausgeführt, wobei der Platz des Grafen durch die dunkleren Begrenzungen angezeigt wird. Mit einer Türe an jeder Seite wird über Wendeltreppen der Zugang zum Erdgeschoss ermöglicht, je eine weitere Tür an den Seiten verbindet mit dem Cavalierstuhl bzw. Fräuleinstuhl.

Weilburg, Lahn, Schlosskirche, Wandfeld mit Ornamentmalerei und Medaillonbild

Wandfeld mit Ornamentmalerei und Medaillonbild

Wände und Decke tragen Stuckarbeiten von Andreas Gallasini, deren teilweise streng geometrische Formen und Linien von ornamentalen Elementen aufgelockert werden. Die ornamenthafte Bandelwerkmalerei, Medaillonbilder und Gemälde stammen von Georg Friedrich Christian Seekatz.

Das größte Gemälde befindet sich im Deckenspiegel und wird von Stuckatur eingefasst. Es zeigt Jesu Christi, triumphierend in den Himmel auffahrend. In der Hand hält er als der Auferstandene die Kreuzesfahne und ist umgeben von einer Schar Engel, die sein Lob singen und mit Fanfaren den Sieg des auferstandenen Christus verkünden.

Unterhalb des Deckengemäldes, über den drei Fenstern zum Kirchenraum, stellte Seekatz in ebenfalls von Stuck umrahmten Medaillons die drei christlichen Tugenden in Frauengestalten dar: Glaube - Liebe - Hoffnung.

Auf die halbrunde Rückwand des Logenraumes malte Seekatz acht Medaillons. Je ein Medaillon findet sich über jeder der vier Türen, die übrigen in jeweils einem der Ornament geschmückten Wandfelder. Bei den Medaillons handelt es sich um emblematische Darstellungen, bei denen Symbole des christlichen Glaubens mit einem Sinnspruch kombiniert sind. Jeweils zwei Embleme stehen zueinander in Beziehung, sodass sich vier Bildpaare ergeben. Im Zusammenhang zeigen die Bildpaare den Weg des Glaubens auf, diesen nicht nur allgemein im Hinblick auf die evangelische Lehre, sondern auch mit seelsorgerischer Hinwendung besonders an das Grafenpaar Johann Ernst und Maria Polyxena.

Weilburg, Lahn, Schlosskirche, Medaillonbild in der Herrscherloge

Medaillon 1, Überschrift:
HAEC SOLA POTEST
(Dieser allein vermag es)

Weilburg, Lahn, Schlosskirche, Medaillonbild in der Herrscherloge

Medaillon 8, Überschrift:
MENS LIBERA CURIS ALTA PETIT
(Der Geist, von Sorgen befreit, eilt dem Himmel entgegen)

 


Quellenangaben:
Die Loge des Grafen Johann Ernst und seiner Familie in der Evangelischen Schloßkirche in Weilburg
Kathrin Ellwardt, Reiner Braun
ohne weitere Angaben
http://www.kathrin-ellwardt.de
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Gemalte Raumdekorationen in Hessen von 1710 bis 1740
Ludwig Döry, Baron
Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main X.
Frankfurt am Main, 1962
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Julius Ludwig Rothweil. Ein rheinisch-hessischer Barockarchitekt
Magnus Backes
Studien zur deutschen Kunstgeschichte Band 317
Baden-Baden/Strasbourg, 1959